Vandalismus in Mehlem

Gefahr im Geisterhaus

BONN-MEHLEM. Vandalismus gibt es in Mehlem nicht nur auf dem Gelände der alten Domhofschule, wo unbekannte Täter vergangene Woche für massive Schäden gesorgt haben. In einem ehemaligen Gästehaus, das laut Nachbarn zur chinesischen Botschaft gehörte, tummeln sich seit Jahren nur noch ungebetene Gäste.

Eine Anwohnerin berichtete dem GA, dass immer wieder Jugendliche in das Gebäude an der Straße "An der Nesselburg" einsteigen, das versteckt hinter großen Bäumen am Mehlemer Bach liegt, nur wenige hundert Meter von der Domhofschule entfernt.

Vor dem Haus muss man schon genau hinsehen, um festzustellen, dass die Tür einen Spalt offensteht. Die Kette, die das Tor zur Straße an einem Pfeiler hält, wirkt neu. Die Wände des Gebäudes sind mit Graffiti besprüht, im Obergeschoss hat jemand ein zerschlagenes Fenster mit einer Bettdecke gestopft. Seit etwa zwölf Jahren steht das Haus inzwischen leer, sagt die Anwohnerin, die sich immer mehr Sorgen um die Sicherheit macht. Im seitlichen Zaun klafft eine große Lücke, in der Fassade fehlen acht Glasbausteine.

Der Zugang scheint so kinderleicht zu sein, dass er auch abenteuerlustige Kinder anlockt. "Vorgestern habe ich gesehen, wie Acht- bis Neunjährige da reingegangen sind. Sie standen im ersten Stock im Zimmer. Das ist ziemlich gefährlich", sagt die Anwohnerin, die immer wieder die Polizei informiert.

Sie hat auch schon gesehen, wie jemand im Haus Feuer gemacht hat. Offenbar handelt es sich um wechselnde Gruppen, die in das leerstehende Gästehaus einsteigen. "Letztens waren Mädchen dabei, die aufs Dach geklettert sind", erzählt die Frau. Als eine Luke brach und klirrend ins Haus fiel, machten sich die Jugendlichen offenbar unbeschadet an den Abstieg.

Unklar ist, wer aktuell Eigentümer der Immobilie und damit für die Sicherheit verantwortlich ist. Im Telefonbuch ist unter der Adresse eine "China Performing Arts Agency" angegeben, aber der Telefonanschluss ist tot. Auf eine GA-Anfrage an die Pressestelle der chinesischen Botschaft in Berlin gibt es noch keine Antwort.

Die Stadt Bonn hat laut Presseamt bisher noch keine Beschwerden oder Hinweise auf Jugendliche im Gebäude "An der Nesselburg" erhalten. Zuständig für den Zustand eines Gebäudes sei der Eigentümer. "Wenn aber von einem Gebäude eine Gefahr ausgeht, kann das Bauordnungsamt im Rahmen der Gefahrenabwehr eingreifen", sagte Markus Schmitz vom Presseamt der Stadt.

In Sachen Domhofschule gibt es noch nichts Neues. "Der genaue Umfang der Schäden und die Kosten werden zurzeit ermittelt und danach das weitere Vorgehen festgelegt", so Schmitz. Die zerstörten Fenster im kleineren der beiden Schulgebäude sind inzwischen komplett mit Spanplatten verschlossen, der Bauzaun steht. Im größeren Gebäude sind noch manche Fenster heile.

Generell ist für die Sicherung leerstehender städtischer Gebäude das Städtische Gebäudemanagement zuständig, das laut Presseamt "in Abwägung der Situation" bauliche Maßnahmen treffe und gegebenenfalls einen Wachschutz beauftrage. "Die baulichen Maßnahmen können dabei von Abschließen über Aufstellung einer einfachen Einzäunung bis Zumauern sämtlicher Öffnungen reichen."

Die Stadt Bonn berichtete auf Nachfrage, dass es im Bereich Domhofschule in diesem Jahr bisher 37 Einsätze des Stadtordnungsdienstes gab. Mehrere Anwohner hatten sich über Lärm auf dem Schulhof beschwert. Die leerstehende Schule ist inzwischen ein Routinekontrollpunkt beim Streifendienst der Stadt.

"An verschiedenen Abenden wurde die Örtlichkeit auch zusammen mit der Polizei kontrolliert, es wurden Personalien festgestellt und auch Platzverweise für den Bereich der Schule ausgesprochen", so das Presseamt. Wie berichtet, sieht Klaus Merkes, Pfarrer der Heiland-Kirchengemeinde, auch Handlungsbedarf in sozialer Hinsicht. Laut Stadt gab es "in der jüngeren Vergangenheit" keinen konkreten Einsatz von Streetworkern in Mehlem, sie seien dort jedoch "anlassbezogen" einsetzbar.