Amos-Comenius-Gymnasium

Gemeinsamkeit und Identität

Die Podiumsdiskussion stößt auf großes Interesse.

11.11.2013 BAD GODESBERG. Podiumsdiskussion in der Aula des Amos-Comenius-Gymnasiums zum Thema Zusammenleben

BAD GODESBERG. "Mehr als Toleranz - wie die Menschen verschiedener Kulturen und Religionen in unserer Stadt respektvoll zusammenleben". Diesem Thema widmeten sich jetzt rund 60 Besucher bei einer Gesprächsrunde in der Aula des Amos-Comenius-Gymnasiums.

Eingeladen hatte der Interreligiöse Dialogkreis, der auf dem Podium Bezirksbürgermeisterin Annette Schwolen-Flümann, Dechant Wolfgang Picken, Superintendent Eberhard Kenntner, den Düsseldorfer Sozialpädagogen Samy Charchira als Vertreter der Moscheen, Eyüp Akman als Mitglied der BIG-Partei und des Integrationsrats sowie Jürgen Kannich, Rechtsbeistand des Rates der Muslime, begrüßte. Ulrich Thomas und Mustapha Cadi moderierten. Als eine wesentliche Grundlage für die Entwicklung von Gemeinsamkeiten und Identität nannten mehrere Teilnehmer die ernsthafte Dialogbereitschaft. "Es ist leider alltägliche Lebenswirklichkeit, dass sich Gräben durch den Stadtbezirk ziehen", sagte Picken. Diese Gräben könnten ausschließlich über persönliche Ebenen überwunden werden, so der Dechant, der sich erfreut über ein Glückwunschschreiben der König-Fahad-Akademie zur Papstwahl sowie über ein Grußwort der Ditib-Gemeinde zu Allerheiligen zeigte.

Ein Ja zu religiösem Pluralismus dürfe nicht als Verrat am eigenen Glauben verstanden werden, sagte Kenntner; Die Mehrheit der Muslime in Deutschland wolle Partizipation und Integration, zeigte sich Charchira überzeugt - wenngleich es auf ausländischer wie auf deutscher Seite "Störer" gebe, die durch religiösen Extremismus oder Islamophobie auffielen. Grundsatzfragen zu Masseneinwanderung, zu den Folgen für die demografische Entwicklung in Deutschland oder den langfristigen Auswirkungen einer nicht funktionierenden Integration auf das soziale Gefüge blieben bei der Gesprächsrunde außen vor, Kontroversen waren die Ausnahme. Allerdings bewertete offenbar Eyüp Akman eine Bemerkung der Bezirksbürgermeisterin als Provokation. Jedenfalls brach es aus ihm heraus, als Schwolen-Flümann die Gründung der BIG-Partei als "größte Kapitulation der Integrationsarbeit in Bonn" bezeichnete und die Frage in den Raum warf, ob sich die BIG-Gründer nicht vielleicht besser in die existierenden deutschen Parteien eingebracht hätten: Er finde es "makaber", entgegnete Akman, dass ausgerechnet eine Vertreterin der CDU diese Frage stelle, denn immerhin verhindere diese Volkspartei die doppelte Staatsbürgerschaft und behindere damit die politische Partizipation von Ausländern.

"Wenn die etablierten Parteien nichts lernen, werden noch mehr BIG-Parteien entstehen", so Akman. Und überhaupt: Er sei es "satt, dass eine große Mehrheit in Deutschland Integration so definiert, dass sich die Minderheit in bestehende Strukturen einzuführen hat", sagte Akman, der zuvor mit Überzeugung von seiner bewussten Entscheidung berichtet hatte, als Moslem seine Kinder in eine katholische Grundschule zu schicken. Denn dort wisse er, dass Werte und die Achtung vor Gott gelehrt werden. Für sein kurzzeitiges Aufbrausen gegenüber der Bezirksbürgermeisterin hatte er kurz darauf um Nachsicht gebeten. (fa)