Sachbücher und Literatur aus Bonn und Venedig

Godesberger Lehrer schult zum Verleger um

Arnold Maurer mit Exemplaren des Buches „Bonner Zeitfenster“, das in seinem neuen Verlag herausgegeben wird.

Arnold Maurer mit Exemplaren des Buches „Bonner Zeitfenster“, das in seinem neuen Verlag herausgegeben wird.

Bad Godesberg. Der Godesberger Arnold Maurer hat nach seiner Pensionierung als Lehrer einen Verlag gegründet und spezialisiert sich dabei auf Bücher zu Bonn und zu Venedig.

„Es sollte unbedingt ein Verlag werden“, sagt Arnold E. Maurer. Und es ist bei dem pensionierten Studiendirektor schon kurz nach seinem Abschied von der Elisabeth-Selbert-Gesamtschule das Bonner Verlags-Comptoir geworden. Zugegeben, ein etwas ungewöhnlicher Name, gibt der promovierte Historiker lächelnd zu. Sein „Kontor“ rühre vom Weimarer Unternehmer Friedrich Justin Bertuch her, der zur Goethezeit mit einem „Landes-Industrie-Comptoir“ neue Trends im klassischen Weimar setzte, erläutert Maurer. Mode, Spielzeug und Kinderbücher habe Bertuch damals in Thüringen ideenreich vermarktet. Und wo setzt Maurer jetzt selbst innovativ an? Der 65-Jährige steht vor seinem Ladenlokal in der Wolfstraße. „Ich möchte einerseits lokalgeschichtliche und im weitesten Sinne rheinische Themen propagieren, andererseits aber auch das Thema Venedig und Italien in Büchern, die sich an ein breites Publikum wenden, vermitteln“, antwortet Maurer.

Maurer ist Rheinländer mit Leidenschaft. Andererseits brennt auch seine Passion für die italienische Lagunenstadt. Als Historiker hat er beim Bonner Komparatisten Professor Erwin Koppen zum venezianischen Dramatiker Carlo Goldoni promoviert. 1977 bis 1979 lebte er als Stipendiat des Deutschen Studienzentrums in Venedig. Mit seiner 2014 verstorbenen Ehefrau Doris veröffentlichte Maurer Italienbücher wie die Anthologie „Venedig“ und einen „Literarischen Führer durch Italien“, einen Reisebegleiter „Venedig“. Waren die beiden auch publizistisch ein Dreamteam? Maurer lächelt. Er habe sich mit seiner Frau, die bundesweit als Literaturvermittlerin bekannt war, ideal ergänzt. „Sie brachte den literarischen Blick ein und ich die soziale Einbindung.“

Beueler Verlag als Vorbild

Nach insgesamt 38 Jahren im Schuldienst, erst an der Beueler Gesamtschule, dann in Bornheim und schließlich an der Godesberger Gesamtschule, mache er also jetzt selbst Bücher. „Meinen Kollegen Hans Weingartz von der Elisabeth-Selbert-Gesamtschule nenne ich mein großes Vorbild. Er hat ja schon Erfahrung mit seinem Beueler Kid-Verlag“, sagt Maurer. Klar, auch er sei ein Büchernarr, aber habe sich auch in Wirtschaftsfragen weitergebildet.

Wer heute einen Verlag gründe, dürfe sich nicht nur verwirklichen, sondern auch Gewinne machen wollen. Zwei kleine Venedig-Bände hat er als Edition Bonn-Venedig nun schon in Lizenz herausgegeben, eines zur Geschichte und einen Stadtrundgang in Zahlen. Dazu kommt das erste Theaterstück eines talentierten ehemaligen Elisabeth-Selbert-Schülers: das Schauspiel „Eine Baumgeschichte“ von Tobias Jawtusch.

Und jetzt punktet Maurer mit dem ersten großen Projekt: „Bonner Zeitfenster: Historische Miniaturen“ heißt das einladende Lesebuch, ein alternatives Porträt der Stadt. Die Mitarbeiter des Bonner Stadtarchivs haben darin seit 2013 zu je einer Archivalie Monat für Monat deren Geschichte erzählt. „Schauen Sie hier zum Beispiel, diese wunderbare Fotografie vom Godesberger Rheinufer Anfang des 20. Jahrhunderts“, schwärmt Maurer. Den Spagat zwischen populären Sachbüchern und Literatur aus Bonn und Venedig will er auf jeden Fall weiterführen. „Und gerade war ich fast auch an einem wirklichen Bestseller dran.“

Kontakt zum Verlag: 0228/65 71 94, www.bonner-verlags-comptoir.de. Die neuste Veröffentlichung: Bonner Zeitfenster. Historische Miniaturen, 120 S., 86 Abbildungen, 13,50 Euro.