Neuer Alarmpegel

Frühwarnsystem für Mehlemer Bach

Mehlem. Seit einigen Wochen schon testet die Stadt die Pilotmessstelle für einen neuen Alarmpegel am Mehlemer Bach. Mit ihm soll früher vor Hochwasser gewarnt werden. Sie kombiniert Sensor- mit Videotechnik.

Mit den Starkregengüssen der vergangenen Jahre haben viele Bürger in Bad Godesberg und Wachtberg einen unfairen, da schwer einschätzbaren Gegner vorgesetzt bekommen. Diese Situation treibt vor allem Bonns Tiefbauamtschef Peter Esch um. „Der Abfluss ist nicht beherrschbar, durch nichts. Wir wollten trotzdem nicht tatenlos sein“, sagte Esch am Donnerstag bei einem Pressetermin an der Brücke an der Bachemer Straße über den Mehlemer Bach. Dort stellte er mit seinen Mitarbeitern Hans-Jürgen Hauser und Barbara Frielingsdorf sein neues technisches Baby vor: den Alarmpegel. Mit ihm soll nach einer Testphase die Bevölkerung früher vor Hochwasser gewarnt werden.

Wie an einem langen Arm hängt der Sensor über dem Bach, die Kamera ist hoch oben an Solarpanels angebracht. „Die Sonde misst per Radar den Wasserstand, und die Kamera liefert pro Stunde ein Bild an den Verkehrsrechner der Stadt“, erklärte Esch.

Steigt der Pegel, wird das Intervall dichter bis hin zu einer permanenten Videoübertragung. Der Rechner wiederum liefert die Aufnahmen direkt zur Feuerwehr, die dann entscheiden kann, ob sie Sirenenalarm auslöst oder nicht. „Bislang war eine Erkundung durch die Feuerwehr oder die Rufbereitschaft des Tiefbauamts wegen der Kürze der Zeit schwierig“, wies der Amtsleiter auf einen Vorteil des Alarmpegels hin.

„Wir haben das System gemeinsam mit zwei Fachfirmen etwa drei Monate lang entwickelt“, sagte Tiefbauamtsmitarbeiter Hans-Jürgen Hauser. Möglicher Kritik am Probestandort begegnet Esch offensiv. Denn eigentlich scheint der Durchlass an der Bachemer Straße ungeeignet, sind es von dort doch nur zwei Minuten, bis mögliches Hochwasser das Mehlemer Zentrum erreicht. „Zum einen gab es eine gute Datenlage für das Frühwarnsystem, zum anderen ist hier die Einlaufstelle für den neuen Entlastungskanal“, erklärte Esch. Und dieser müsste sowieso mit Video überwacht werden. Künftig soll an dieser Stelle der Bach gestaut werden, so dass im Falle eines Falles „nur“ noch 14.000 Liter durch den Bach Richtung Mehlem transportiert würden und 40.000 Liter durch den Entlastungskanal. Denn beim Starkregen 2010 waren laut Esch statt der üblichen 120 Liter in der Sekunde 54.000 Liter weitertransportiert worden.

Die Stadt will sich jedoch nicht allein auf die Pilotmessstelle verlassen. „Wir planen sieben weitere Alarmpegel am Mehlemer und am Godesberger Bach“, erklärte Esch. Und das auch auf Wachtberger Gebiet. „Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde ist sehr freundschaftlich“, so der Amtsleiter. Die beiden Bäche seien in den zurückliegenden Jahren besonders stark betroffen gewesen, aber: „Letztlich sollen alle Bachsysteme mit höherem Schadenspotenzial mit dieser Technik ausgestattet und damit auch lückenlos Tag und Nacht überwacht werden“, kündigte die Stadt an.

Den besseren Schutz der Bürger lässt sich die Verwaltung einiges kosten. 18.000 Euro waren für den Prototypen fällig. Für die sieben weiteren muss deshalb nun eine Ausschreibung her. „Bis zur Starkregensaison 2017, die ab Mai/Juni beginnt, werden sie wohl noch nicht stehen“, prognostizierte Esch. Aber trotz aller Technik könnte es noch eine Weile dauern, bis alle Rädchen richtig ineinander greifen. „Gerade der Beginn des Projektes wird davon geprägt sein, dass Erfahrungen für die Kalibrierung des Systems gesammelt werden.“ Und dafür, so die Krux, ist Starkregen durchaus hilfreich.