Evangelische Gemeinde Mehlem

Halbzeit in der Heilandkirche

Maler streichen die neue Decke der Heilandkirche. Von der ehemaligen Empore am Ende des Raums sind nur noch Abdrücke in der Wand zu sehen.

Maler streichen die neue Decke der Heilandkirche. Von der ehemaligen Empore am Ende des Raums sind nur noch Abdrücke in der Wand zu sehen.

Mehlem. Der Umbau der evangelischen Gemeinde Mehlem schreitet zügig voran. Die alte Orgel ist in den USA angekommen. Für eine neue fehlt zwar noch das Geld, aber eine Leihorgel ist in Aussicht gestellt.

Von außen sieht die Heilandkirche in der Domhofstraße aus wie immer, aber innen verraten durchdringendes Klopfen, die schriftliche Baugenehmigung mit dem roten Punkt an der Tür und das Dixi-Klo um die Ecke eindeutig: Hier wird gebaut. Am 7. November 2016 begannen die Abbrucharbeiten im Gotteshaus der evangelischen Heiland-Kirchengemeinde, Ende April soll die Renovierung abgeschlossen sein.

Über die Entwicklung der Arbeiten weiß Baukirchmeister Wolf Schmücker vom Presbyterium bestens Bescheid. Die Planung für das Projekt begann Anfang 2016. In einem Wettbewerb mit drei Umbauplänen entschied sich die Kirche für einen Entwurf von Lorber Paul Architekten, der das „schlichte aber präzise Raumkonzept der Heilandkirche“ wiederbeleben und zeitgenössisch weiterentwickeln will. Am 14. Juli wurde der Bauantrag eingereicht. Drei Monate später fand im Gebäude selbst der letzte Gottesdienst statt, der seitdem im Gemeindehaus gehalten wird. Im Oktober folgten Verhandlungen mit gut zwei Dutzend Firmen, bis schließlich alle Pläne und Verträge abgeschlossen waren.

Altar und Ikone nach Paderborn transportiert

Einiges der alten Einrichtung fand Wiederverwendung in anderen Kirchen: Der Baumaltar und die Bergkristallikone des Seitenschiffs gingen an das Erzbistum Paderborn. Die zwölf Medaillons des Christuswegs, die die Wände der Kirche schmückten, hängen nun in Markranstädt bei Leipzig. Das große Bronzekreuz des Altarraums steht im St. Petridom in Bremen. Die Orgel trat die Reise über den Atlantik an, ist mittlerweile in der Saint Hyacinth Roman Catholic Church in Glen Head im US-Bundesstaat New York angekommen.

Beim Gang durch die Kirche ist diese kaum wiederzuerkennen. Einschnitte in der Wand sind die letzten Überbleibsel der 35 Tonnen schweren Empore, auf der sich die Orgel befand. Da sie den gesamten hinteren Teil des Hauptraums einnahm und verdunkelte, wurde sie ersatzlos abgerissen. Kein leichtes Unterfangen, weiß Schmücker. Die Empore war mit zwei tragenden Pfeilern verbunden, die abgerissen und neu betoniert werden mussten, ohne dabei die Standfestigkeit der Kirche zu beeinträchtigen.

Der Anschluss für eine neue Orgel ist bereits verlegt, für die das Geld allerdings noch fehlt. In der Zwischenzeit will sich die Gemeinde eine Orgel aus einer Nachbargemeinde leihen, die ebenfalls einen Umbau plant.

Akustik soll besser werden

Auf der gegenüberliegenden Seite verschwanden die obersten zwei von fünf Stufen, wodurch aus zwei unterschiedlich hohen Altarflächen eine große wurde. Eine kleine Überraschung war, dass deswegen die Statik des Bereichs neu berechnet und im Zuge dessen zwei darunter befindliche Heizungsrohre verschoben werden mussten. Doch der Zeitverlust konnte an anderer Stelle wieder wettgemacht werden. Eine flache Treppe auf der linken Seite und eine Rampe rechts ermöglichen einen seniorenfreundlichen und barrierefreien Zugang zur Altarfläche und zum angrenzenden Seitenschiff. Der Schiefer, mit dem die Fläche früher ausgelegt war, wurde gerettet und soll bald den Boden zieren, der sich ehemals unter der Empore befand.

Mit einem Blick auf zwei streichende Maler auf dem Gerüst neben ihm berichtet Schmücker von der alte Decke mit der „furchtbaren Akustik“, die nun der Geschichte angehört. Das neue Modell wurde vom Akustiker entworfen und soll Sprache und Musik verlustfrei durch die Kirche tragen.

Ebenfalls in schwindelerregender Höhe dichten ihre Kollegen gerade die Fenster neu ab. Der Eingang unmittelbar unter ihnen wurde bereits vergrößert. Der Parkettboden, im Moment sicher verpackt, wird zusammen mit der Fußbodenheizung repariert und neu verlegt. Darauf sollen zum Schluss statt Bänke frei bewegliche Stühle kommen, der neue Altar soll optisch zu ihnen passen. „Vieles geht nicht so schnell, wie ich es gerne hätte“, meint Schmücker. Trotzdem ist er mit den Handwerkern zufrieden. Er ist zuversichtlich, dass die Baukosten von 600.000 Euro und der Fertigstellungstermin Ende April eingehalten werden können.