Ehemalige Türkische Botschaft

Gebäude und Grundstück sind zu haben

MEHLEM. 13 Jahre nach dem Umzug der türkischen Diplomaten von der Utestraße nach Berlin blicken die Anwohner noch immer täglich auf Beton und Stacheldraht. Jetzt wird verstärkt nach einem Käufer gesucht.

Kein schöner Anblick. Die ehemalige türkische Botschaft - 1970 feierlich eingeweiht - gehört zu den letzten knapp 20 ehemaligen diplomatischen Vertretungen im Stadtbezirk Bad Godesberg, für die noch keine Nachnutzung gefunden wurde.

Nachdem es immer mal wieder Verkaufsbestrebungen der Türkei gegeben hat, ist aktuell wieder einmal ein kleiner Silberstreif am diplomatischen Himmel zu erkennen. Unter anderem per Zeitungsannonce sucht die Türkei via Generalkonsulat in Hürth - "provisionsfrei" - einen Käufer: "Das Botschaftsgebäude/Botschaftsgelände, Utestraße 47, im Eigentum der Republik Türkei, wird per Ausschreibungsverfahren zum Verkauf angeboten.

Auf einem laut Grundbucheintrag 4689 Quadratmeter großen Grundstück befindet sich ein, einschließlich des Kellers, vierstöckiges (Konsulats-) Bürogebäude mit 2262 Quadratmetern Nutzfläche, das Residenzgebäude, welches 2050 Quadratmeter Nutzfläche aufweist und ebenfalls einschließlich des Kellers vierstöckig gestaltet ist sowie ein Nebengebäude mit 254 Quadratmetern", heißt es in der Anzeige, die vor einigen Tagen im GA erschien.

Seit 1964 baute die Türkei auf dem 5000-Quadratmeter-Grundstück an ihrer ersten diplomatischen Vertretung nach dem Zweiten Weltkrieg, die Einweihung fand am 5. Juli 1970 statt. Architekt Vedat Öszan entwarf damals einen Komplex aus Kanzlei und Residenz. Beide Gebäude wurden durch einen Garten im Stile byzantinischer Palastgärten verbunden. Laut Rheinischem Amt für Denkmalpflege sollten da türkische Tradition und westliche Moderne in Einklang gebracht werden.

Deshalb zeigte sich die Behörde auch irritiert, als die Stadt im Sommer 2009 einen Abrissantrag, allerdings ohne konkreten Zeitpunkt, genehmigte. Hintergrund war damals eine Bauvoranfrage. Bereits vier Jahre zuvor wollte ein Investor 24 Einfamilienhäuser auf dem Botschaftsgelände bauen, die Verhandlungen verliefen jedoch im Sande. Fest steht bis heute, dass mit der ehemaligen türkischen Botschaft kein Denkmal verschwinden würde.

Denn die Stadt Bonn ist einem Antrag aus 2005, gestellt vom Rheinischen Amt für Denkmalpflege, bis heute nicht gefolgt. Dieser Antrag sah vor, Kanzlei und Residenz als "gebautes Dokument der alten Bundesrepublik" in die Denkmalliste einzutragen. Berühmt waren die Kupfertüren am Portal der Residenz. Auf ihnen war der Friedensvertrag zwischen den Hethitern und Ägyptern aus dem Jahre 1259 vor Christus eingraviert. Die Türen wurden allerdings längst in die Berliner Botschaft überführt.

In der Hauptstadt wurde vergangenes Jahr der Grundstein für die neue türkische Botschaft gelegt. Noch in diesem Jahr soll der 30-Millionen-Bau fertig werden. Er ist einer der letzten ganz großen Botschaftsneubauten in Berlin. Mehr als 20 Jahre werden dann vergangen sein seit dem Beschluss der türkischen Regierung, mit der Botschaft auf das historische Grundstück des früheren osmanischen Reiches im Diplomatenviertel des Tiergartens zurückzukehren. Bei dem Botschaftsneubau handelt es sich laut Berliner Tagesspiegel "um das weltweit größte ausländische Bauprojekt der türkischen Republik."