Literaturpreis des Magazins Dichtungsring

"Irre" Geschichten begeistern das Publikum

Die Jury des Literaturmagazins "Dichtungsring" mit (v. l.) Christian Knieps, Susanne Schmincke, Ulrich Bergmann und Francisca Ricinski gratuliert Preisträgerin Doris Anselm (Mitte). FOTO: VOGEL

Die Jury des Literaturmagazins "Dichtungsring" mit (v. l.) Christian Knieps, Susanne Schmincke, Ulrich Bergmann und Francisca Ricinski gratuliert Preisträgerin Doris Anselm (Mitte).

21.10.2014 BAD GODESBERG. Das Bonner Literaturmagazin "Dichtungsring" hat im Haus an der Redoute seinen ersten Literaturpreis vergeben. Gewonnen hat ihn Doris Anselm. Die 33-Jährige lebt und arbeitet als Radio-Reporterin in Berlin.

"Sind Sie normal?" - mit dieser Frage eröffnete Susanne Schmincke am Montagabend die Verleihung des ersten Literaturpreises des Magazins "Dichtungsring". "Auf keinen Fall!", kam die prompte Antwort aus dem Publikum. Der Tenor war ganz klar: Wer ist schon normal?

Der Anlass für diese ungewöhnliche Frage war das Motto der Ausschreibung, die der Vergabe des Preises vorausging: Irre. Die aktuelle Ausgabe des Dichtungsrings heißt dementsprechend "...Und den Kopf zur Wand gedreht". Sie enthält die 33 besten der rund 1140 Einreichungen, darunter befindet sich sowohl Prosa als auch Lyrik.

Gewonnen hat den Literaturpreis dieses Jahr Doris Anselm. Die 33-Jährige stammt ursprünglich aus Buxtehude, lebt und arbeitet momentan aber als Radio-Reporterin in Berlin. Langfristig würde sie gerne das Hobby zum Beruf machen, obwohl sie ihre Situation im Moment als sehr produktiv betrachtet: "Ich hab das Gefühl, das befruchtet sich gegenseitig. Das Reporter-Sein bringt mich manchmal auf Themen und das Schreiben übt natürlich meine Sprache, sodass ich im Radio hoffentlich blumiger und schöner erzählen kann." Der erste Platz ist mit 250 Euro prämiert.

Ebenfalls ausgezeichnet wurden Mónika Koncz für ihr Gedicht "Artaud selbdritt" (2. Platz) und Julia Lajta-Novak für ihre fesselnde Kurzgeschichte "Neubeginn" (3. Platz).

Anselms Kurzgeschichte befasst sich mit der Witwe Greta. "Sie kann sich nicht damit abfinden, alleine zu leben und entscheidet sich, einfach weiterhin zu zweit zu leben - und zwar mit sich selbst", so die Autorin. Der Titel lautet "Rose und Marille". Warum? Eine Persönlichkeit der Protagonistin trinkt nur Rosenlikör, die andere mag aber Marillenlikör viel lieber.

Der Preis sei ein Experiment und viel Arbeit gewesen, so Francisca Ricinksi, Jurymitglied und Herausgeberin der aktuellen Ausgabe. "Aber am Ende hat es doch geklappt." Sie und "Dichtungsringer" Ulrich Bergmann sind sich einig: Der Preis wird nächstes Jahr fortgesetzt - vielleicht schon mit einem Preisgeld von 500 Euro.

Wie viele andere Autoren und Autorinnen las Anselm ihre Geschichte an diesem Abend selbst vor. Unterbrochen wurden die Lesungen immer wieder von den jazzigen Klängen der Band "Wind von Vorn". Am Saxophon improvisierten die Musiker Wolfgang Stinshoff und Rüdiger Krey passend zu den jeweiligen Geschichten.

Der "Dichtungsring" wurde 1981 gegründet und gilt damit als die älteste Bonner Literaturzeitschrift. Mittlerweile erscheint das Magazin halbjährlich. In der kommenden Ausgabe erwarten den Leser internationale Texte, zum Beispiel aus Spanien, China und Russland. Das Besondere: Der deutschen Übersetzung ist der Originaltext immer gegenübergestellt. (wkh)