Kein Denkmal

Markuskapelle wird abgerissen

Die Markuskapelle an der Burgstraße soll abgerissen werden. Im Hintergrund ist der Kirchturm von St. Marien zu sehen.

Die Markuskapelle an der Burgstraße soll abgerissen werden. Im Hintergrund ist der Kirchturm von St. Marien zu sehen.

BAD GODESBERG. Die Kirche am Markusstift weicht für neuen Kindergarten und Mehrgenerationen-Wohnungen.

An der Burgstraße soll bald die seit Jahrzehnten bestehende Baulücke zwischen City-Terrassen und dem CBT-Wohnhaus Markusstift geschlossen werden. Auch die an das Markusstift angrenzende Markuskapelle aus dem 19. Jahrhundert soll dafür abgerissen werden, um auf der gesamten Fläche den neuen Kindergarten der katholischen Kirchengemeinde Sankt Marien und ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt mit insgesamt 22 Wohnungen zu errichten.

"Diese Baulücke ist alles andere als hübsch", meint Dechant Wolfgang Picken. "Auch deshalb würden wir das gerne geschlossen sehen." Oder, um mit den Worten von Architekt Ralph Schweitzer zu sprechen: "Wir wollen an der Stelle eine Stadtreparatur durchführen und ein Zeichen für die Revitalisierung der City setzen." Bis zum Sommer will Picken einen Investor für das Projekt gefunden haben.

Mit der Abrissgenehmigung für die Markuskapelle haben die Planer jetzt Klarheit. Allerdings hat die Untere Denkmalbehörde - "in völliger Übereinkunft mit uns", so Picken - für den Abriss einige Auflagen gemacht: Dazu zählt, dass die Kapelle von außen und innen zu dokumentieren ist, dass gestaltete Architekturteile wie Säulen und Kapitelle zu sichern sind, und dass die Abbrucharbeiten von einem Archäologen zu überwachen sind.

Beim Abbruch könnten nämlich Reste des Vorläufers der jetzigen Kapelle aus dem 12. Jahrhundert zutage kommen. "Eventuell auftretende Funde und Befunde sind zu dokumentieren und nach Abstimmung mit der Denkmalbehörde zu bergen oder vor Ort zu erhalten", heißt es in der Stellungnahme der Denkmalbehörde.

"Die Kapelle", so Picken, "wird zum einen kaum genutzt und ist baufällig. Eine Sanierung würde horrende Summen kosten." Der wichtigste Punkt für die Neustrukturierung des Areals ist aber wohl die Tatsache, dass mit dem Bauprojekt mehrere Probleme gleichzeitig gelöst werden können.

Da ist vor allem der bestehende katholische Kindergarten an der Kirche St. Marien, unter dem der Godesberger Bach verläuft. "Das Fundament ist durchwässert", sagt Picken. Der Kindergarten könne da nicht stehen bleiben. Deshalb sei es sozusagen der "Königsweg", den neuen zweigruppigen Kindergarten dort zu bauen, wo bislang die Markuskapelle stehe. "Mit der Kapelle wäre eine Erweiterung nicht möglich", so Picken.

Es sind auch ökonomische Gründe, die eine Rolle spielen, da das Markusstift bislang die Kapelle mit unterhalten muss "und deshalb immer rote Zahlen schreibt", so der Dechant. Da darüber hinaus in zwei Jahren auch noch die Sozialbindung für Wohnungen im Markusstift entfalle, dränge die Zeit, erläutert Picken. "Auch das betreute Wohnen im Markusstift benötigt eine Perspektive."

Unter dem künftigen Neubau soll dann eine Tiefgarage mit 30 Stellplätzen nebst Fahrradraum entstehen. Im Erdgeschoss mit Zugang von der Pfarrer-Minartz-Straße kommt die Kita unter, die einen völlig neu gestalteten Außenbereich von etwa 650 Quadratmetern erhält. Die Nutzfläche umfasst insgesamt knapp 500 Quadratmeter.

Über dem Kindergarten entstehen, verteilt auf drei Geschosse plus Dachgeschoss und Galerie, auf einer Nutzfläche von etwa 1600 Quadratmetern 22 Wohnungen unterschiedlicher Größe. "Mit knapp 15 Metern Höhe bleibt der Bau unterhalb der Giebel der City-Terrassen", erläuterte Architekt Schweitzer. Die künftige Hausfassade werde voraussichtlich mit Tuffstein ausgestattet, um an die Markuskapelle zu erinnern.

Die Bezirksvertretung Bad Godesberg hatte um vorläufige Unterschutzstellung der Markuskapelle gebeten. Laut Unterer Denkmalbehörde erfüllt das Objekt die Voraussetzungen nicht, um einen Denkmalwert gemäß Denkmalschutzgesetz ausreichend begründen zu können, "da die baulichen Veränderungen zu umfangreich sind und das städtebauliche Umfeld zu stark gestört ist". Aus baurechtlicher Sicht habe der Antragsteller einen Rechtsanspruch auf Erteilung der Abrissgenehmigung.