Literatur in Rheinbach

Kaltblütiger Mord geschieht im Gymnasium

Rheinbach. Paul Schaffrath alias der Rheinbacher Verleger Winrich C.-W. Clasen legt mit „Bonner Testament“ seinen dritten Krimiband vor. im Frühjahr 2015 erschien sein Debütwerk.

Millionen von Touristen flanieren Jahr für Jahr durch die pittoresken Straßen und Gassen von Oxford. Insbesondere die beiden alt ehrwürdigen Universitäten ziehen die Besucher wie ein Magnet an. Anders ist es bei Winrich C.-W. Clasen aus Rheinbach. Er sucht in Bonns britischer Partnerstadt, 90 Kilometer nordwestlich von London gelegen, nach einem Ort, an dem er einen kaltblütigen Mord geschehen lässt: nicht er persönlich, sondern sein literarisches Alter Ego Paul Schaffrath. Mit „Bonner Testament“ legt der 60 Jahre alte selbstständige Verleger mit rheinischem Pseudonym seinen dritten Kriminalroman vor.

Etwa 400 Sachbuchautoren und rund 25 Krimischreiber umfasst das Portfolio des Rheinbacher CMZ-Verlagschefs, der 1981 sein erstes theologisches Sachbuch schrieb. Ohne dass er irgend jemandem ein Sterbenswörtchen davon erzählt hat, bringt der gebürtige Hamburger im Frühjahr 2015 unter seinem Aliasnamen den Rheinlandkrimi „Bonner Fenstersturz“ heraus. „Ein neuer vielversprechender Autor betritt die Bühne“, urteilte etwa der GA im März 2015 über sein Debütwerk. Erst als der Erstling bei Kritikern wie Lesern einhellig Anklang findet, lüftet Clasen den Schleier, wer Paul Schaffrath eigentlich ist.

Viele Ideen, die sich in seinen Büchern wiederfinden, entstehen beim Flanieren. Es ist der Dezember 2016, da er Oxford besucht, um nach Orten zu suchen, an denen – wie im „Fenstersturz“ – der Bonner Kommissar Krüger und sein Oxforder Kollege Detective Chief Inspector John Blackmore ermitteln. „Die Umgebung muss echt sein“, bekundet Clasen. „Aber der Rest ist fiktiv“, versichert er.

Dank der peniblen Recherche Clasens gelingt es Schaffrath somit, tief in die Gefühlswelt seiner erdachten Figuren einzutauchen. „Der Chief Inspector wird abends einen Pub brauchen“, vermutet Clasen. In der Oxforder Turl Street findet der Autor im „The Missing Bean“ eine Kaffeebar, in welcher das britische Ermittlerteam über die Hintergründe einer Bluttat sinniert. Der erste Mord des Buches geschieht aber in Rheinbach – im St. Joseph-Gymnasium. Wie die ausgeklügelte, fesselnde Erzählweise zählt die Fülle an facettenreichen Seitenhieben zum stärksten Stilmittel im dritten Band. So wundert sich Kommissar Krüger im Schulgebäude über den Abriss der Verbindungsgänge zwischen Alt- und Neubau des Gymnasiums. Das Werk eines Frischluftfanatikers vermutet der Polizeibeamte ob der Umwege über den Schulhof. „Das ermöglicht Lacher in der Lesung“, sagt Clasen. „Romane, die ohne Humor geschrieben sind, funktionieren nicht.“

Zur stringenten Fesselung der Leser trägt bei, dass Clasen jedes Kapitel mit lediglich je rund 2000 Wörtern bestückt. Jede Episode endet mit einem Cliffhanger. Mitunter überrasche er sich beim Schreiben selbst. Eine ebenfalls Romane ersinnender Kollege lege seine Ideen hingegen auf rund 20 000 Karteikarten ab und arbeite diese dann peu à peu ab. „Das ist mir zu langweilig“, meint der Rheinbacher. Penibel ist er, was die Gradlinigkeit seiner Erzählstränge angeht. „Was eingeführt wird, muss auch aufgelöst werden, sonst ärgert man sich.“

Man muss kein Rheinländer sein, um das zumeist in Rheinbach und Bonn spielende Buch mit allerlei überraschenden Wendungen von Herzen zu mögen. Wohltuend sind auch die dramaturgischen Ausflüge auf die britische Insel. So funktionieren Clasens Krimis ohne erdrückendes Lokalkolorit.

Erstmals präsentiert Paul Schaffrath „Bonner Testament“ am Donnerstag, 23. März, 19 Uhr in der Rheinbacher Buchhandlung Kayser, Hauptstraße 28. Die Buchvorstellung samt Lesung beginnt um 19 Uhr, Karten kosten zehn, ermäßigt acht Euro. Am Dienstag, 2. Mai, gibt's ab 19 Uhr im „Da Pino“ in Rheinbach ein Krimidinner samt Vier-Gänge-Menu und Schaffrath-Lesung. Preis: 49 Euro. Das Buch erscheint im CMZ-Verlag und kostet 12,95 Euro.