Schutz bei Starkregen

Hochwasserschutz am Godesberger Bach in Betrieb

Tiefbauamtsleiter Peter Esch (r.) und Mitarbeiter Hans-Jürgen Hauser stellen den Radararm über dem Godesberger Bach vor.

Tiefbauamtsleiter Peter Esch (r.) und Mitarbeiter Hans-Jürgen Hauser stellen den Radararm über dem Godesberger Bach vor.

Bad Godesberg. Knapp drei Monate ist es her, dass die Stadt den ersten Alarmpegel am Mehlemer Bach vorstellte. Am Freitag gab Tiefbauamtsleiter Peter Esch die Messstation am Godesberger Bach frei. Weitere Anlagen sollen folgen.

Die Stadt Bonn drückt in Sachen bessere Unwetterwarnung weiter mächtig aufs Tempo. Knapp drei Monate nach der Vorstellung des ersten Alarmpegels am Mehlemer Bach gab Tiefbauamtsleiter Peter Esch am Freitag die Messstation am Godesberger Bach frei. „Bis zum 7. Juli wollen wir alle acht Anlagen am Start haben“, kündigte Esch an.

Rund 200.000 Euro lässt sich die Stadt das Frühwarnsystem kosten. Wie berichtet, ermitteln die Apparaturen ständig die aktuellen Pegel der beiden Bäche. An einer Art überdimensioniertem Arm hängt ein Sensor, der per Radar Wasserstände misst. Gleichzeitig steht in Bachnähe eine Kamera, die dank Infrarotscheinwerfer auch bei Dunkelheit, im Starkregenfall Livebilder liefert.

„Als Energiequelle für alles fungiert ein Solarpanel“, so Esch, dessen Mitarbeiter Hans-Jürgen Hauser und Barbara Frielingsdorf das System federführend entwickelt haben. Die Daten gehen wiederum an einen Verkehrsrechner, der eigentlich für Ampelschaltungen zuständig ist.

Bei 79 Zentimetern wird Alarm ausgelöst

Wie aber würde die Informationskette an der neuen Station am Marienforster Steinweg ablaufen? Laut Tiefbauamtschef wäre Alarmstufe 1 bei einem Pegelstand von 52 Zentimetern erreicht, aktuell sind es zwölf. Ab diesem Moment erhält die Feuerwehr Bilder von der jeweiligen Situation. „Bei 79 Zentimetern wird bei der Feuerwehr Bonn Alarm ausgelöst, die dann eine Sirene betätigt“, so Esch.

Durch die Vernetzung der PCs wird parallel die Leitstelle im Rhein-Sieg-Kreis in Kenntnis gesetzt, die die Wachtberger Feuerwehr informiert. Steigt der Pegel am Marienforster Steinweg bedrohlich an, braucht das Wasser noch 17 Minuten bis in die Godesberger Innenstadt, die beim Unwetter am 4. Juni 2016 teilweise überschwemmt war. Von Villip an, wo es ebenfalls eine Anlage geben soll, wäre es immerhin schon eine Stunde. Für Anwohner genug Zeit, um noch letzte Schutzvorkehrungen treffen zu können.

Zurück zum Sirenenton, der sich laut Esch durch an- und abschwellende Töne klar von denen anderer Notsituationen unterscheidet. „Wenn an einem Sommertag die Sirene geht, wissen die Mehlemer dank mehrerer Starkregenereignisse, dass sie ihre bereitliegenden Sandsäcke verteilen müssen.“

"Hochwasserdemenz" bei Godesbergern

Bei den Godesbergern sieht er dagegen wegen einer „Hochwasserdemenz“, also dem Verdrängen aufgrund eines seltenen Ereignisses, Nachholbedarf. Allgemein weist er darauf hin, dass man sich beim Sirenenton auch selbst in Sicherheit bringen solle: „Wenn Sie als Bachanlieger in Ihrem Keller sind und das Wasser rasend schnell steigt, kann es lebensgefährlich werden.“

Der Prototyp an der Bachemer Straße hat auch außerhalb von Bonn für Aufsehen gesorgt. „Der Rhein-Sieg-Kreis ist schon interessiert“, sagte Esch. Auch eine Delegation aus Südkorea zeigte sich vom Ansatz, den es so wohl noch nicht gab, begeistert. Ein Patent hat die Stadt auf den Alarmpegel allerdings nicht angemeldet. Da sie ihn gemeinsam mit einer Softwarefirma entwickelt hat, hat sie aber das nötige Know-how.

Und bald zuverlässige Daten. „Wir müssen jetzt die theoretischen Werte in der Praxis beobachten“, so Esch. Gegebenenfalls müsse man nachjustieren. Trotz der Innovationen gebe es keinen hundertprozentigen Schutz vor den Regenmengen: „Wie bei einem Erdbeben auch“, so der Amtsleiter.