Amerikanische Siedlung in Plittersdorf

Großer Aufruhr in "Klein Amerika"

Auf großes Interesse stieß kürzlich ein Ortstermin des Unterausschusses Denkmalschutz mit Stadtkonservator Franz-Josef Talbot, zu dem auch viele Bürger in die Amerikanische Siedlung Plittersdorf kamen. FOTO: RONALD FRIESE

Auf großes Interesse stieß kürzlich ein Ortstermin des Unterausschusses Denkmalschutz mit Stadtkonservator Franz-Josef Talbot, zu dem auch viele Bürger in die Amerikanische Siedlung Plittersdorf kamen.

PLITTERSDORF. Der Kindergarten in der Amerikanischen Siedlung ist nicht mehr zu sanieren. Das besagt ein aktuelles Gutachten, das die Vebowag in Auftrag gegeben hat. Einen Abrissantrag hatte die Wohnungsbaugesellschaft, deren Hauptaktionär die Stadt Bonn ist, bereits bei der Stadt gestellt. Die Entscheidung darüber steht noch aus.

Zuletzt tauchten bei einem Ortstermin des Unterausschusses Denkmalschutz in der Siedlung Fragen auf, die deutlich machten: Auch in der Stadtverwaltung gibt es noch keine abgestimmte Meinung dazu, was nach dem Auszug des Internationalen Montessori-Kindergartens mit dem Gebäude passieren soll. Die wichtigsten Frage der aktuellen Diskussion:

Steht der alte Kindergarten

unter Denkmalschutz? Der Kindergarten ist im Lageplan der Unterschutzstellung nicht als Bestand eingezeichnet. Vebowag-Vorstand Michael Kleine-Hartlage steht deshalb auf dem Standpunkt, dass das Gebäude kein Denkmal ist. Außerdem sei im Lauf der Jahrzehnte viel verändert, angebaut und ausgetauscht worden. "Die Denkmalpfleger hat das Gebäude lange nicht interessiert", sagt Kleine Hartlage. Für Stadtkonservator Franz-Josef Talbot gehört der Kindergarten sehr wohl zum Denkmal-Ensemble. Er werde auch im Anlage-Text zur Denkmalliste erwähnt. Diese Frage ist also strittig.

  • Schützt die Denkmalliste vor Abriss? Das Denkmalrecht sieht, unabhängig von der fachlichen Bewertung, eine Abwägung mit öffentlichen Belangen vor. "Das war vielerorts Schicksal der Nachkriegsarchitektur", sagt Professor Udo Mainzer aus Bonn, der bis 2011 Landeskonservator war.
  • Sind die im April vorgestellten Pläne für den Kita-Neubau noch aktuell? Dazu sagt der Vebowag-Chef: "Der Entwurf hat leider nicht den erhofften Anklang gefunden. Insofern ist der Entwurf für die Kennedyallee nicht mehr aktuell." Die Vebowag will jetzt Schritt für Schritt vorgehen. Zuerst der Abrissantrag, dann neue Pläne, an denen die Bürger in einem Mediationsverfahren beteiligt werden sollen. Am Bau eines neuen Kindergartens mit internationalem Konzept hält die Vebowag fest.
  • Muss die Denkmalliste geändert werden? Der Stadtkonservator erklärte den Kommunalpolitikern beim Ortstermin, dass die Unterschutzstellung an den jetzigen Bestand angepasst werden muss. In der Denkmalliste sind noch Gebäude eingetragen, die längst abgerissen sind. Außerdem will er "mehr Gewicht auf die Grünanlagen legen, die in der ursprünglichen Unterschutzstellung so gut wie gar nicht beschrieben und bewertet wurden".
  • Wie funktioniert eine Änderung? Das Presseamt der Stadt Bonn teilte dazu auf GA-Anfrage mit: "Sobald die Begründung für die Unterschutzstellung erstellt und das Benehmen mit dem Rheinischen Amt für Denkmalpflege hergestellt ist, wird - nach Anhörung des Eigentümers - der rechtsmittelfähige Bescheid über die Eintragung des Denkmals in die Denkmalliste erlassen." Die verwaltungsinterne Prüfung sei noch nicht abgeschlossen.
  • Die Vebowag als Eigentümerin der maßgeblichen Grundstücksflächen sieht eine Erweiterung des Denkmalschutzes "speziell in Bezug auf die Außenanlagen" kritisch. Zum einen seien die überbaubaren Grundstücksflächen für Wohnbebauung bereits im Bebauungsplan eingezeichnet; eine Nachverdichtung der Siedlung sei vom Tisch. Zum anderen seien wesentliche Planungen des Landschaftsarchitekten Hermann Mattern nie umgesetzt worden. "Wir müssen davon ausgehen, dass eine Ausweitung des vorhandenen Denkmalschutzes auf Dauer zusätzliche Aufwendungen nach sich ziehen würde; das kann nicht im Interesse des Unternehmens liegen, dem ich unter Kontrolle durch den Aufsichtsrat als Organ nach dem Aktiengesetz verpflichtet bin", sagt Kleine-Hartlage.
  • Was sagt der Oberbürgermeister zur Bedeutung der Plittersdorfer Siedlung und zu ihrer Zukunft? Jürgen Nimptsch: "Mit der Amerikanischen Siedlung hat Bonn ein ganz besonderes Zeugnis bundesrepublikanischer Geschichte zu bieten. Wir wollen nach Möglichkeit diese Zeugnisse mit Sensibilität und Respekt nutzen. Dabei haben wir mit abzuwägen, dass wir möglichst zügig möglichst viele zusätzliche Kindergartenplätze schaffen müssen, was ebenfalls einem gesellschaftlichen Grundbedürfnis entspricht. Der Gesamtabwägungsprozess ist noch nicht abgeschlossen."