Nach jahrelangen Diskussionen

Godesberger Moscheebau steht nichts mehr im Weg

BAD GODESBERG. Die Stadt erteilt die Baugenehmigung für das Areal an der Weststraße „in Kürze“. Sobald diese auf dem Tisch liegt kann der Verein mit dem Umbau des ehemaligen Stadtwerkegebäudes in Bad Godesberg starten.

„Marhaban“ (Willkommen) wird es bald an der Weststraße heißen. Denn der dort geplanten Moschee steht nichts mehr im Weg. Nach jahrelangen Diskussionen, verschiedenen Informationsabenden und zahlreichen Gesprächen wird die Stadt dem Marokkanischen Kulturverein grünes Licht geben, die Baugenehmigung wird demnächst erteilt. Sobald diese auf dem Tisch liegt, was laut Stadt in Kürze der Fall sein wird, kann der Verein mit dem Umbau des ehemaligen Stadtwerkegebäudes starten.

Damit geht ein Prozess zu Ende, der vor mehr als drei Jahren begonnen hat. Wie berichtet, möchte der Verein seine Moschee an der Bonner Straße aufgeben, da die Räume dort nicht ausreichen. Neuer Standort der Moschee plus Kulturzentrum soll das rund 2600 Quadratmeter große Areal an der Weststraße im Gewerbegebiet Godesberg-Nord sein. Zur ersten Kontaktaufnahme mit dem Eigentümer, den SWB, kam es im April 2015. Was folgte, waren unter anderem Verkaufsverhandlungen, Gespräche mit Politik, Stadt und Unternehmern, die der Ansiedlung im Gewerbegebiet zunächst kritisch gegenüberstanden. 2017 dann wurde die Bauvoranfrage positiv beschieden, im Anschluss konnte die Baugenehmigung beantragt, und schließlich seitens der Stadt erteilt werden.

Flucht- und Rettungswege unter die Lupe genommen

Bis dahin war es aber dennoch ein langer Weg. Es habe noch Abstimmungsbedarf gegeben, „vor allem wegen der Stellplätze und des Brandschutzes“, so Markus Schmitz vom städtischen Presseamt. Dies aber sei vom Tisch, offene Fragen gebe es nicht mehr. Die Arbeit mit der Stadt sei sehr positiv gewesen, betont Architekt Jan van Dorp. Das Bauordnungsamt habe alle Möglichkeiten beleuchtet, um eine rechtssichere Genehmigung zu erteilen. Flucht- und Rettungswege wurden genau unter die Lupe genommen, genau wie die Parkplatzsituation, der Brandschutz und vieles mehr.

Herausgekommen ist eine Planung, die an einigen Stellen optimiert wurde. Auf einer Fläche von 500 Quadratmetern entsteht der der Gebetsraum für Männer, sie betreten die Moschee von der Südstraße aus. Die Frauen, die einen separaten Eingang haben, beten künftig auf einer Empore von 229 Quadratmetern Größe. Büros, Veranstaltungs- und Schulungsräume runden das Bild ab; sämtliche Zimmer sind barrierefrei erreichbar.

Wohnungen, wie anfangs geplant, sind nicht vorgesehen. Und: „Es wird keine parallel laufenden Veranstaltungen geben“, betont van Dorp. Soll heißen, dass es nicht gleichzeitig Schulungen und Gebetszeiten oder weitere Veranstaltungen während der Seminare geben wird. Hochzeits- und Geburtstagsfeiern oder Versammlungen anderer Art finden in den Gebetsräumen grundsätzlich nicht statt.

Zahl der Fahrradabstellplätze erhöht

Das Gebäude wird von außen lediglich „optisch aufgewertet“. Der Rettungsweg an der Seite wird zwar wie ein kleines Minarett aussehen – ist aber in Wirklichkeit keines, wie van Dorp betont. Der Keller wird so gut wie gar nicht genutzt. Er kann auf Wunsch allerdings von Beerdigungsinstituten verwendet werden, um dort Totenwaschungen durchzuführen, erklärt Mustapha Cadi, zweiter Vorsitzender des Vereins. Dies werde aber nur selten vorkommen.

Die Zahl der Fahrradabstellplätze wurde erhöht, nun ist auf dem Gelände Platz für 54 Räder. Hinzu kommen 41 Parkplätze. Die Zufahrt erfolgt über die Weststraße. Während der fünf täglichen Gebetszeiten besuchen zwischen 20 und 70 Personen die Moschee, heißt es in dem Mobilitätskonzept, das der Verein um seinen Vorsitzenden Said Ajmedar erstellen ließ. Eine Besonderheit bietet das Freitagsgebet zur Mittagszeit. Dann geht der Verein von einer Vollbelegung aus – von den erwarteten 350 Gläubigen sind rund 310 aus der Umgebung, der Rest sind externe Besucher. „Viele dachten anfangs, wir wären eine überregionale Moschee – sind wir aber nicht“, so Cadi. Die Besucher stammten größtenteils aus Bad Godesberg.

Nun, da alles in trockenen Tüchern ist, startet der Verein wieder mit seiner Spendensammlung. Ein großer Teil der Summe – Kauf und Umbau schlagen insgesamt mit rund 2,2 Millionen Euro zu Buche – stammt von den 160 Mitgliedern des Vereins. Hinzu kommen Spenden von „außerhalb“. „Eine Finanzierung findet nicht statt“, betont Ajmedar. Ist der Startschuss gefallen, die Ausschreibung durch und genug Fachfirmen gefunden, wird es neun bis zwölf Monate dauern, bis alles fertig ist, schätzt van Dorp. Dann steht die Tür nicht nur den Muslimen, sondern allen offen. Cadi: „Wir wollen den regelmäßigen Kontakt mit den Nachbar auf jeden Fall beibehalten.“