Stadt will 2021 Hahn zudrehen

Godesberger kämpfen für die Draitschquelle

Die gepflegte Anlage mit der Draitschquelle in ihrer Mitte an der Brunnenallee.

Die gepflegte Anlage mit der Draitschquelle in ihrer Mitte an der Brunnenallee.

Bad Godesberg. Die Schließungspläne der Draitschquelle in Bad Godesberg durch die Stadt lösen bei Bürgern und Experten in Bad Godesberg Empörung aus.

Die Nachricht, dass die Stadt 2021 der Draitschquelle den Hahn zudrehen will, um Geld zu sparen, hat viele Bad Godesberger empört. Auch wenn Oberbürgermeister Ashok Sridharan sich nun persönlich dafür einsetzt, dass das Heilwasser auch künftig sprudelt, kritisieren GA-Leser, wie unsensibel man Bad Godesberg im Bonner Stadthaus behandele. Anders als angenommen, machen die Quartalsuntersuchungen des Wassers gar nicht so viel von insgesamt 16 000 Euro aus, die die Quelle laut Verwaltung im Jahr kostet – und bei einer Schließung gespart werden könnten.

Wie berichtet, vermutete Apotheker Herbert Döben, der sich um die Freigabe des Wassers kümmert, dass die Kosten für die Quelle vor allem durch die vorgeschriebenen Untersuchungen zustande kämen. Tatsächlich hätten die Analysekosten 2016 und 2017 je bei 1544 Euro plus Mehrwertsteuer gelegen, teilt das Institut Romeis in Oberthulba (Landkreis Bad Kissingen) mit. Im Preis sei auch die Untersuchung der Kurfürstenquelle enthalten, die aber aufwendiger sei.

Gut gegen Herzschmerzen

Auf GA-Anfrage bestätigt die Stadt, dass sich die Kosten aus mehreren Posten zusammensetzen: bauliche Unterhaltung von Grundstück und Ausschankgebäude, Strom und eben die Wasseruntersuchungen. „Der Betreiber einer Heilquelle muss regelmäßige Qualitätskontrollen durchführen“, sagt Sprecher Gero Beckmann von Romeis, einem zertifizierten Prüflabor, das Mineralwasserbetriebe, Brauereien, alkoholfreie Erfrischungsgetränke und Heilquellen in Deutschland und Österreich unter die Lupe nimmt. In Bad Godesberg finden alle drei Monate die zwingend notwendigen Untersuchungen statt, die sich nach der Mineral- und Tafelwasserverordnung richten. Zum einen geht es dabei um mikrobiologische Anforderungen.

„Wir haben dort Rohrleitungen, da können sich Biofilme bilden“, erklärt Beckmann und denkt dabei an die Gefahr durch Legionellen. Das Wasser dürfe keine Indikatorkeime vorweisen, die etwa auf fäkalische Verunreinigungen hinweisen. Es müsse aber auch frei sein von chemischen Verunreinigungen und eine gleichbleibende Mineralisation haben, damit die gesundheitsförderlichen Wirkungen bestehen bleiben.

Auf die schwört Diplomchemiker Günter Mäueler: Der Bad Godesberger war entsetzt, als er von den Sparvorschlägen hörte und schrieb dem OB. „Die an Mineralien reiche Quelle besitzt Eisen(ll)-Ionen, die wesentlicher Bestandteil zum Blutaufbau sind. Seitdem ich das Brunnenwasser trinke, bin ich von meinen qualvollen nächtlichen Wadenkrämpfen befreit, und auch meine Herzverkrampfungen sind verschwunden.“ Mäueler ist sich sicher, dass er das dem Heilwasser der Draitschquelle verdankt. Bleibt die Quelle offen, könnte sich Mäueler vorstellen, das Wasser wieder in großem Stil anzubieten und zu vermarkten. Bonn könne mit seinem in Deutschland wohl einmaligen Heilwasser seinen Namen in die Welt tragen. Bis es soweit ist, verkauft es Helmut Fiehl weiter in seinem Pavillon an der Brunnenallee.