Bad Godesberger Literaturpreis

Jury krönt Michael Wenzel, das Publikum Christian Kaldenhoff

Der Gewinner des Godesberger Literaturpreises, Michael Wenzel, liest in der Godesberger Parkbuchhandlung. FOTO: AXEL VOGEL

Der Gewinner des Godesberger Literaturpreises, Michael Wenzel, liest in der Godesberger Parkbuchhandlung.

BAD GODESBERG. Er ist inzwischen bundesweit bekannt, der Bad Godesberger Literaturpreis, der am Freitag zum fünften Mal von Parkbuchhandlungs-Chefin Barbara Ter-Nedden vergeben wurde: und zwar nach einem spannenden Vorlesen der zehn Finalisten aus dem 78 Autoren starken Feld, von denen sich viele von auswärts beworben hatten.

Das Rennen machte laut Juryentscheid dieses Jahr denn auch der Augsburger Michael Wenzel vor Johannes Wilkes aus Erlangen und Rosemarie Bühler aus Bornheim.

Wenzel, ein auf den ersten Blick gemütlich wirkender bayerischer Lehrer, bestach mit der kraftvoll wortgewaltigen Kurzgeschichte "Träume, fast umsonst", die sofort in Bann zog. Es ging in bildreich lyrischer Sprache um einen Jugendlichen, der im "Feindesland Stadt" nicht zu denen mit dem "dicken Bett und einer Decke über dem Kopf" gehört und der sich schließlich mit nichts als blutiger Gewalt ausdrücken kann - ohne Zweifel ein betroffen machendes Stück Literatur.

Der Zweitplatzierte Johannes Wilkes bereitete Ter-Nedden zwar einige Schreckminuten: Denn eines Missverständnisses wegen las der Erlanger Jugendpsychiater plötzlich aus einer Kurzgeschichte über Konrad Adenauer.

Dabei hatte sich die Jury doch für "Die Bloßstellung der Frau", seine exzellente Studie einer schmerzliche Liebesbeziehung, entschieden. Mit psychologischer Hellsicht und sensibler Sprache schilderte Wilkes darin den schrecklichen Pas-de-Deux zweier Schriftsteller: der schillernd schönen Ingeborg Bachmann und dem hornbebrillt-hässlichen Max Frisch.

Rosemarie Bühler las mit vollem Einsatz

Die drittplatzierte Rosemarie Bühler wiederum, in der Region als Modedesignerin sowie Bild- und Wortkünstlerin bekannt, brachte in ihrem Romanauszug "Der Vorhang" mit Verve die Sicht der Frau ein. Wie der alternde Regisseur in ihrem Buch seine Schauspielerinnen wie die Bestien aufeinander losjagt, lässt nichts Gutes für den weiteren Verlauf erahnen. Bühler las mit vollem Einsatz. Und Professor Norbert Oellers übermittelte schließlich als Fachmann die Entscheidungsgründe der Jury.

Wie schön, dass Barbara Ter-Nedden ihre Literaturnacht aber nicht ohne das Votum ihres Publikums verstreichen lässt. Denn diese treuen Leseratten hoben dann nach dem Wettlesen der ersten Zehn einen ganz anderen Autor auf ihren Schild: nicht etwa den unverdrossen auch im 21. Jahrhundert mit Reim und festem Metrum arbeitenden Rheinlieder-Dichter Eko Alberts aus Bonn. Nicht Skylar Hamill aus Neustadt/Wied, die dem Wettbewerb eine wunderbar frische und jugendliche Note verpasste. Das Herz des Publikums eroberte ein Bonner: Christian Kaldenhoff mit seiner Geschichte über eine Spinne.