Prävention in der Schule

Frühwarnsystem gegen Extremismus

Vertragsunterzeichnung für das Projekt zur Prävention von Radikalisierung: vl. Michael Kiefer, Andrea Frings, Julia Kainar, Lisa Kiefer.

Vertragsunterzeichnung für das Projekt zur Prävention von Radikalisierung: vl. Michael Kiefer, Andrea Frings, Julia Kainar, Lisa Kiefer.

Bad Godesberg. Die Elisabeth-Selbert-Gesamtschule in Bad Godesberg ist eine von bundesweit sechs Schulen, die an einem Pilotprojekt teilnehmen. Am Dienstag unterschrieben Vertreter der Schule und Projektverantwortliche einen Vertrag.

Eine seltsame Äußerung im Schulunterricht kann in manchen Fällen das erste Anzeichen einer beginnenden Radikalisierung sein. Viele Lehrer und Eltern stehen einem solchen Problem dann häufig machtlos gegenüber. Doch das Pilotprojekt „Clearingverfahren und Case Management – Prävention von gewaltbereitem Neosalafismus und Rechtsextremismus“ von der Bundeszentrale für politische Bildung und der „Aktion Gemeinwesen und Beratung“ verspricht Abhilfe: In dem siebenstufigen Verfahren soll Pädagogen das richtige Werkzeug an die Hand gegeben werden, um radikales Denken im Keim ersticken zu können. Bundesweit nehmen sechs Schulen an dem Vorhaben teil, darunter die Elisabeth-Selbert-Gesamtschule in Bad Godesberg. Am Dienstag gaben Lehrer und Projektverantwortliche mit der Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung den offiziellen Startschuss für das Modellprojekt.

„Ich freue mich auf die Zusammenarbeit“, sagte Schulleiterin Andrea Frings bei der Unterzeichnung. „Es soll hier ein Konzept entstehen, das auch auf andere Schulen anwendbar ist.“ Mithilfe von Projekttagen, Unterrichtseinheiten und dauerhaften Ansprechpartnern vor Ort sollen Lehrer und Schüler in puncto Extremismus sensibilisiert werden. Bei individuellen Fällen soll darüber hinaus das extra für diesen Zweck entwickelte Clearingverfahren angewandt werden, das vom Auslöser über die Intervention bis zu weiterführenden Maßnahmen führt.

Julia Kain ist die Verantwortliche des Projekts an der Godesberger Gesamtschule. Sie hat dort seit Mai ein Büro und dient als Ansprechpartnerin für die Lehrkräfte. „Einmal kam ein Vater auf einen unserer Lehrer zu, weil er befürchtete, dass sein Sohn sich im Internet radikalisieren würde“, so Kain. „Risikogruppe sind vor allem die 14- bis 20-Jährigen.“

Auf die Schule gehen rund 1200 Kinder. 50 Prozent der Schüler haben einen Migrationshintergrund, 400 sind Muslime. „Es geht hierbei aber nicht nur darum, Salafismus zu bekämpfen“, betont Frings. „Sondern um alle Arten von inhumanem Denken und Gewaltbereitschaft, zum Beispiel Rechtsextremismus.“ Die Gesamtschule engagiert sich an vielen Stellen für ein buntes Zusammenleben – neben interkulturellen Arbeitskreisen findet jeden Monat auch ein „Café der Begegnung“ statt.