Jubiläumsfeier auf der Godesburg

Godesberger Heimatverein wird 150 Jahre alt

Bad Godesberg. Martin Ammermüller, Vorsitzender des Godesberger Heimatvereins, erinnerte an Höhen und Tiefen der Vereinsgeschichte. Die Verschönerung der Rheinpromenade vor dem Ersten Weltkrieg lag maßgeblich am Einsatz des Vereins.

Martin Ammermüller steht als Jurist für klare Worte. 150 Jahre des Vereins für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg gibt’s am 23. Juni auf der Godesburg zu feiern. Dabei habe man in diesen eineinhalb Jahrhunderten diverse Höhen erklimmen und Tiefen durchschreiten müssen, berichtete Ammermüller als Vorsitzender bei der Mitgliederversammlung in der Stadthalle.

Die ersten 50 Jahre bis zum Ersten Weltkrieg seien mit dem Bau der Rheinallee und der Verschönerung der Rheinpromenade für den Verein und die Gemeinde Godesberg sehr erfolgreich verlaufen, fasste der Vorsitzende zusammen. In den folgenden 50 Jahren sei der Verein „am Eingehen“ gewesen: Gründe dafür waren die französische Besetzung, die Inflation, die Nazidiktatur, der Zweite Weltkrieg und seine Folgen. Aber auch in den Jahren des Wirtschaftsaufschwungs habe es im Verein an Ideengebern und aktiven Vorsitzenden gefehlt.

Projekt am Draitschbrunnen führte fast zur Insolvenz

Jedoch die dritten 50 Jahre Vereinsgeschichte, die hätten es in sich gehabt: Und das besonders durch den Vorsitzenden Walter Haentjes. Die Schriften „Godesberger Heimatblätter“ und „Historische Spaziergänge“ kommen seither regelmäßig heraus. Es ging auf Studienfahrten und Kunstwerke wurden gepflegt. Wenngleich nun vor einigen Jahren das Projekt am Draitschbrunnen den Verein „beinahe zur Insolvenz geführt“ habe, merkte Ammermüller auch selbstkritisch über die eigene „Ägide“ an. Die Ausgangslage für die nächsten 50 Jahre wiederum sehe er als ausgesprochen günstig an, führte der Vorsitzende aus. „Es müssen sich nur Männer und Frauen finden, die den geerbten Auftrag weiter ausführen.“

Und den habe Mitte des 19. Jahrhunderts zuerst der damalige Bürgermeister August von Groote erkannt. Mit nur 25 Jahren und wenig Verwaltungserfahrung habe der sich durchaus clever den reichen Freiherrn Ludwig von Rigal an die Seite geholt. Mit zähem Einsatz hoben die beiden schließlich 1869 einen „Verschönerungsverein“ aus der Taufe.

Ziel war, für die Gemeinde Godesberg den Kurbetrieb zu entwickeln, schilderte Ammermüller die Anfänge. Der erste Vereinsvorsitzende Constantin Hölscher habe sofort mit der Arbeit begonnen: die Wege zu den Aussichtspunkten erschließen lassen, Bänke und Schutzhütten aufgestellt und den Bau der Rheinallee forciert. Ammermüller ehrte auch weitere Vereinsvorsitzende wie den „Zuckerbaron“ Anthon von Rath, der 1902 den Bismarckturm bauen ließ, oder Wilhelm Fenten, auf den Karten von Godesberg und Wanderbroschüren zurückgehen.

1987 kaufte der Verein das "Nymphchen" zurück

Parallel war auf Initiative des Vereins der Zugang zum Rhein eröffnet und bis 1909 eine Rheinpromenade angelegt worden. Andererseits erregten nicht alle Vereinsinitiativen Begeisterung: Als Bankier Karl von der Heydt eine scheue Nymphe des Bildhauers Georg Kolbe fürs Ufer des Godesberger Bachs spendierte, habe deren Nacktheit Godesbergs Geistlichkeit und die Presse so nachhaltig beschäftigt, dass das Nymphchen im Sinne des Wortes den Kopf verlor und 1952 verschwand. 1987 habe der Heimatverein den Rückkauf durch die Stadt und die Aufstellung an der Redoute vermitteln können.

1961 hätten der junge Vorsitzende Walter Haentjes und sein ebenso elanvoller Stellvertreter Albert Schulte den Verein endlich für die Zukunft ausgerichtet. Haentjes hatte ein Buch über die Geschichte der Godesburg zum 750-jährigen Gründungsjubiläum 1962 geschrieben. Er holte bei der Stadt einen jährlichen Zuschuss für die neue Vereinszeitschrift „Heimatblätter“ heraus. Ende 1978 konnte man das 1000. Mitglied begrüßen. Als Nachfolger des früh verstorbenen Haentjes habe dann auch Professor Herbert Strack von 1978 bis 2003 segensreich gearbeitet, betonte Ammermüller. Ab 2004 habe der Vorsitzende Karl Josef Schwalb unter anderem als Leiter von 97 Studienfahrten und bei 50 „Klaaftreffs“ sowie mit der Einweihung der Geschichtssäule im Stadtpark wichtige Akzente gesetzt.

Als Wegmarken seiner eigenen Amtszeit seit 2009 bezeichnete Ammermüller die Aufstellung des Bronzemodells der unzerstörten Godesburg im Innenhof, die Schaffung von Infotafeln an historischen Gebäuden, die Wiedererrichtung des Brunnens „Nymphe und Faun“ am Haus an der Redoute und die Platzierung der Probussäule nebst Ruhebank vis-à-vis der Redoute.