Frank-Walter Steinmeier an der Bonn International School

"Ihr seid die Vereinten Nationen"

Zum Abschied ein Lächeln: Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier gestern in der Bonn International School. FOTO: RONALD FRIESE

Zum Abschied ein Lächeln: Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier gestern in der Bonn International School.

BAD GODESBERG. Frank-Walter Steinmeier folgt einer Einladung von Peter Ruhenstroth-Bauer in die Bonn International School.

Jetzt fehlt dem Bonner OB-Wahlkampf eigentlich nur noch die Kanzlerin. Und wer weiß schon, welche Überraschungen CDU-Kandidat Ashok Sridharan für den Endspurt um das höchste Amt der Stadt noch auf Lager hat.

Am Donnerstag jedenfalls konnte sich erst einmal sein Mitbewerber Peter Ruhenstroth-Bauer über Unterstützung der Regierung freuen: Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) verbrachte auf Einladung seines Parteifreundes zwei Stunden in der Bonn International School (BIS) in Plittersdorf.

Indes: Von einem Wahlkampftermin zu schreiben, träfe es nicht recht. Der Urnengang in einer guten Woche wurde nicht mit einem Wort erwähnt. Vielmehr ließ Steinmeier den geäußerten Eindruck unwidersprochen, dass so ein Schulbesuch auch einem Außenminister eine willkommene Gelegenheit zum Durchschnaufen bietet. Und so ließ sich der Minister von BIS-Direktor Chris Müller durch mehrere Klassen führen und widmete sich an diesem Morgen nach einer Übernachtung in Bonn ausführlich dem Spielzeug der Kindergartenkinder, den mechanischen Versuchen in der Mittelstufe und der Interpretation von Büchners "Woyzeck" der Älteren derart intensiv, als seien Migrantenstrom und Eurokrise Themen, mit denen sich zwar die "große Politik" in Berlin - gewiss aber nicht dieser freundliche Herr im Anzug und mit dem gewinnenden Lächeln zu stellen habe.

Auch die Entourage war kleiner ausgefallen als bei staatlichen Zusammenkünften. "Es ist auch kein Termin des Außenministers, sondern einer des Abgeordneten Steinmeier", erklärt ein Referent am Rande. So oder so, das bekannte Gesicht ist gefragt in diesen Tagen: Am Vorabend hatte Steinmeier Parteifreund Jochen Ott besucht, der in Köln das selbe Ziel verfolgt wie Ruhenstroth-Bauer in Bonn. "Wir kennen uns von beruflichen Stationen", erzählte dieser, "bei der Eröffnung des WCCB habe ich ihn eingeladen".

"Lediglich" drei Limousinen warteten vor dem architektonisch ambitionierten Bau, in dem 770 Schüler aus 70 Nationen unterrichtet werden. Auch die sonst so ernsten Personenschützer waren zahlenmäßig überschaubar und zu kleinen Späßen aufgelegt. "Gut ausgestattet", murmelte Steinmeier anerkennend angesichts all der lichten Räume, der hohen Decken, der teuren Technik und der riesigen, zum Rhein hin gelegenen Rasenfläche , die als Schulhof dient. In den Krisenregionen der Welt bekommt er gewöhnlich andere Schulen zu Gesicht als solche, in denen wie hier im Schnitt pro Schüler und Jahr rund 16 000 Euro Schulgeld zu entrichten sind, wie eine Mitarbeiterin der BIS auf Nachfrage erklärte.

Dann betrat die Gruppe die "Agora" der Schule. Und offenbar hatte sich nicht nur Peter Ruhenstroth-Bauer auf den Ministerbesuch gefreut. Voll besetzt war der Saal, in dem mehrere Oberstufenschüler Steinmeier sodann ins "Kreuzverhör" nahmen.

Der blieb auch beim Abschied so freundlich, wie er gekommen war: "Ihr seid die Vereinten Nationen. Ich wünschte mir, dass es auf der Welt überall so zuginge wie bei Euch". Sprach's,, stand noch für einige Journalistenfragen und "Selfies" zur Verfügung und stieg ins Auto. Am Abend war Klausurtagung der SPD-Bundestagsfraktion in Mainz, heute Früh geht es nach Luxemburg zum Treffen der EU-Außenminister. Und ja, da sind sie wieder, die Krisen dieser Welt.