"Flüchtlingshilfe Syrien"

In Bad Godesberg formiert sich Hilfe für Flüchtlinge

Bis zu zwölf Flüchtlinge sollen hier ein neues Zuhause finden.

Bis zu zwölf Flüchtlinge sollen hier ein neues Zuhause finden.

BAD GODESBERG. 30 Godesberger haben sich am Sonntag zur "Flüchtlingshilfe Syrien" zusammengeschlossen. Die Initiative ging von drei Godesberger aus dem Umkreis der evangelischen Johanneskirchengemeinde aus, die von der Resonanz auf ihren Vorstoß völlig überrascht waren.

Konkret will die Gruppe zunächst eine syrische Flüchtlingsfamilie retten, es handelt sich um aramäische Christen: Die Mutter und die vier minderjährigen Kindern leben im Kriegsgebiet in ständiger Bedrohung durch islamistische Kämpfer, der Vater wurde ermordet. Als erstes wird eine Fünf-Zimmer-Wohnung in Bad Godesberg gesucht, wo die Familie zusammen mit den schon seit Anfang des Jahres in Bonn lebenden Großeltern wohnen kann.

Mitglieder der "Flüchtlingshilfe Syrien" wollen außerdem weitere praktische Aufgaben übernehmen wie den Kontakt zu Beratungsstellen und Behörden. Sie wollen sich um Sachspenden, Deutschkurse und Dolmetscher kümmern und bei der Orientierung im Stadtteil helfen. Als Starthilfe stellte die Johanneskirchengemeinde mehrere tausend Euro zur Verfügung und die kostenlose Nutzung der Gemeinderäume. Es werden Geldspenden gesammelt.

Das Haus an der Klosterbergstraße, das die katholischen Kirchengemeinden im Rheinviertel, Burgviertel und Südviertel für zwölf Flüchtlinge und ihre Kinder eingerichtet haben, ist fertig. "Wir warten nun auf die Zuweisungen", sagte Dechant Wolfgang Picken gestern. Er beobachtet, dass die Hilfsbereitschaft in Bad Godesberg insgesamt groß sei, dass aber die Verbindung zu den Hilfesuchenden fehlte.

Picken tagt diese Woche mit Pfarrer Norbert Waschk von der Erlöserkirchengemeinde, mit der Bezirksbürgermeisterin und Vertretern der Stadt, um den Bedarf zu analysieren und eine Hotline für Hilfsangebote zu schalten. "Je konkreter Listen sind, was gebraucht wird, desto konkreter sind auch die Hilfsangebote aus der Bevölkerung", weiß der Pfarrer. Nach den Herbstferien wollen die christlichen Kirchen auch auf die Godesberger Moscheegemeinden zugehen und sie einbeziehen.

Ein wichtiger Termin ist heute die Bürgerinformation über die neue Notunterkunft in Muffendorf. Anwohner haben bereits Protest angekündigt, es gibt Stimmen, die Kapazitätsgrenzen seien jetzt schon erreicht. Anders sehen das die Initiatoren einer Spendenaktion für die künftigen Muffendorfer Flüchtlinge, die sich im Internet in der Facebook-Gruppe "Du kommst aus Bad Godesberg, wenn..." formiert hat. Sie äußern Verständnis und wollen Menschen helfen, "die alles verloren haben. Ihr Zuhause, ihre gewohnte Umgebung".

Auch die neue "Flüchtlingshilfe Syrien" sieht die Notunterkunft im ehemaligen Landesvermessungsamt als künftiges Aufgabenfeld. Mit Blick auf die geplante Notunterkunft sagte Gründungsmitglied Christian Osterhaus: "Unser Kreis ist stark genug, um sich da einzubringen. Es entwickelt sich gerade eine ganze Menge an praktischer Unterstützung." Die Gruppe verstehe sich als Teil eines "Willkommens-Netzwerkes" für die in Bad Godesberg zu erwartenden Flüchtlinge.

Info

Informationen zur "Flüchtlingshilfe Syrien" unter www.johannes-kirchengemeinde.de/fluechtlingshilfe

Bürgerinformation

Zur Einrichtung einer Notunterkunft für 200 Flüchtlinge in Muffendorf gibt es heute, Mittwoch, eine Informationsveranstaltung für Bürger. Vertreter der Bezirksregierung, der Stadt und der beauftragten Firma stehen ab 19 Uhr in der Außenstelle der Bezirksregierung Köln, Muffendorfer Straße 19-21, Raum 526-528, für Fragen bereit.