Hicog-Siedlung

Leerstand in der amerikanischen Siedlung in Bad Godesberg

Godesberg Hans- Böckler-Allee 9

Godesberg Hans- Böckler-Allee 9

Bad Godesberg. 21 von 26 Mieteinheiten stehen leer: Die Bundesanstalt kündigt weitere Sanierungen an. Die Zukunft der WGs in den Dormitorys ist indes noch offen.

Arne Hoyer hatte früher fünf Mitbewohner, inzwischen wohnt er alleine in der großen Wohngemeinschaft im denkmalgeschützten „Dormitory“. Das Haus ist zwar kein Schlafsaal – so die wörtliche Übersetzung – aber die einfachste Wohnform in der Hicog-Siedlung Muffendorf/Pennenfeld. Es gibt vier WGs und zwei kleine Wohnungen. Insgesamt stehen im Haus Hans-Böckler-Allee 9 nach Angaben des Mieters 21 von 26 Wohneinheiten leer. Auch andere Mitglieder der Mieterinitiative, die sich in der Siedlung zusammengeschlossen hat, berichten von leeren Wohnungen und häufigem Wechsel. Eigentlich könnte sich Hoyer freuen, dass er mit niemandem das Bad teilen muss und viel Platz für seine Pflanzen hat, doch er möchte in Zeiten von Wohnungsknappheit auf den Leerstand aufmerksam machen.

Die Dormitories werden – wie die gesamte Siedlung – seit dem Wegzug der Amerikaner von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) betreut. Hier kann man übermäßigen Leerstand nicht bestätigen. Die Bima verfüge in der Wohnsiedlung Muffendorf über insgesamt 397 Wohneinheiten, von denen mit Stand Juli 2017 derzeit 26 leerstünden. Dies entspreche einer Leerstandsquote von rund 6,5 Prozent. Der „vermietungsfähige“ Leerstand liege bei lediglich drei Prozent (zwölf Wohnungen). „Dies entspricht einem fluktuationsbedingten Leerstand“, so Sprecher Thorsten Grützner.

Zustand der Gebäude ist schlecht

Ein weiteres Thema ist der Zustand der alten Gebäude. Das Dach des Dormitory mit der Hausnummer 9 ist neu, doch die Wohnungen sind auf dem Stand der 80er Jahre. Defekte Flurfenster wurden mit Platten überklebt. Bei Regen drückt außerdem das Wasser durch die morschen Rahmen in die Gemeinschaftsküche. „Hier in der Siedlung wird zwar saniert, und seit 2013 hat sich schon etwas verändert, doch es ist kein Konzept dahinter zu erkennen“, so Hoyer.

Die Bima kündigt an, die 50er-Jahre-Siedlung „sukzessive an heutige Standards heranzuführen und damit auch die Vermietungssituation zu beleben“. Alleine seit Mitte 2016 seien insgesamt 17 Wohnungen saniert und neu vermietet worden. „Sieben weitere Wohnungen befinden sich derzeit in der Sanierung“, so Grützner.

Mieter schätzen die zentrale Lage

Bei den Dormitorys, die die Bima separat betrachtet, sei die Nachfrage angesichts der geringen Zimmergröße, eines ungünstigen Zuschnitts sowie der Besonderheiten – Mitbenutzung von Küche und Bad – gering. Zurzeit werde ein Umgestaltungs- und Nutzungskonzept für die Gebäude Koblenzer Straße 130 sowie Hans-Böckler-Allee 9 erarbeitet. Aktuell hat die Bima der Stadt Bonn zwei der vier Wohnungen sowie 15 Zimmer für Flüchtlinge überlassen. Diese sind laut Nachbarn allerdings nicht komplett belegt. Zwei Wohnungen sowie acht Zimmer in den beiden Dormitorys sind frei an Leute wie Arne Hoyer vermietet, der hier bereits seit 2003 wohnt und das Büro der Mieterinitiative führt.

„Mit Blick auf den Gesamtleerstand in der Liegenschaft sei die Bima fest entschlossen, die zur Verbesserung der Leerstandssituation und des baulichen Zustands erforderlichen Maßnahmen zügig und konsequent weiter umzusetzen. so der Bima-Sprecher: „Dies gilt selbstverständlich auch für die Umgestaltungspläne, die die Dormitorys betreffen.“

An Auszug hat Hoyer trotz mancher Probleme noch nicht gedacht. Er schätzt die zentrale Lage und die Vielfalt der Siedlung. „Die verschiedenen Arten von Wohnungen ermöglichen, dass man umziehen kann, wenn ein anderer Lebensabschnitt beginnt“, sagte er. Außerdem setzt er sich gemeinsam mit anderen dafür ein, die Geschichte und den Denkmalwert der Siedlung deutlich zu machen.

Manchen Mietern fehlt ein Ansprechpartner vor Ort – ein Hausmeister als bekanntes Gesicht in der Siedlung. Die Bima verweist auf den Servicepoint im Hochhaus Röntgenstraße 19, der montags, dienstags, donnerstags und freitags von 8 bis 9.30 Uhr sowie mittwochs von 16 bis 18 Uhr besetzt sei. Dort hänge auch die Rufnummer des Hausmeisterservice. Die Mietersprechstunde der Baugrund finde jeweils am zweiten Mittwoch im Monat von 14 bis 16 Uhr statt.