Schluss mit Dornröschenschlaf

Mehr Touristen für Bad Godesberger Burgberg

Auf dem Turm der Godesburg weht die Fahne mit dem Stadtwappen.

Auf dem Turm der Godesburg weht die Fahne mit dem Stadtwappen.

Bad Godesberg. Die Politik will mehr Gäste auf das Bad Godesberger Wahrzeichen holen und möchte mehr Hinweise für Touristen anbringen und auf die Sauberkeit achten.

Das Wahrzeichen von Bad Godesberg ist von vielen Ecken der Stadt aus gut zu sehen. Auch vom Turm selbst ist der Ausblick aufs Siebengebirge und in Richtung Bonn atemberaubend. Das wissen einige Besucher zu schätzen: Gerade bei schönem Wetter schreiten sie im Pulk die Stufen hoch.

Auf den Aussichtsplattformen werden dabei alle möglichen Sprachen gesprochen. Die Politik will aber mehr Gäste anlocken und setzt sich mit einer Vielzahl von Anträgen dafür ein, die Burg aus ihrem Schattendasein zu locken. Denn ihnen fehlen Hinweise für Touristen, sie machen sich Sorgen um fortschreitenden Efeubewuchs und wollen mehr Sauberkeit an den Aufgängen. Bonnorange hat im Februar die Reinigung der öffentlichen Wege übernommen und kommt jetzt – in den warmen Monaten – mit dem Aufräumen kaum hinterher.

Streife für den Burgberg

„Burgberg versinkt im Müll“, formuliert es Juppi Schaefer (Die Godesberger) und forderte in einem Bürgerantrag, der in der Bezirksvertretung Bad Godesberg behandelt wurde, sogar eine Burgstreife, die dort nach dem Rechten sehen soll. „Ich gehe jeden Morgen hinter dem Ännchen über den Schlangenweg“, sagte er. Da liege dann täglich neuer Müll. Er mache Bonnorange keinen Vorwurf, denn die würden dann schon bald alles wegräumen.

Nicht nur Schaefer sagt, dass der etwas versteckt gelegene Weg, der hinter den City-Terrassen auf den Hügel führt, gern von Jugendlichen als Treffpunkt genutzt werde. „Seit Mitte Februar 2018 wird der Bereich im Rahmen der Interventionseinsätze wieder regelmäßig kontrolliert“, teilt die Stadt mit. Man sei von zwei Seiten gekommen, habe aber keine ordnungsbehördlichen Feststellungen machen können. Die Polizei habe das auch bestätigt.

Im Winter wurde früher einmal pro Woche gereinigt. Mit den ersten Sonnenstrahlen vermehrt sich allerdings der Abfall, weil mehr Leute vor die Tür gehen. „Vandalismus und Feiern im öffentlichen Raum hat zugenommen. Das ist ein Trend in ganz Deutschland“, hat Bonnorange bei der jüngsten Bezirksvertretungssitzung mitgeteilt.

So habe man sich entschlossen, unterhalb des Bergfrieds eine „bedarfsgerechte Reinigung“ einzuführen – mit dem Ergebnis, dass die Mitarbeiter nun öfters vor Ort sind. Die Treppe zur Burg zum Beispiel werde dreimal die Woche gereinigt, so Sprecherin Jasmin Mangold. „An der Burg selber und im Forstbereich ist die Bonnorange AöR nicht für die Reinigung beauftragt.“ Eine regelmäßige Streife wie in der Rheinaue wird es erst einmal nicht geben.

Ungenutztes Potential

„Das touristische Potenzial Bad Godesbergs dümpelt ungenutzt herum“, sagt Wolfgang Heedt von der FDP, die sich in den vergangenen Jahren mit zahlreichen Anträgen um das Wohl der Burg gekümmert hat. So wollen die Liberalen mit ihrem neuesten Vorstoß, dass aus Mitteln des sogenannten Feuerwehrtopfes eine Tourismusstudie zu Bad Godesberg erstellt wird, um Übernachtungsbetrieben, Gastronomie und Einzelhandel neue Chancen zu eröffnen.

Es fehlten aber grundlegende Daten, um Zielgruppen zu definieren, so Heedt. Die gewünschte Marktforschungsstudie soll das ändern. Er will auch wissen, wie der das Mauerwerk schädigende Efeubewuchs eingedämmt werden kann und was aus dem gläsernen Windfang auf der Aussichtsterrasse der Burg geworden ist.

Das über die Urheberrechte verfügende Architekturbüro sei schon eingebunden, teilt die Verwaltung mit. „Danach wäre eine Einglasung prinzipiell möglich.“ Allerdings müssten noch Fragen zu Denkmalschutz, Statik, Windlasten und dem „Umgang mit der Baumkulisse“ geklärt werden. Dafür müsse dann auch Geld im Haushalt zur Verfügung stehen.

Hinweisschilder an den Autobahnen

Ende Mai beschäftigt sich der Hauptausschuss der Stadt mit der ebenfalls von der FDP initiierten Idee, touristische Hinweisschilder zur Godesburg an den umliegenden Autobahnen aufzustellen – an der A 59, A 61 und A 565. Die Politiker der Bezirksvertretung haben sich bereits einstimmig dafür ausgesprochen, dass die Verwaltung mit der Tourismus & Congress GmbH bei der Bezirksregierung Köln die Schilder beantragt.

Doch auch wer in der Stadt auf den Straßen unterwegs ist, soll Hinweise auf die Burg mit ihrem Restaurant sehen können. Gedacht ist an die Ecke Burg- und Winterstraße, die Kreuzung Bonner-, Plittersdorfer-, Moltkestraße und Ännchenplatz, die Godesberger Allee zwischen A 562 und Tunnel Bad Godesberg sowie die Strecke Mainzer Straße, Koblenzer Straße, Am Kurpark und Schwertberger Straße.

Marion Hauck, Pächterin des Restaurants Godesburg, ist in Sachen Tourismus skeptisch. „Der findet auf der anderen Seite des Rheins statt“, sagt sie. Die Burg liege zu weit von der Autobahn entfernt, so kämen auch keine Busse vorbei. Trotzdem käme der ein oder andere Besucher hoch. „Ich wäre froh, wenn hier im Innenhof ein bisschen mehr los wäre“, sagt Hauck, die nach eigenen Angaben 400 Veranstaltungen im Jahr für Firmen und Gesellschaften ausrichtet. Sie selbst beklagt den „katastrophalen Zustand“ der Wege und dass die Beleuchtung dort nicht funktioniere.

Erzbischof Dietrich I. von Hengebach hat 1210 den Grundstein für die Godesburg gelegt. Im 14. Jahrhundert war sie einer der beliebtesten Aufenthaltsorte der Kölner Erzbischöfe und ihres Gefolges. 1583 wurde sie im Truchsessischen Krieg zerstört. Der Bergfried mit bis zu 2,60 Meter dicken Mauern blieb aber stehen. Die Burg war seit 1891 im Eigentum der Gemeinde Bad Godesberg, heute gehört sie der Stadt.

Der Turm ist bis Oktober geöffnet: täglich von 10 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung mit dem Restaurantpächter. Erwachsene zahlen einen Euro Eintritt, Kinder ab sechs Jahre die Hälfte.