Diskussion in Bad Godesberg

"Kinderrechte gehören ins Grundgesetz"

Beim Aktionstag in der Carl-Schurz-Realschule: (von links) die Schülerinnen Victoria und Amira mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Ulrich Kelber.

Beim Aktionstag in der Carl-Schurz-Realschule: (von links) die Schülerinnen Victoria und Amira mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Ulrich Kelber.

18.01.2016 Pennenfeld. Schüler der Carl-Schurz-Realschule diskutieren mit dem Bonner SPD-Bundestagsabgeordneten Ulrich Kelber auch über die Flüchtlingskrise und die Rolle der Muslime.

. Jedes Kind hat Rechte - immer und überall. Das garantiert seit 1989 die UN-Kinderrechtskonvention. Und Kinder benötigen Geld, ein Dach über dem Kopf, Freizeit und gesundheitliche Betreuung. Mit diesem Themenkomplex beschäftigten sich jetzt Schüler des Sowi-Kurses der siebten Klasse an der Carl-Schurz-Realschule und stellten gestern ihre Recherchen dem Bonner Bundestagsabgeordneten Ulrich Kelber (SPD) vor.

In einer anschließenden Fragerunde mit dem Politiker sollte es sodann um Kinderrechte in der Welt und in Deutschland gehen. Dominiert wurde die Diskussion zwischen Kelber und den Schülern allerdings von einem aktuellen Thema: der Flüchtlingskrise. "Warum nehmen eigentlich Saudi-Arabien und die Golfstaaten keine Flüchtlinge auf?, fragte ein Schüler. "Man merkt, dass man in letzter Zeit anders angeguckt wird", berichtete beispielsweise eine muslimische Schülerin. Und: "Warum werden in den Medien alle Muslime schlecht gemacht?", ergänzte sie.

Das Verhalten der Golfstaaten sei "extrem ärgerlich", konstatierte Kelber. Und in Bezug auf die Medien meinte er, dass es zurzeit schwierig sei, den richtigen Ton zu treffen." Politiklehrer Sebastian Hinz mahnte seine Schüler, die Dinge kritisch zu hinterfragen und bekannte, dass an der Schule mit einem Migrationsanteil von 90 Prozent auch Rassismus unter den Schülern ein Thema sei.

Den inhaltlichen Bogen zurück zu den Kinderrechten machte dann das Thema "Unbegleitete Flüchtlinge" beziehungsweise die Familien, die nun in Deutschland angekommen sind. Gerade in dieser Situation sei es wichtig, dass Kinder ihre Rechte kennen, sagte Kelber. Und: "Kinderrechte gehören in die Verfassung, denn die Bedürfnisse von Kindern werden bei richterlichen und politischen Entscheidungen oft nicht stark genug in den Blick genommen. Ich möchte eine Gesellschaft, die ihre Kinder optimal fördert und schützt. Unsere Aufgabe ist es, für eine kindgerechte Umwelt zu sorgen und den Kindern zur Verwirklichung ihrer Rechte zu verhelfen", sagte er. "Deshalb sind ich, meine Partei und beispielsweise auch Unicef dafür, die Kinderrechte gesondert in das Grundgesetz aufzunehmen. "

Ganz praktisch hatten die Schüler im Vorfeld auch das Experiment gewagt, zum Beispiel ein kleines Frühstück mit sehr wenig Geld auf die Beine zu stellen - und fragten sich darauf hin, "wieso es in einem reichen Land wie Deutschland fast 2,5 Millionen Kinder gibt, die in relativer Armut leben? "Könnte man die Reichen nicht dazu zwingen, einen Teil ihres Vermögens zu spenden", fragten sie. "Mehr als die Hälfte eines Einkommens sollte man nicht besteuern", erläuterte Kelber. Immerhin gebe es hierzulande einen Spitzensteuersatz von 43 Prozent. Einen Ansatz, um an mehr Geld für Bildung zu kommen, sah er vor allem in einer höheren Besteuerung von Erbschaften. "Ich bin ein großer Fan davon, Geld in Bildung zu stecken, ich habe nämlich selber fünf Kinder." (Michael Wenzel)