GA-Serie Godesberger Schulen

Gebäude der Otto-Kühne-Schule soll zur Bildung beitragen

Der 1920 abgebrannte Turm ist auf diesem Foto von 1903 gut zu erkennen.

Der 1920 abgebrannte Turm ist auf diesem Foto von 1903 gut zu erkennen.

Bad Godesberg. Der Architekt der Otto-Kühne-Schule hat das Gebäude mit ganz präzisen Zielen entworfen. Der einstig hohe Turm fiel dem Brand 1920 zum Opfer.

1883 gründete Pfarrer Julius Axenfeld das Evangelische Pädagogium in Godesberg. In das markante Gebäude an der Ubierstraße zog das „Päda“, heute Otto-Kühne-Schule, aber erst 1901 ein. Nachdem das Baugesuch 1899 eingereicht wurde, feierten Schüler und Lehrer vom 1. bis 3. August 1901 Schulweihe. Architekt Friedrich Schutte (1870-1946) hatte kein Detail dem Zufall überlassen. Schutte stammte aus einer angesehenen Architektenfamilie aus Barmen (Wuppertal) und spezialisierte sich auf die Bedürfnisse von Schulen. Auch die Internatshäuser und die Schulheime in der Dependance der Schule in Herchen an der Sieg stammten aus seiner Feder.

„Als Schularchitekt galt sein besonderes Interesse den reformpädagogischen Ansätzen der Landerziehungsheime“, hieß es in der Festschrift „100 Jahre Denkmal Päda“. Die Fassade reflektiert laut Schutte „die auf Ausbildung des Persönlichen gerichteten Bestrebungen“ des Pädagogiums. „Der Eindruck fröhlichen Ernstes, welches der Hintergrund jeder wahren Erziehung sein soll“, sollte so zum Ausdruck gebracht werden. Die Ästhetik des Gebäudes selber solle zur Bildung junger Menschen beitragen, schrieb Professor Günter Böhm in der Festschrift. Die Köpfe der beiden großen Reformatoren Luther und Melanchthon, die in Medaillenform die Fassade zieren, repräsentieren die evangelische Ausrichtung der Schule, die bei der Gründung im Kontrast zum katholischen Godesberg stand. Die „Eule der Wissenschaft“, so Schutte, und „Embleme der Physik und Chemie“ symbolisierten die Naturwissenschaften. Der 70 Meter hohe Astronomieturm wurde im Juli 1920 von einem Feuer zerstört und nicht wieder aufgebaut. Genau ein Jahr später, am 29. Juli 1921, wurde das reparierte Gebäude neu eingeweiht. Dem Brand zum Opfer fiel auch eine symbolträchtige Frauenstatue mit Bibel, Reichsschild und Sohn in den Armen.

Das Gebäude sei „der Inbegriff des klassischen Schulbaus der Jahrhundertwende mit vielen historischen Ausstattungsdetails“ und „eine steingewordene Verkörperung des Lutherliedes 'Eine feste Burg ist unser Gott'“, sagte Angelika Schyma vom Rheinischen Amt für Denkmalpflege. 1983, zum 100-jährigen Bestehen, wurde es in die Denkmalliste der Stadt Bonn eingetragen.

Den Zweiten Weltkrieg überstand die Schule mit einigen Blessuren durch Bomben- und Granateinschläge, die allesamt repariert wurden. Am 30. September 1961 wurde die Turnhalle eröffnet, 1974 folgte der Erweiterungsbaus, der bis heute als „Neubau“ bezeichnet wird. Schulleiter Willi Mirgartz ist heute für rund 800 Schüler verantwortlich. Zur Gründungszeit waren es 22, darunter zwölf Internatsschüler, die „Internen“.

Das Internat war bis zu seiner Schließung 2011 ein wichtiger Bestandteil sowohl der pädagogischen Erziehung als auch der architektonischen Landschaft um die eigentliche Schule: Typisch für „Pädagogien“ war die „Anordnung von mehreren locker zusammenhängenden Gebäuden, den sogenannten Familienhäusern, die sich auch um das Päda gruppieren“, so Schyma. Die ebenfalls unter Denkmalschutz stehenden ehemaligen Internatshäuser auf der gegenüberliegenden Seite der Ubierstraße werden derzeit zu Mietwohnungen umgebaut (der GA berichtete).

Die Serie: Der General-Anzeiger beschäftigt sich in den nächsten Tagen mit der Geschichte der Schulen in Bad Godesberg und stellt sie in loser Folge vor. In der nächsten Folge geht es um das Amos-Comenius-Gymnasium.