Diskussion im Bürgerausschuss

Hindenburgs Name soll weg

PLITTERSDORF/DOTTENDORF. Über die Umbenennung des Hindenburgplatzes (Dottendorf) und der Hindenburgallee (Bad Godesberg) sowie die Aberkennung der Ehrenbürgerwürde für den früheren Reichspräsidenten Paul von Hindenburg hat erstmals der Bürgerausschuss diskutiert. Den Bürgerantrag hatte der Verein Wissenskulturen Anfang Mai gestellt.

Außerdem liegt ein Bürgerantrag auf Beibehaltung der Straßennamen und Ehrenbürgerschaft von Bernd Hartwig vor. Ein "äußerst sensibles und ernstes Thema" wie Dieter Steffens (CDU) befand. Und so brachte er den Antrag durch, das Thema als erste Lesung zu betrachten und keine Beschlüsse zu fassen.

 Antragsteller Michael Paetau erläuterte, warum Hindenburg nach Ansicht des Vereins Wissenskulturen als Namensgeber unhaltbar sei. Die Stadt Bonn habe 2009 eine Erklärung verabschiedet, "entschieden gegen Gewalt, Diskriminierung, Ausgrenzung und Rassismus" vorgehen zu wollen. "Auch Bonns strategische Ausrichtung als internationale UN-Stadt lässt sich nicht mit der Ehrung für Paul von Hindenburg in Deckung bringen", sagte Paetau.

Hindenburg sei kein Symbol für Gewaltfreiheit, Völkerverständigung und Demokratie, sondern für Gewaltanwendung, Expansionsstreben und antidemokratisches Denken. Die Ehrenbürgerwürde sei laut Stadt die höchste Auszeichnung, die Bonn vergeben könne. "Was also ist es, was Hindenburg für diese hohe Auszeichnung, die Bonn 1933 ihm gemeinsam mit Adolf Hitler verliehen hatte, qualifiziert?", fragte Paetau.

Kontrahent Hartwig hob zwei Aspekte hervor. Zum einen entspreche es nicht den historischen Tatsachen, dass Hindenburg Hitler "ohne Grund" zum Reichskanzler gemacht habe. Zudem sei es "unredlich, das Wirken Hindenburgs allein danach zu beurteilen, ob es dem Zeitgeist entspricht". Zu Recht verweise Paetau auf Bonns Selbstverständnis als weltoffene und tolerante Stadt. "Aber das muss auch für diejenigen gelten, die Hindenburg anders sehen, Toleranz ist keine Einbahnstraße", sagte Hartwig.

Mit seiner Meinung stand er im Ausschuss ziemlich alleine; seine Argumentation, dass man derartige Entscheidungen aus ihrer Zeit heraus verstehen müsse, folgte ein Großteil der Mitglieder nicht. "Dass jede Generation ihre eigenen Wertvorstellungen hat, müssen wir nicht respektieren", sagte Eberhard Luithlen (Linke). "Wir werden den Antrag des Vereins Wissenskulturen unterstützen, eine besondere Leistung kann ich bei Hindenburg nicht erkennen", erklärte Miriam Schmidt (SPD).

Nur Ingo Schulze (CDU) widersprach Paetau. "Hindenburg war bis zuletzt gegen Hitlers Ernennung", so der Historiker, der eine ganz andere Frage aufwarf: "Mich interessiert die Kostenfrage." Aus "Kostengründen" und auch, weil dies "Unannehmlichkeiten für die Anwohner" bringe, hielt auch Huberta Kern (BBB) die Umbenennung für "nicht ratsam." Und: "Man sollte die Bürger befragen."

Das schlug auch Guido Pfeiffer (Grüne) vor, außerdem Nicole Maldonado Pyschny (FDP). Sie verwies erneut auf den Antrag ihrer Fraktion, die Schilder nicht zu entfernen, aber mit kritischen Hinweisen zu ergänzen. Christian Paul Trützler (Grüne) verwies auf das Beispiel Münster, wo ein Hindenburgplatz umbenannt wurde, viele Bürger aber mittlerweile protestieren. "Bei einer Beteiligung kann ich die Leute mitnehmen und Widerstände aufweichen", sagte Trützler, der forderte, dass die Ehrenbürgerschaft "auf jeden Fall" weg müsse. Ein Vorschlag, der in der Diskussion breite Zustimmung fand.

Paul von Hindenburg:
Paul von Hindenburg (1847-1934) hatte im Ersten Weltkrieg den Oberbefehl der 8. Armee, die bei Tannenberg eine zahlenmäßig überlegene russische Armee besiegte. Hindenburg gelang es, nach der Schlacht den Eindruck zu erwecken, dass dieser Sieg seiner Unbeirrtheit zu verdanken gewesen sei. Hindenburg war hartnäckiger Gegner eines Verhandlungsfriedens. Nach dem Tod Friedrich Eberts (1925) wurde der Generalfeldmarschall zum Reichspräsidenten gewählt. 1933 berief er Hitler zum Reichskanzler und löste den Reichstag auf.