Essen für Bedürftige in Bad Godesberg

Immer mehr wollen in den "Suppenhimmel"

Helfen macht glücklich: Die Ehrenamtlerin Renate Bergholz verteilt Linseneintopf mit Würstchen an einen Stammgast.

Helfen macht glücklich: Die Ehrenamtlerin Renate Bergholz verteilt Linseneintopf mit Würstchen an einen Stammgast.

Bad Godesberg. Seit dem Dreikönigstag 2016 öffnet der "Suppenhimmel" jeden Tag außer Sonntag ihre Türen für Hungrige, unabhängig von deren Herkunft, Religion und Alter. Er erfreut sich wachsender Beliebtheit.

Ein vielsagendes „Mmmhhh“ gibt Peter S. (Name geändert) von sich, als Renate Bergholz ihm einen Teller Linsensuppe mit ordentlich Einlage über die Theke reicht. Beide strahlen: Bergholz, weil ihr die ehrenamtliche Tätigkeit im „Suppenhimmel“ so viel Spaß macht, Peter, weil er hier kostenfrei ein Essen bekommt, zubereitet von der Gastronomie der Stadthalle. Und auch der „Suppenhimmel“ selbst hat Grund zur Freude: Die Suppenküche im Schatten der St.-Marien-Kirche wird diesen Freitag genau ein Jahr alt.

Ins Leben gerufen haben das Projekt der Caritasausschuss Bad Godesberg, Dechant Wolfgang Picken und Marion Hauck, eine der Pächterinnen der Godesburg. Im Laufe des Jahres habe sich die Zahl der Besucher stetig gesteigert, so Picken: Nie weniger als 60 Essen gingen täglich über die Theke, an Spitzentagen teilweise 70 bis 80. Neben Suppe gibt es ab und zu auch Reis- und Nudelgerichte. Jeder bekommt mindestens einen Teller, wenn genug da ist, sogar zwei oder drei. Weggeworfen wird nichts: Bleibt etwas übrig, dürfen die Gäste es einpacken und mitnehmen.

„Mir war sehr klar, dass es diesen Bedarf gibt“, sagt Picken auf die Frage, ob er mit dem Erfolg des Projekts gerechnet habe. Bei Hausbesuchen habe er festgestellt, dass viele in Bad Godesberg beim Essenzubereiten überfordert sind. Eine ältere Dame habe versucht, Ravioli zu kochen, und stellte dazu kurzerhand die geschlossene Dose auf den Herd. „Bedürftig“ seien längst nicht nur Obdachlose, sondern auch Senioren und Familien.

Das Publikum im Suppenhimmel ist deswegen sehr gemischt. Eine junge Mutter (29) aus Bad Godesberg berichtet, dass sie so gut wie jeden Tag mit ihrer dreijährigen Tochter herkommt. „Wir haben einfach nicht so viel Geld. Das Essen ist lecker, mit manchen kann man sich gut unterhalten. Wir sind sehr dankbar“, erzählt sie.

Eine Seniorin (82) am Tisch nebenan kommt gerade von einem Arztbesuch. Der Aufenthalt in der Stadt habe sie so geschafft, dass sie es einfach nicht mehr schaffe, zu Hause zu kochen. Der Suppenhimmel sei da eine willkommene Alternative. Der Herr gegenüber ist im Moment arbeitslos. In anderen Hilfseinrichtungen stünden manche morgens schon mit der Flasche Bier. Das sei hier anders. „Hier sitzen Krawattenträger und Leergutsammler an einem Tisch“, lobt er. Es gebe keinen Krach und keine Unruhe.

Gemeinsam haben sie alle, dass sie durch Mundpropaganda auf das Projekt aufmerksam geworden sind. „Niederschwelligkeit“ ist das Motto, verrät Monika Overkott, eine der leitenden Ehrenamtlichen. Die Einrichtung – Biergarnituren oder Holztische mit Plastikstühlen – sei absichtlich simpel gehalten. „Die Schwelle so setzen, dass Gäste ohne Probleme kommen und gehen können. Manche wollen sich unterhalten, manche wollen lesen, manche wollen einfach nur essen“, weiß Overkott. Besonders schön findet sie, dass auch Angestellte der Stadt oder Shoppende herkommen. Motiviert mitzumachen hat die Friesdorfer Katholikin der Wunsch nach einem „Miteinander“ in der Gemeinde und unmittelbar an ihrem Wohnort zu helfen.

Genauso vielfältig wie die Gäste sind die Helfer des „Suppenhimmels“. Senioren, die im Ruhestand etwas Soziales tun wollen, Schüler und Studenten, die ihre freien Samstage investieren, oder Menschen, die sich eine Auszeit vom Beruf nehmen. „Ich bin sehr positiv angetan. Wir haben so viele nette Menschen, die als Gäste kommen, aus unterschiedlichsten Hintergründen“, berichtet Helferin Eva Hesse. „Ich habe immer sehr viel Freude daran, wenn die Leute strahlen und glücklich sind.“

Langfristig ist der Plan, den „Suppenhimmel“ besser mit dem Angebot des Lotsenpunkts im benachbarten Pfarrzentrum St. Marien zu verknüpfen. Ehrenamtliche Lotsen bieten dort Beratung zum Thema soziale Hilfe an.