Möbel aus dem Traditionslokal

Godesberger sichern sich Erinnerungsstücke aus dem Aennchen

Die Stühle aus dem Aennchen waren begehrt und nach einer Viertelstunde bereits verschenkt.

Die Stühle aus dem Aennchen waren begehrt und nach einer Viertelstunde bereits verschenkt.

Bad Godesberg. Viele Godesberger haben sich ein Erinnerungsstück aus dem Godesberger Traditionslokal Aennchen gesichert. 70 Möbelstücke hat der neue Eigentümer Khaled Hamed verschenkt. Das ist der aktuelle Stand vor der Neueröffnung.

Wer im Aennchen jetzt noch einen Sitzplatz ergattern will, hat schlechte Karten. Die Handwerker im Traditionslokal müssen ihr Pausenbrot ab sofort im Stehen essen. Der neue Eigentümer Khaled Hamed hat die 70 Stühle aus dem Inventar am Dienstagmorgen verschenkt. Lange standen sie nicht auf der Straße: 30 Interessenten schnappten sich ein oder mehrere Möbelstücke, auch ein Beistelltisich ging weg. Das alles in knapp einer Viertelstunde.

Der eine oder andere klopfte noch an die Tür der Lindenwirtin am Aennchenplatz. Doch Malermeister Gregor Cramer blieb nichts anderes übrig, als die Nachzügler ohne Stuhl wieder nach Hause zu schicken. Da hatte Bettina Rojahn schon mehr Glück, die sich zwei Exemplare für die Küche sicherte. Dass der Lack ein paar Macken hat, störte sie nicht. „Ich suche schon so lange. Moderne Stühle hätten bei mir nicht gepasst“, sagte sie. Schwarz sei da genau richtig. Rojahn holt sich nun auch eine Erinnerung mit nach Hause, denn sie war früher schon öfters im Aennchen essen. „Die Lindenwirtin gehört zu Bad Godesberg.“

Gastraum soll heller werden

Sie wird an der Stelle, wie berichtet, auch präsent bleiben. Auf der gerade frisch grundierten Fassade steht auch künftig „Zur Lindenwirtin Aennchen“. Ansonsten sei der helle Weißton außen so wie beim Ursprungslokal. Hamed plant, etwa Ende Oktober ein italienisches Restaurant im Haus zu eröffnen. Dann wird der derzeit etwas muffige Geruch im Inneren verschwunden sein. Cramer und Innenarchitektin Afrodite Thisiadis wollen die Gaststätte modernisieren und auflockern. Auch heller als jetzt soll es im Gastraum werden. Beim Namen habe man sich jetzt auf „à la Aennchen“ festgelegt, so Cramer am Dienstag.

 

Renate Remmers und ihre Schwester Brigitte Vogt ergatterten acht der Stühle. Sie störte es nicht, dass die Korbauflage hier und da lose war. „Ich darf die Stühle hier abholen und dann auch aufarbeiten“, sagte Remmers Mann Wilhelm zu seinen Aufgaben. Alle drei waren glücklich, dass sie fündig geworden waren, und froh, dass das Aennchen selbst an seinem alten Platz bleibt. „Vielen Dank, wir freuen uns drüber“, sagte eine Frau über ihren Stuhl. Eine andere wollte noch mal umtauschen, weil auch bei ihr die Sitzauflage abgefallen war. Leider zu spät.

Schumacher übernahm Gasthof 1878

Die berühmte Lindenwirtin Aennchen Schumacher hatte den einstigen Gasthof zum Godesberg 1878 im Alter von 18 Jahren übernommen. Sie machte ihn zu einem der bekanntesten Studentenlokale im Rheinland. Das heutige Aennchen ist ein Nachbau aus den 70er Jahren, die historische Gaststätte wurde im Zuge der Altstadtsanierung 1971 abgerissen.

Im Schankraum kommen als Nächstes die alten Tapeten runter, dann wird die Decke gestrichen. Für Musik und Licht müssen noch ein paar Schlitze geklopft und Leitungen verlegt werden. Auch Theke und Küche bekommen noch eine Generalüberholung. „Es ist ein schönes Restaurant, das hat nachher was“, sagte Cramer.

Ein bisschen enttäuscht war am Ende eine Anwohnerin der Bismarckallee: Beim Einladen ihrer Stühle hatte sie kurz nicht aufgepasst, sodass einer plötzlich nicht mehr an der Hauswand stand. Der Ärger über den Verlust war aber schnell verflogen.