Volkshochschulseminar

Godesberger "Sinnesreise in die Pflanzenwelt"

Über die besonderen Heilkräfte dieser Pflanzen informiert Gartentherapeutin Nora Hahn die Seminarteilnehmer.

Über die besonderen Heilkräfte dieser Pflanzen informiert Gartentherapeutin Nora Hahn die Seminarteilnehmer.

Bad Godesberg. Schützt Hauswurz wirklich vor Blitzeinschlag? Stimmt es, dass einige Lilienarten die Zimmerluft besonders gut filtern? Und was von all diesem Grün kann man essen? Viele Fragen beantwortete Nora Hahn bei ihrer „Sinnesreise in die Pflanzenwelt“.

Im außergewöhnlichen Volkshochschulseminar entdeckten die Teilnehmer ungeahnte Düfte, Geschmacksnuancen und haptische Reize entdeckten. Berührungsdufter, Tastpflanzen, Teegewächse und Kräuter standen auf einer kleinen Terrasse mitten in der Naturinsel Pennenfeld. In der Abendsonne summte und duftete es. Schmetterlinge und manches hier unvermutete Insekt flogen von Blüte zu Blüte.

„Seit diese Naturinsel und der benachbarte Pikopark angelegt wurden, haben sich hier unter anderem viele seltene Insektenarten angesiedelt“, klärte die Referentin die Teilnehmer über ihre Umgebung auf. Zwölf Stauden vom Argentinischen Minzstrauch bis zur Zitronenverbene dienten den Teilnehmern als Ansichts-, Tast- und Geruchsexemplare. Ohne Hinweis auf die botanischen Merkmale oder Namen der Gewächse tasteten und schnupperten sie sich durch Blätter und Ästchen.

„Schön anzufassen, aber unangenehm im Geruch“, war zu hören. Eine andere Teilnehmer meinte zur selben Pflanze: „Die stinkt!“ Gemeint war das stark wüchsige australische Zitronenblatt mit einem Duft, der an angeblich mückenvertreibende Zitronellakerzen erinnerte. Der nach Küchenkräutern riechende Jamaika-Thymian und die Duftpelargonie begeisterten hingegen alle Teilnehmer.

Positiver Effekt bei Demenzkranken

„Der Geruchssinn ist einer der ältesten Sinne des Menschen“, erklärte Nora Hahn. Deshalb sei er in unserem Kopf mit den evolutionär ältesten Gehirnregionen verbunden. „Emotionen werden in diesem Bereich ebenfalls verarbeitet“, so Hahn.

Auf diese Zusammenhänge führe man zurück, dass die Erinnerung des Menschen an emotional geladene Ereignisse oft mit den dazu gehörenden Gerüchen angestoßen werden kann. Deshalb sei das Sehen und damit eine besondere Blütenpracht an diesem Tag nicht das Thema. Tatsächlich zeigten sich die Gewächse auf den ersten Blick eher unscheinbar.

Teilnehmerin Katharina Schodnicki nahm viele Informationen und Erfahrungen für ihre eigenen Lebenspläne mit. „Ich mache eine Ausbildung zur Gartentherapeutin“ erklärte sie. Ihr ursprünglicher Wunsch nach einer Ausbildung zur Gemüsegärtnerin hatte sie vor vielen Jahren in eine Camp-Hill-Einrichtung geführt. Dort hatte sie anthroposophische Ansätze und positive Wirkungen der Natur auf den Menschen kennengelernt.

Nora Hahn bestätigte: „Gerade in der Gerontopsychiatrie kann man sich die Effekte der Gartenpflanzen zunutze machen.“ Seit 20 Jahren ist sie in diesem Bereich tätig und hat sich zur Gartentherapeutin fortgebildet. „Hier wird nicht der Garten therapiert, sondern mit den Möglichkeiten der Pflanzen Positives bei den Menschen bewirkt“, sagte sie.

Oft fördere ein Duft oder das vertraute Gefühl bestimmter Pflanzenblätter auf der Haut verschüttet geglaubte Erinnerungen zutage – ein besonders bei Demenzkranken positiver Effekt. Außerdem seien viele der Stauden neben den meist angenehmen Dufteffekten als Tee- und Heilpflanzen wertvoll. Zum Abschluss hielt Hahn Rezepte zum Verzehr der verschiedenen Pflanzenteile bereit. Ob Hauswurz wirklich Gewitter und Blitze fernhält, konnte indes nicht abschließend geklärt werden.

Weitere Infos zum Thema auf www.blickinsgruene.de.