Bürgerstiftung Rheinviertel

Kabarettist von Hirschhausen begeistert von den Projekten

Dechant Wolfgang Picken (Mitte) konnte sich wieder über prominente Unterstützer freuen: zum Beispiel Ex-Verfassungsrichter Udo di Fabio (5. v. l.), Telekom-Finanzchef Timotheus Höttges (6. v. r.), Eckart von Hirschhausen (2. v. r.), der scheidende Telekom-Vorstandsvorsitzende René Obermann (4. v. r.) und ZDF-Moderatorin Maybrit Illner (5. v. r.).

13.10.2013 BAD GODESBERG. Der Doktor im dunkelblauen Smoking verschreibt das Glück. Es ist allerdings ein Rezept mit Zuzahlung, denn Glück kann man kaufen, sofern das Geld richtig investiert wird: in den Erwerb von Fertigkeiten, in Erlebnisse - und in das Glück anderer Menschen, wie Dr. Eckart von Hirschhausen erklärt.

Und so geht der Medizin-Kabarettist im Steigenberger Parkhotel Petersberg mit gutem Beispiel voran und drückt einem Steuerberater im Publikum einen 100-Euro-Schein in die Hand.

Der studierte Kinderneurologe moderiert den 8. Benefiz-Ball der Bürgerstiftung Rheinviertel. Rund 300 Gäste sind am Samstagabend in die Rotunde gekommen, um die Stiftung zu unterstützen, ein festliches Drei-Gänge-Menü aus der Küche des Nobelhotels, die Musik von Marcus Schinkel und seiner Band sowie die unterhaltsamen Einlagen des Kabarettisten zu genießen. Wie hoch der Erlös des Abends sein wird, steht noch nicht ganz fest. Im vorigen Jahr waren es 55.000 Euro, die in die Projekte der vom Bad Godesberger Dechanten Wolfgang Picken im Jahr 2005 ins Leben gerufenen Bürgerstiftung flossen (siehe Kasten).

Eckart von Hirschhausen haben es besonders die drei katholischen Kindergärten angetan, die sich in ihrer Trägerschaft befinden. Die rund 130 Kinder können dort von einem Beratungs- und Förderdienst profitieren, der inzwischen drei Planstellen hat. "Als Kinderneurologe weiß ich, dass frühkindliche Förderung für immer mehr Kinder wichtig ist", sagt Hirschhausen.

"Dass Therapeuten in die Einrichtungen gehen, anstatt Eltern und Kinder in irgendwelche Praxen zu schicken, ist revolutionär." Als der Telekom-Vorstandsvorsitzende René Obermann ihn bat, die Gala (ohne Honorar) zu moderieren, musste der Doktor nicht lange überlegen.

Auch Obermann selbst ist da, in Begleitung seiner Ehefrau, der ZDF-Moderatorin Maybrit Illner. Er hat eine Erklärung dafür, warum die Arbeit der Bürgerstiftung, die er mitgegründet hat, bisher so erfolgreich ist: "Es ist die Konkretheit der Projekte", meint der Spitzenmanager, "der Effekt ist unmittelbar in der Gemeinde sichtbar."

Die Erfahrung, etwas bewegen zu können, motiviert das Netzwerk der Stiftung, hat der frühere Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio beobachtet. Der eloquente Jurist arbeitet aktiv im Kuratorium mit. Dass die Stiftung eine Infrastruktur bereithält, die Menschen in allen Lebenssituationen brauchen - von der Kita über Familienberatung bis zur Hospizarbeit - das fasziniert di Fabio. Er glaubt, das Konzept würde auch in anderen Bonner Stadtbezirken viel Gutes bewirken.

Im Hochkreuzviertel hat die Stiftung 1,7 Millionen Euro in einen Kindergarten-Neubau investiert, ein Drittel davon staatlich gefördert: In der Kita "Sonja Kill" werden ab Dezember 45 Mädchen und Jungen betreut, darunter zwölf Kinder mit Behinderung. In den drei Kitas der Stiftung arbeiten 35 Erzieherinnen. Pro Jahr fallen rund 140.000 Euro Trägerkosten an; für alle Projekte zusammen sind es nach Stiftungsangaben etwa 600.000 Euro jährlich.

Neben reichlich Spenden ist die Bürgerstiftung aber auch auf das Engagement ihrer rund 100 ehrenamtlichen Helfer angewiesen, darunter viele Jugendliche. "Wir haben bei der Gala heute 24 Jungstifter im Service und für andere Aufgaben im Einsatz", berichtet Bettina Eiden vom Organisationsteam. Gemeinsam mit ihren Mitstreitern hat sie den festlichen Abend seit einem halben Jahr vorbereitet.

"Wenn alle Gäste an ihren Plätzen sitzen, atmen wir durch", sagt sie lachend. Der Doktor hat an diesem Abend noch eine gute Nachricht für sie: Wer ehrenamtlich hilft, steigert sein persönliches Glück und hat eine bis zu sieben Jahre höhere Lebenserwartung. Das hätten Studien gezeigt. Eckart von Hirschhausen: "So etwas schafft kein Medikament der Welt." (Andreas Baumann)