Siebter Spross in der Familie Mokhtar

Gaucks Patenkind heißt Moufida

Die neunköpfige Familie nahm im Alten Rathaus gemeinsam die Urkunde von Bürgermeister Helmut Joisten entgegen (hinten rechts).

06.02.2013 RÜNGSDORF. Moufida gluckst laut, strampelt mit den Beinen, rotiert mit den Armen und mustert ihr Gegenüber gleich darauf aufmerksam mit ihren großen Kulleraugen. Der vier Monate alte Säugling ist der jüngste Spross von Soumayajaidi und Hamadi Mokhtar aus Lannesdorf mit tunesischen Wurzeln. Und seit kurzem auch ein Patenkind von Bundespräsident Joachim Gauck. Bürgermeister Helmut Joisten überreichte der Familie die Urkunde über die Ehrenpatenschaft.

Für Mutter Soumayajaidi war das eine Überraschung. "Wir haben einen Brief bekommen, dass Moufida Patenkind werden könnte - wenn wir wollen", erklärt die 33-Jährige. Zuerst recherchierte sie mit ihrer Freundin und Nachbarin Mariam im Internet, was diese Patenschaft bedeutet. Anschließend beantragte die Familie die Patenschaft. Die 500 Euro, die es zusätzlich zur Urkunde gibt, liegen jetzt auf Moufidas Sparbuch.

"Wir sind Muslime, aber nicht so streng gläubig, wie es vielleicht den Anschein hat", versichert die Frau. Zwar geht sie nur mit Schleier aus dem Haus, aber darunter trägt sie Jeans und Bluse. "Wenn ich mit Frauen spreche und merke, dass wegen dem Schleier Berührungsängste da sind, nehme ich ihn auch ab", sagt Soumayajaidi Mokhtar. Das gehe aber nur, wenn keine Männer in der Nähe seien. Für den Schleier entschied sich die Frau ganz allein, betont sie. In Tunesien arbeitete sie als ausgebildete Schauspielerin. Irgendwann habe sie sich zum Glauben bekannt und damit begonnen, ihr Haar zu verhüllen: "Das hat nichts mit meinem Mann zu tun."

Grundsätzlich würden die Eltern darauf achten, dass ihre Kinder sowohl den muslimischen Glauben kennenlernen, aber auch die westliche Lebensweise schätzen. Sie haben wie der Vater, der sein Geld als Olivenholzhändler verdient, die deutsche Staatsbürgerschaft. "Meine Kinder sind Muslime, aber wir erziehen sie so, dass sie offen gegenüber allen Kulturen und Religionen sind", sagt Soumayajaidi Mokhtar. "Der Islam wird oft falsch verstanden." Deswegen würden die Eltern auch besonderen Wert darauf legen, dass ihre Kinder Moufida, Fatima (3), Kadija (8), Abdel (8), Mohammed (6), Abduchamn (2) und Achmed (5) Deutsch lernen und eine gute Schulbildung bekommen.

Soumayajaidi Mokhtar selbst spricht leidlich Deutsch und besucht "leider noch unregelmäßig" einen Sprachkurs. Durch die Kinder fehle ihr oft die Zeit, und mit zum Sprachkurs möchte sie die Kleinen ungern nehmen. Der Lerneffekt sei dann nicht so hoch. Aber sobald die Kinderbetreuung gesichert sei, gehe sie regelmäßig zum Kurs, versichert Soumayajaidi Mokhtar. Dass die Familie einmal zurück nach Tunesien zieht, bezweifelt sie: "Wir leben hier sicher, fühlen uns wohl und haben unsere Freunde hier."

Ehrenpatenschaft:
Für Familien mit mindestens sieben Kindern übernimmt der Bundespräsident für das siebte Kind die Ehrenpatenschaft. Bedingung dafür ist, dass der Nachwuchs die deutsche Staatsbürgerschaft hat. Sie hat einen symbolischen Charakter, denn " mit der Übernahme der Ehrenpatenschaft soll die besondere fürsorgende Verpflichtung des Staates für kinderreiche Familien zum Ausdruck" gebracht werden. Neben der Urkunde erhalten die Eltern einmalig einen Betrag in Höhe von derzeit 500 Euro. (Ariane Fries)