VHS-Rundgang

Fronten in der Ami-Siedlung bleiben verhärtet

Eigenwerbung an einer denkmalgeschützten Fassade: Schon daran entzündete sich bei dem Rundgang eine Diskussion. FOTO: THOMAS KÖLSCH

Eigenwerbung an einer denkmalgeschützten Fassade: Schon daran entzündete sich bei dem Rundgang eine Diskussion.

Plittersdorf. Am Wochenende hatte nun die Volkshochschule zusammen mit dem Bund Deutscher Architekten (BDA) zu einem Rundgang mit anschließender Diskussion eingeladen und dabei versucht, Verständnis für die Position des jeweils anderen zu wecken.

Sonderlich beliebt ist die Vereinigte Bonner Wohnungsbau AG (Vebowag) in der amerikanischen Siedlung in Plittersdorf, deren Haupteigentümer sie ist, schon seit Längerem nicht. Denn die Überlegungen des Immobilienunternehmens, die vorhandenen Grünflächen im Rahmen einer Nachverdichtung zu bebauen und so von der Stadt dringend benötigten Wohnraum zu schaffen, stoßen bei den Anwohnern seit ihrem Bekanntwerden vor eineinhalb Jahren auf massiven Widerstand.

Am Wochenende hatte nun die Volkshochschule zusammen mit dem Bund Deutscher Architekten (BDA) zu einem Rundgang mit anschließender Diskussion eingeladen und dabei versucht, Verständnis für die Position des jeweils anderen zu wecken.

Ein leichtes Unterfangen war dies nicht. Schon am Treffpunkt sorgte ein großes Plakat für Missmut, auf dem die Vebowag für das Leben in der amerikanischen Siedlung wirbt. "Das hängt an einem denkmalgeschützten Haus", ärgerte sich der ehemalige Journalist Don Jordan.

"Da wird mit zweierlei Maß gemessen"

"Das würde mich jetzt normalerweise nicht so aufregen, die Werbung kann ich gut verstehen - aber die Vebowag achtet sonst so penibel darauf, dass alle sich an die Auflagen halten und macht dann so was." Einmal habe sie sich bei einem Anwohner beschwert, weil seine Markise die falsche Farbe gehabt habe. Dann könne die Vebowag nicht gleichzeitig hingehen und so ein Plakat anbringen. "Da wird mit zweierlei Maß gemessen."

Eine Aussage, die alle Anwesenden hätten unterschreiben können. Die meisten von ihnen leben in der Siedlung - ein Vertreter der Vebowag fehlte dagegen, sodass es Moderator Michael Lobeck oblag, den mitunter vehement geäußerten Kommentaren zu begegnen. Der Geograf und Stadtentwickler bemühte sich, die Sicht der Vebowag zu erläutern und zusammen mit der Geschäftsführerin des BDA Bonn-Rhein-Sieg, Yola Thormann, die Möglichkeiten und Grenzen einer Nachverdichtung aufzuzeigen.

Diese sei zwar mit einer Entscheidung des Stadtrats vom September 2014 offiziell vom Tisch, jedoch müsse die Verwaltung laut Baugesetzbuch immer im Einzelfall abwägen, was genehmigt werden dürfe. Klar sei, dass der sogenannte Ensembleschutz für die Siedlung bestehe. "Aber nehmen Sie nur mal diese Blumenkübel hier am Straßenrand", sagte Lobeck. "Die sind auch erst nachträglich installiert worden. Das ist rechtlich möglich."

Knifflige Situation

Auch das Schicksal des leer stehenden Kindergartens wurde während des Rundgangs - eigentlich nicht mehr als eine Runde um den Block - aufgegriffen. Eine Sanierung sei laut Vebowag unwirtschaftlich, ein Neubau aus denkmalschutzrechtlichen Gründen nicht zulässig - eine knifflige Situation.

"Aus unserer Sicht kann es da aber zu einem Kompromiss kommen, wenn ein Neubau sich architektonisch gut in die Siedlung einpassen würde", erklärte Rolf Fischer, der der Bürgerinitiative "Rettet die Amerikanische Siedlung Plittersdorf" vorsteht. Doch eine Lösung muss an anderer Stelle gefunden werden.

Immerhin: Spätestens in einem abschließenden Gespräch in der Stimson Memorial Chapel wurde klar, dass die Situation in der Siedlung nicht losgelöst betrachtet werden kann. "Was ist wichtiger, der Naturschutz am Messdorfer Feld oder der Denkmalschutz hier vor Ort?", fragte Lobeck. Das Problem leuchtete den meisten Anwesenden ein, führte dann aber zu einer nur bedingt zielführenden Diskussion über die Zukunft der Stadt an sich.