Bäder in Bonn

Godesberger Kurfürstenbad dient als Ersatzteillager

Blick ins leere Kurfürstenbad: Seit der Schließung wurde hier schon Technik ausgebaut.

Blick ins leere Kurfürstenbad: Seit der Schließung wurde hier schon Technik ausgebaut.

Bad Godesberg. Eine Entscheidung über die Zukunft des Kurfürstenbades ist noch nicht gefallen, dabei werden Technik und Inventar bereits für andere Bäder genutzt. Das stößt bei einigen auf Kritik.

Ersatzteile für die zum Teil veraltete Technik der Bonner Schwimmbäder sind schwer zu bekommen, und manches, was im seit Mai 2016 geschlossenen Kurfürstenbad schlummert, lässt sich offenbar noch verwerten. Wie aus der Stellungnahme der Verwaltung zu einer Einwohnerfrage in der Bezirksvertretung Bad Godesberg hervorgeht, wurden verschiedene Anlagenteile demontiert und entweder eingelagert oder in anderen Bonner Bädern montiert. Das stößt auf Kritik von Bürgerinitiativen und Bürger Bund Bonn, die sich für eine Wiedereröffnung einsetzen.

Laut Liste der Stadt wurden zum Beispiel zwei Bildschirmschreiber für Chlormess- und Regelanlagen ins Freibad Rüngsdorf eingebaut, im Austausch für defekte Anlagen dort. Drei Dusch-Mischventile ersetzen defekte Ventile im Frankenbad, hier wurden – wie im Römerbad – außerdem Dosierpumpen mit Material aus dem Kurfürstenbad ersetzt. Die Reinigungsgeräte wurden in andere Bäder verteilt, ebenso die ausgebauten Spindschlösser.

Das Sport- und Bäderamt hat außerdem Inventar ins Zentrallager bringen lassen: vier Chlor-Druckregelventile, die Saunasteuerung und einen kleinen Kühlschrank zur Aufbewahrung von Messreagenz. Die Fragesteller fürchten ebenso wie die Bürgerinitiative „Kurfürstenbad bleibt!“ Schäden und Verfallserscheinungen, die seit der Schließung der Sauna im Juli 2015 und während des Schwimmbad-Leerstands entstanden sein könnten. „Der Verwaltung sind keine signifikanten Schäden, resultierend aus der Nichtnutzung, bekannt“, hieß es dazu von der Stadt Bonn.

„Es werden schon Fakten geschaffen. Das zeigt, dass es gar nichts mehr zu entscheiden gibt und wir Bürger vor vollendete Tatsachen gestellt werden“, sagte Axel Bergfeld von „Kurfürstenbad bleibt!“ dem GA. Der Rat hatte zwar einen Grundsatzbeschluss für ein neues Familien-, Schul- und Sportschwimmbad im Wasserland gefasst, der Baubeschluss steht aber noch aus. In der Dezembersitzung soll der Rat entscheiden, ob er die Stadtwerke mit dem Bau des Zentralbads beauftragt.

Das Kurfürstenbad werde „ausgeweidet“, kritisierte Marcel Schmitt (Bürger Bund Bonn) in der Bezirksvertretung, „weil bei CDU, FDP und Grünen längst beschlossene Sache ist, dass das Zentralbad am Rande Dottendorfs gebaut wird und das Kurfürstenbad nicht mehr öffnen wird“.

In der vergangenen Woche hatte die Initiative „Kurfürstenbad bleibt!“ die Stadt dazu aufgefordert, das Kurfürstenbad im Winter zu heizen und seine Substanz zu erhalten. Sie hält es nämlich für möglich, die Schwimmhalle bei einem Verkauf des städtischen Grundstücks als Bürgerbad genossenschaftlich zu betreiben.

Der Schwimmverein SG Wago zieht unterdessen als letzter verbliebener Nutzer aus dem Gymnastikraum des Kurfürstenbads aus, weil nicht geheizt wird. Ein neuer Standort für die Sportkurse steht nach Auskunft von Geschäftsführer Andreas Neußer noch nicht fest.