Zweigstelle für Cybersicherheit

Hochschule expandiert nach Bad Godesberg

Bad Godesberg. Die Kurfürstliche Zeile soll Sitz einer Zweigstelle der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg werden. Geplant ist ein Standort für Cyber- und Datensicherheit.

Das Bad Godesberger Rathaus und Nachbargebäude sollen sich in ein Zentrum für Cyber- und Datensicherheit verwandeln. Denn die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (H-BRS) aus Sankt Augustin will mit einer Dependance in die Kurfürstliche Zeile einziehen. Das teilen deren Präsident, Professor Hartmut Ihne, und Oberbürgermeister Ashok Sridharan mit. Die Bonner Fraktionsvorsitzenden wurden am Montagnachmittag informiert. Die Außenstelle soll mit der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach innerhalb einer Cyber Alliance NRW (CAN) realisiert werden.

Die H-BRS wollte sich zunächst im Stadtbezirk Bonn ausdehnen. Sridharan sei es dann gelungen, das Augenmerk auf Godesberg zu lenken, so Vizestadtsprecher Marc Hoffmann. Es gab eine Begehung, an der Ihne teilnahm. „Wir haben die Bedeutung von Cybersicherheit früh erkannt, weswegen das Thema von Anfang an ein Teil unseres Informatikstudiums war“, so der Hochschulpräsident. Es kam zu Kooperationen wie mit dem Labor für Cybersicherheit (Fraunhofer) und dem Cyber-Security-Cluster Bonn.

Mit einer Absichtserklärung hat Bonn dem NRW-Wissenschaftsministerium sein großes Interesse an der Etablierung des CAN Cyber Security Campus Bonn übermittelt. Sridharan will nun dem Stadtrat vorschlagen, dafür die Kurfürstenallee 2-3 und gegebenenfalls weitere Gebäude zur Verfügung zu stellen. Nach GA-Informationen benötigt die Hochschule eine Fläche von 9000 Quadratmetern, 800 bis 1000 Studenten sollen dort unterkommen. Der Rat soll sich später mit den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der Frage beschäftigen, ob ein Erbbaurecht eingeräumt oder die Immobilie verkauft wird. Wie der GA erfuhr, gibt es noch ein Modell: Die Immobilie wird an die Vebowag übergeben, die sie dann an die Hochschule vermietet. „Die Stadt sichert außerdem die volle Unterstützung bei der Schaffung planungsrechtlicher Voraussetzungen zu“, so Hoffmann.

Der OB lobte Bonn als „starken Standort für Cyber-Sicherheit in NRW“. Die Hochschulansiedlung „wäre eine hervorragende Ergänzung dieser besonderen Qualität unserer Stadt“ und ermögliche Godesberg, den wissenschaftlichen Sektor auszubauen.

Parteien sehen Chancen für den Stadtbezirk

Bei der FDP herrscht Hochstimmung, denn sie war es, die 2015 die Idee einer Hochschulansiedlung in der Kurfürstlichen Zeile entwickelte und dabei belächelt wurde. „Wir haben jedoch dieses Projekt konsequent weiterverfolgt und ehrenamtlich über 300 Stunden in die Akquisition gesteckt – auch und gerade als in Bad Godesberg Weltuntergangsstimmung geherrscht hat“, so Wolfgang Heedt, Initiator der Campusidee. Für Heedt ist die akademische Ausbildung in Bad Godesberg der „Schlüssel zur Verjüngung des Stadtbezirks und zur Belebung der Innenstadt“.

Keine Partei äußert sich negativ, alle sehen Chancen für den Stadtbezirk, der sich zudem verjüngen würde. CDU-Ratsmitglied Christoph Jansen kann sich vorstellen, dass sich eine neue Gastroszene bildet. Zudem will er, dass Wohnheime geschaffen werden. Er sieht die Hochschule als Stärkung und Ergänzung zur Telekom, dem Neubau des Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und dem Fraunhofer Institut. „Es ist auch gut, dass die Hochschule den Standort Bonn nun noch mehr in den Blick nimmt“, so Tim Achtermeyer (Grüne).

Die Unsicherheit zur Zukunft der Kurfürstenallee könnte endlich beendet werden, teilte Hillevi Burmester (SPD) mit. „Es bleibt bei einer öffentlichen Nutzung“, zudem kämen junge Leute nach Godesberg. Das Thema Cyber- und Datensicherheit werde mit der H-BRS durch Lehre und Forschung ergänzt. Für Marcel Schmitt vom Bürger Bund Bonn stellt sich „die Schwimmbadfrage“. Wenn die nicht schnellstmöglich gelöst würde, „habe ich die Befürchtung, dass die Sache in Zweifel gezogen wird“. Er schlägt vor, auf dem Gelände des Landesvermessungsamtes, das der BBB ursprünglich als Hochschulstandort ins Spiel gebracht hatte, ein Hallenbad zu bauen.

Die H-BRS habe „einen begehrlichen Blick auf das Kurfürstenbad geworden, dieses sogar zur Voraussetzung gemacht“, meint Jürgen Repschläger (Linke). Da ein „so gutes Projekt“ nicht an der Standortfrage für ein Bad scheitern dürfe, müsse die Verwaltung schnell einen Alternativstandort präsentieren. Nur so könne eine Protestwelle in Godesberg verhindert werden, denkt Repschläger.

Ein neue Rathausnutzung bedeutet, dass die Verwaltung umziehen müsste: wie berichtet, vielleicht in einen Neubau der Sparkassenfiliale an der Rheinallee.