In diesem Haus hilft jeder jedem Integratives Wohnprojekt in Bad Godesberg beginnt

Wohnprojekt Kreisauerstr

Bad Godesberg. Die Mieter des integrativen Wohnprojekts an der Kreisauer Straße sind eingezogen. Hier leben Familien aus Syrien, Rumänien, Afghanistan, aus dem Iran sowie eine deutsch-brasilianische Familie, zwei Alleinerziehende und sechs Bonner Singles.

Egal welcher Herkunft, Hautfarbe und ob mit oder ohne Handicap: In dem just angelaufenen Wohnprojekt an der Kreisauer Straße hilft jeder jedem. Hier treffen gleich mehrere Generationen aufeinander, die miteinander leben und sich bei den Herausforderungen des Alltags gegenseitig unter die Arme greifen möchten – so die grundlegende Idee der Initiatoren des Projekts, das sich an Menschen mit Wohnberechtigungsschein richtet. Vergangenen Dezember begann Stück für Stück der Einzug der Mieter in den eigens für das Unterfangen geschaffenen Neubau mit der Hausnummer sechs. Seit ein paar Tagen ist die Wohngemeinschaft komplett.

„Für mich ist endlich ein Traum wahr geworden“, sagt Hausbewohnerin Claudia Koenig. „Egal, ob eine Lampe aufgehangen oder eine Gardinenstange angeschraubt werden muss, es ist immer jemand da, der einem hilft.“ Die 66-Jährige gehört zu den federführenden Kräften des Unterfangens und ist Teil des 2017 gegründeten Vereins „Gemeinsam mit anderen zu Hause“, der es sich nach den ersten Überlegungen vor vier Jahren zum Ziel gemacht hat, das Wohnprojekt in Plittersdorf auf den Weg zu bringen. „Das Projekt entstand in einer bislang einzigartigen Zusammenarbeit zwischen der Stadt Bonn, der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Vebowag, der Bürgerstiftung Rheinviertel und dem Verein“, so Koenig.

Gemeinschaftswohnung dient als Treffpunkt

Insgesamt 14 Parteien leben nun in den Wohnungen des Hauses, das im Zuge des sozialen Wohnungsbaus innerhalb von etwas mehr als einem Jahr errichtet wurde. „Wir haben hier eine bunte Mischung aus Leuten“, sagt Koenig. „Dazu zählen eine Familie aus Syrien mit vier Kindern, ein Ehepaar aus Rumänien mit zwei Kindern, eines aus Afghanistan mit drei Kindern, eine Familie aus dem Iran mit zwei Kindern, eine deutsch-brasilianische Familie mit zwei Jugendlichen und zwei Alleinerziehende mit je einem Kind. Weiterhin wohnen hier noch sechs Bonner Singles, die überwiegend im Alter 55 plus sind, und ein syrischer Flüchtling Mitte zwanzig.“

Zu den vielen Vorteilen der Hausgemeinschaft gehörten, dass ältere Bewohner durch die Unterstützung der anderen Mieter länger selbstständig bleiben können und junge Familien mit Migrationshintergrund Hilfe bei den Schularbeiten, zum Beispiel durch Babysitten oder Märchen vorlesen, bekämen, so Koenig. „Dabei muss das Zusammenwohnen von allen genauso gelernt werden wie die Achtung der individuellen Privatsphäre, also auch das Respektieren einer geschlossenen Tür“, sagt sie. Als Treffpunkt diene eine Gemeinschaftswohnung mit Küche, Terrasse und Gästezimmer.

„Hier haben wir vor ein paar Tagen schon den Geburtstag eines Mitbewohners gefeiert“, erzählt Bewohnerin Anja Oschkinat. „Das Zusammenleben funktioniert super“, sagt sie. „Es ist zwar noch alles sehr neu , aber man merkt, dass sich alle zu Hause fühlen.“ Zufrieden ist auch Detlef Ekert vom Bestandsmanagement der Vebowag, den die Bewohner gerne als „die gute Seele“ des Projekts bezeichnen. „Es ist alles nach Plan gelaufen“, sagt Eckert. „Als nächstes unterstützen wir die Hausgemeinschaft mit einer Spende, von der Möbel für die Gemeinschaftswohnung gekauft werden sollen.“

Zur Ausstattung des hausinternen Treffpunkts will auch die Bürgerstiftung Rheinviertel etwas dazutun. „Wir spenden 1000 Euro für Tische, Stühle und Bänke“, so Pfarrer Wolfgang Picken. „Wir unterstützen die Idee des Projektes von Anfang an, weil sie die Gedanken der Bürgerstiftung im Kleinen verkörpert. Dabei geht es darum, neue Gesellschaftsformen zu erschaffen, in denen die Leute aufeinander achtgeben.“

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