Wohnungsbaugesellschaft

Großes Interesse für die Amerikanische Siedlung

Die Grünflächen der Amerikanischen Siedlung Bonn-Plittersdorf sollen in der Denkmalliste mehr Bedeutung bekommen, fordert die Bezirksvertretung Bad Godesberg.

PLITTERSDORF. Sie gilt als architektonische Besonderheit und steht unter Denkmalschutz. Dennoch plant die Wohnungsbaugesellschaft Vebowag, dort neue Häuser zu bauen.

Um die Amerikanische Siedlung in Plittersdorf ging es am Montagabend bei einem Vortrag in der American Protestant Church. Viele Mitglieder der Bürgerinitiative "Rettet die Amerikanische Siedlung Plittersdorf" und Interessierte waren gekommen. Referentin war die Kunsthistorikerin Constanze Falke, die über die Geschichte und Bedeutung der Siedlung berichtete.

In ihrem Vortrag stellte sie die geschichtliche Bedeutung der Siedlung während der Zeit Bonns als Regierungssitz, die architektonischen Besonderheiten und den Denkmalschutz besonders heraus. Nachdem 1949 die Alliierte Hohe Kommission ihren Dienstsitz auf den Petersberg in Bonn verlegt hatte, wollten die Amerikaner Wohnungen in der Nähe ihres Arbeitsplatzes haben. Am 2. Januar 1951 gab es erste Gespräche über das Gebiet der späteren HiCoG-Siedlung, das zuvor landwirtschaftlich genutzt wurde. Der erste Spatenstich erfolgte am 15. Februar 1951, nach neun Monaten konnten die ersten Wohnungen bezogen werden.

Der amerikanische Einfluss auf den Bauprozess wurde vor allem in der hufeisenförmigen Anordnung der Siedlung, der Größe der Wohnungen und Fenster sowie der bis 2002 bestehenden Versorgungseinrichtungen deutlich. Die künstlerische Gestaltung der Architektur stammt von Sep Ruf, der das Nachkriegsbauwerk mit vier anderen Architekten schuf. Rufs Grundidee war ein "lichtes Wohnen", bei dem ein einheitliches, zurückhaltendes Bild entstehen, aber die Frontgestaltung dennoch nicht langweilig sein sollte. Er plante große Fensterfronten mit schmalen Fensterprofilen, unterbrochen von verputzten Flächen.

Auch die Gartenplanung, die von Hermann Mattern und Heinrich Raderschall übernommen wurde, weist eine künstlerische Gestaltung auf. Mattern war es wichtig, die Landschaft zu modellieren, nicht zu überformen. Die Wiesen, Pflanzen- und Blumenbeete gehen in einem kontrollierten Zufallsprinzip ineinander über. Bei der Gartenschau 1979 in Bonn wurde die Form der Amerikanischen Siedlung in die Gestaltung des Parks mit einbezogen, sodass eine Anbindung zwischen dieser und der Rheinaue entstand.

Nach dem Wegzug der amerikanischen Botschaft und der Bewohner 1999 nach Berlin lag die Siedlung brach. 2000 wurde sie unter Denkmalschutz gestellt. Als Reaktion auf die Pläne der Vebowag, zusätzliche Häuser in der Siedlung zu bauen gründete sich die Bürgerinitiative "Rettet die Amerikanische Siedlung Plittersdorf". Die Mitglieder wollen den Erholungseffekt ihrer Siedlung durch die großen Grün- und Freiflächen nicht verlieren.

Am Tag des offenen Denkmals, Sonntag, 14. September, hat man bei Führungen die Gelegenheit, sich die Amerikanische Siedlung in Muffendorf anzusehen, die ebenfalls von Sep Ruf entworfen wurde.