Hilfe für Flüchtlinge

Kirchen wollen Flüchtlinge aufnehmen

BAD GODESBERG. Viele Helfer sammeln derzeit für ein Flüchtlingshaus, das die Kirchengemeinden im Rheinviertel, Burgviertel und Südviertel unterhalb der Kirche St. Martin eingerichtet haben.

Das eiben-grüne Sofa aus den 70er Jahren passt nicht zu den Buchenstühlen im Landhausstil. "Hier passt nichts zum anderen, aber das macht es auch wieder schön", sagt Angela Kirsch. Mit vielen Helfern sammelt sie derzeit für ein Flüchtlingshaus, das die Kirchengemeinden im Rheinviertel, Burgviertel und Südviertel unterhalb der Kirche St. Martin eingerichtet haben. Anfang Oktober sollen die ersten Flüchtlinge einziehen, bis dahin ist noch einiges zutun.

"Die Verantwortlichen in den Gremien arbeiten seit einigen Monaten fieberhaft daran, sich sachkundig zu machen und konkrete Maßnahmen vorzubereiten", sagt Dechant Wolfgang Picken. In dem Einfamilienhaus in der Klosterbergstraße sollen bis zu zwölf Flüchtlinge untergebracht werden. Das Gebäude in Muffendorf war bis vor Kurzem als Dienstwohnung für einen pastoralen Mitarbeiter genutzt worden. "Die Stadt konnte uns noch nicht mitteilen, wer dort einziehen wird", sagt Angela Kirsch vom Caritasausschuss, die die Aktion koordiniert.

Vermutlich würden es Flüchtlinge sein, die gerade neu in Deutschland eingereist sind. In allen Gottesdiensten und in den Medien der katholischen Kirche werden die Kirchbesucher über die Ankunft der Flüchtlinge informiert. "Wir sind voll damit beschäftigt, das Haus auszustatten", so Kirsch. Eine Zusammenstellung von allem, was kurzfristig für das Haus gebraucht wird, wird immer aktuell in den Kirchen und auf den Homepages veröffentlicht.

Binnen zwei Wochen konnte so schon vieles angeschafft werden. Pro Tag bekommen Kirsch und zwei weitere Koordinatoren für die jeweiligen Viertel bis zu 90 Anrufe, in denen Godesberger ihre Hilfe anbieten. "Es ist rührend, welchen Einsatz die Menschen zeigen", sagt sie. Ein älteres Ehepaar baute beispielsweise ein Kinderbett auf und brachte mehrere Kartons Playmobil vorbei. Andere verschenkten Betten, die auf dem Speicher lagerten. Bettwäsche gibt es mittlerweile im Überfluss, was noch fehlt sind Kleiderschränke, Kommoden, Duschvorhänge, eine Waschmaschine, große Teller, Gläser, saubere Matratzen und vor allem helfende Hände. "Wir sind aber keine Sperrmüllabfuhr, die kaputte Sachen abholt", so Kirsch. Es gibt einen eigenen Abhol-Trupp, der bei den Unterstützern vorbeifährt, die Sachspenden überprüft und mitnimmt. Dafür müssen ganze Routen geplant werden, die viel Zeit in Anspruch nehmen.

Dass sich die katholische Kirche im Seelsorgebereich für Flüchtlinge einsetzt, ist für Angela Kirsch christliches Selbstverständnis. "Jesus war auch so etwas wie ein Flüchtling. Und selbst er hätte niemanden abgewiesen." Weil die Stadt Bonn mit den vielen Asylsuchenden wie viele Kommunen in Deutschland überfordert sei, habe man sich dazu entschlossen, zu helfen. Dabei wolle man die Flüchtlinge nicht wie Flüchtlinge behandeln, sondern ihnen als Gäste ein neues zu Hause anbieten. "Wir wissen nicht, was diese Menschen alles durchlebt haben, sicherlich werden sie auch traumatisiert sein", sagt Kirsch. Deshalb habe man sich als Ziel gesetzt, so zuvorkommend wie möglich, aber nicht aufdringlich zu sein. Wer nach einer langen und zehrenden Reise ankomme, brauche erst einmal Ruhe.

Informationen zur Hilfsaktion auf kirche-im-suedviertel.de