Bad Godesberger Schulen Godesberger Aloisiuskolleg setzt auf internationalen Abschluss

Das Aloisiuskolleg, ein „Neubau in neuzeitlichem Geist“, beschrieb Bürgermeister Josef Zander im Jahr 1929.

Bad Godesberg. Aloisiuskolleg entwickelt sich im Lauf der Jahrzehnte zu einer Schule für beide Geschlechter. 25 Schüler haben nun die Chance, das „International Baccalaureate“ zu erwerben.

Die Schließung des Internats war eins der viel diskutierten Themen beim diesjährigen Fest des Aloisiuskollegs. Es gehört zur Tradition, dass an diesem Tag viele Ehemalige beim Ako vorbeischauen. Sie erlebten Pantomime, die Schulbigband mit „Uptown Funk“ von Mark Ronson und vieles mehr. Eine weiterer Anlass der Feier war der 450. Geburtstag des Namenspatrons Aloisius von Gonzaga.

Das Ako, diesen „Neubau in neuzeitlichem Geist“ oben auf der Wacholderhöhe, beschrieb Godesbergs Bürgermeister Josef Zander im Jahr 1929 begeistert: „Achtungsgebietend schaut der Kollegsbau von stolzer Höhe herab auf den deutschen Strom“, betonte das Stadtoberhaupt bei der Einweihung. Ein riesiger Schulhof war vor der Front geschickt ins ansteigende Gelände eingepasst worden. Das „Schulwesen Bad Godesbergs, das in seiner Eigenart und Mannigfaltigkeit vielleicht einzig in unserem Vaterlande dasteht“, habe hier eine große Bereicherung erfahren, so Zander. Vertreter des Trägers, des Jesuitenordens, äußerten Bescheideneres. Der neue Komplex sei vor allem zweckmäßig, einfach, solide und schön schrieb ein Pater Strauß im selben Jahr.

Kolleg wirkt fast wie ein Schloss

Er nehme bei diesem sehr hellen Schulgebäude zuerst die harmonischen Proportionen wahr, die trotz einiger Nutzungswechsel sichtbar geblieben seien, intern spreche man vom „Goldenen Schnitt“, erklärt der heutige Schulleiter Manfred Sieburg beim Kollegsrundgang und zeigt in Flure mit sehr großer Fensterfront. Er weist hoch zum quadratischen „Patresturm“ und in sehr große Klassensäle. Charakteristisch sei eben dieses Ebenmaß des in einem Guss gebauten Komplexes mit dem vorspringenden Eckturm, meint Sieburg. Die Funktionalität der Gebäudeteile sei deutlich von außen erkennbar. „Aus heutiger Sicht atmet das Ganze natürlich auch den Kolossalstil der 1930er Jahre“, fügt Sieburg nachdenklich hinzu. Vom Schulhof aus wirke das Ako für ihn fast wie ein Schloss. Zumal einst fünf Türme an den Ecken geplant waren.

Der Schlosscharakter dürfte sicher beabsichtigt gewesen sein. 1927 hatten sich die Jesuiten für ihr Kolleg aus Platznot vom Standort Augustastraße 8-10 aus in das über den Dächern von Godesberg liegende Gelände der Bankiersfamilie von der Heydt eingekauft. Als Internatsgebäude diente ab 1927 deren imposante Villa nebst „Jägerhäuschen“: ein Prachtbau mit Kuppelsaal, Mosaikfliesen, Marmorsäulen und Stuckdecken, der „Stella Rheni“ genannt wurde. Für den Neubau wurden Architekten aus Bochum und Köln verpflichtet, die ihn an der Elisabethstraße entlang zogen und zwei rückwärts gelagerte Flügel von 25 Metern anschlossen.

Wieder Leben in der Baugeschichte

„Die geringe Höhe mit zwei Obergeschossen ermöglicht eine schnelle Entleerung der Klassen durch drei Treppenhäuser“, schrieben die Architekten. Es mussten ja 1932 schon 450 Schüler untergebracht werden, von denen 66 Prozent auch im Internat wohnten, bis das jesuitische Ako 1938 unter dem Bann der Nationalsozialisten für Jahre schließen musste. Seitdem ist weiter Leben in die Baugeschichte gekommen: In den 1960er Jahren wurde an den quadratischen Patresturm ein Neubau angeschlossen. Eine Rotunde kam hinzu. In den 1980er Jahren ersetzte die heutige Kollegskirche die Notkapelle. 2005 baute das Ako jenseits der Elisabethstraße ein Mädcheninternat an den Hang – ein wahrlich revolutionärer Akt für eine Jungenbastion.

Wenngleich die Internatsgeschichte diesen Sommer zu Ende geht, weil die nötigen Anmeldungen ausblieben. Das Ako wird für das Schuljahr 2018/2019 das Programm „Gonzaga Prep“ anbieten. 25 Schüler haben hierbei die Chance, das „International Baccalaureate“ zu erwerben. Nicht zuletzt an architektonischen Veränderungen lassen sich also die Entwicklungsschritte der heute 740 Schüler zählenden Traditionsschule ablesen.

Die Serie: Der GA beschäftigt sich mit der Geschichte der Bad Godesberger Schulen in loser Folge. In der nächsten Folge geht es um die Burgschule.

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