Bulgarien-Residenz im Bad Godesberger Villenviertel

Irritationen um Denkmalschutz

Bad Godesberg-VILLENVIERTEL. An der früheren Bulgarien-Residenz wird nach einem Baustopp weitergebaut. Fertigstellung voraussichtlich im Frühjahr.

Von der ehemaligen Bulgarischen Residenz am Arndtplatz ist zurzeit nur der von Backstein umrahmte Eingang wiederzuerkennen. Die Bonner Firma "7x7 Immobilien" baut die Villa ebenso wie die benachbarten Gebäude des so genannten "Bulgaren-Blocks" zu Eigentumswohnungen um. Der Umbau des geschichtsträchtigen Solitärbaus liegt nicht im Zeitplan. Grund dafür sind auch Anwohnerklagen und Bedenken der Denkmalschützer. Doch die scheinen jetzt ausgeräumt.

"Schlimmer kann man mit einem Denkmal nicht umgehen", findet Werner Esch. Mit dem "schönsten Bauhausstil-Gebäude hier in der Gegend" verbindet er auch persönliche Erinnerungen. In der Kriegs- und Nachkriegszeit wohnte dort Sanitätsrat Eschbaum, der immer dann mit dem Arztköfferchen zu Hilfe eilte, wenn Werner Eschs Großmutter Herzprobleme hatte.

Doch das Haus ist gar kein Denkmal. Auf GA-Nachfrage erklärte Stadtkonservator Franz Josef Talbot, dass die ehemalige Residenz nicht in die Denkmalliste der Stadt eingetragen sei. Im Bebauungsplan von 1977 wurde das Haus Arndtplatz 8 allenfalls als erhaltenswertes Gebäude festgeschrieben. Anhand der alten Akten kann Talbot nachvollziehen, dass es während des laufenden Bebauungsplanverfahrens eine Abbruchgenehmigung für die Villa gab. "Das war ein Fall von Ermessensmissbrauch, die Genehmigung wurde damals zurückgezogen", berichtete Talbot.

Im Oktober 2011 hatte "7x7 Immobilien" begonnen, die Mehrfamilienhäuser des Bulgaren-Blocks an der Herderstraße zu sanieren, die zuvor teilweise elf Jahre unbewohnt waren. Im Sommer 2012 kaufte die Plittersdorfer Firma auch die benachbarte Residenz.

"Der Umbauantrag sah eine relativ große Umgestaltung des Gebäudes vor. Das haben wir abgelehnt", sagte Talbot. Im vergangenen Jahr gab es dann neue, mit ihm abgestimmte Pläne, die unter anderem die seitliche Ergänzung eines gläsernen Treppenhauses vorsahen. "Im Februar 2014 haben wir festgestellt, dass das Gebäude ziemlich heruntergerissen war", berichtete Talbot. Die Stadt verfügte einen Baustopp. Aktuelle Pläne sehen nach Angaben der Unteren Denkmalbehörde vor, dass die typische Gliederung der Fassade mit den über Eck liegenden Fenstern wiederhergestellt wird.

Im Sommer 2013 hatten die Bauarbeiten an der ehemaligen Botschafter-Villa Am Arndtplatz 8 begonnen. "Nachdem die Entkernung abgeschlossen war, wurde das neue Treppenhaus an der Westseite angefügt. In der Zwischenzeit wurde die Statik erstellt, bei der deutlich wurde, dass in die alten Wände neue Betonstützen eingefügt werden müssen", berichtet 7x7-Chef Andreas Mankel.

"Die erforderlichen Durchbrüche hätten den Bau derart destabilisiert, dass wir uns dafür entschieden haben, die Wände durch neue zu ersetzen. Wir wollten gerade mit dem Wiederaufbau beginnen, da kam der Baustopp, bis eine Abriss- beziehungsweise Neubaugenehmigung nachgereicht werde. Die ist dann im Mai erteilt worden", so Mankel. Seit etwa vier Wochen wird wieder gearbeitet. Der derzeitige Bauzeitenplan sieht eine Fertigstellung für März 2015 vor. Derzeit seien 16 von 21 Wohnungen verkauft. In der Villa ist die Erdgeschosswohnung verkauft.

Inklusive aller Außenanlagen soll das gesamte Projekt bis Mitte 2015 abgeschlossen sein.

Die Geschichte des Hauses

In den 1920er Jahren entstanden im Villenviertel einige Einfamilienhäuser, die für das dort ansässige Bürgertum "von erstaunlicher Modernität waren", schrieb Walfried Pohl in einem Beitrag für die Godesberger Heimatblätter 1977. "Es handelt sich um Bauten in Flachdachbauweise, die sich aus Baublöcken verschiedener Höhe mit Vor- und Rücksprüngen zusammensetzen."

Zu diesen so genannten Terrassenhäusern gehörte auch die spätere bulgarische Residenz. Über die Architektur schreibt Pohl: "Der Expressionismus brachte noch ein weiteres Bauornament hervor, das Ziegelornament, durch einfallsreiches Versetzen einfacher Ziegelsteine erreicht." Es findet sich in den beiden ansonsten ganz funktionalistischen Häusern Arndtstraße 8 und 10, die das Barmener Architekturbüro Walter Mainer 1927/28 errichtet hat.

Bauherrin beider Gebäude war Hilde Seulen. "Ein Gebäude wie Haus Seulen steht stilistisch zwischen architektonischem Expressionismus, der das Ziegelsteinornament favorisierte, und dem so genannten Internationalen Stil, der die weiße Wand bevorzugte", schrieb Pohl. Er erinnerte auch daran, dass die Nationalsozialisten Flachdachvillen verboten und eine Hinwendung zur "bodenständigen Bauweise" vollzogen. Auch deshalb sind historische Villen diesen Typs so selten.