Botschaft in Mehlem

Frühere jugoslawische Botschaft wird verkauft

Mehlem. Für die ehemalige jugoslawische Vertretung in der Schloßallee in Mehlem wird ein Käufer gesucht. Die Botschaft hat eine wechselhafte Geschichte hinter sich.

Die nächste Runde im Botschaftsmonopoly wird in der Schloßallee ausgetragen. In Mehlem kommt nun die ehemalige Vertretung von Jugoslawien auf den Markt. Wer sie kaufen will, muss erst einmal wissen, dass der L-förmige Bau stark sanierungsbedürftig ist, und mindestens 2,775 Millionen Euro in der Tasche haben.

Für weniger will Engel & Völkers Commercial Bonn die seit 1999 leerstehende Immobilie nicht verkaufen. Den Auftrag dazu hat das Maklerunternehmen von den Nachfolgestaaten der ehemaligen sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien erhalten. Das Anwesen aus Stahlbeton liegt einen Steinwurf vom Rhein entfernt und verfügt über eine Gesamtnutzfläche von 1565 Quadratmetern plus weitere 667 im Keller. Das Grundstück mit 14 Stellplätzen ist 5441 Quadratmeter groß. Dass heute dort jede Menge getan werden muss, liegt laut Vladimir Krauss, Immobilienberater bei Engel & Völkers, am langen Leerstand „und die zeitweise ungeklärten Eigentumsverhältnisse“. Der neue Eigentümer muss sich also entscheiden, ob die Herrichtung des Baus aus den 70er Jahren noch sinnvoll ist oder eher ein Abriss: „Wie das Beispiel der türkischen Botschaft in unmittelbarer Nachbarschaft gezeigt hat, ist auch hier eine Wohnprojektentwicklung am wahrscheinlichsten und sinnvollsten“, meint Krauss. Rund um den Standort ist in den vergangenen Jahrzehnten einiges geschehen:

1. April 1951: Die Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien kommt mit diplomatischer Vertretung in die Bundesrepublik und zieht an verschiedene Standorte in Bonn. Ab 1954 ist Sitz der SFRJ das ehemalige Hotel Villa Friede (damals Schloßstraße 1, heute Schloßallee). Dessen Status verändert sich zur Schutzmachtvertretung, weil die Bundesrepublik von Oktober 1957 bis Januar 1968 die diplomatischen Beziehungen zu Jugoslawien unterbricht.

29. November 1962: Es ist jugoslawischer Nationalfeiertag, als 26 Angehörige kroatischer Emigrantenorganisationen wie der Kreuzer-Bruderschaft einen Überfall und Sprengstoffanschlag auf die jugoslawische Vertretung verüben. Der Hausmeister wird erschossen, die Villa Friede durch Brandstiftung beschädigt und verwüstet. Über den Anschlag berichtet die Neue Deutsche Wochenschau in ihrer Ausgabe vom 7. Dezember 1962. Die jugoslawische Regierung protestiert und verlangt Schadensersatz. Mit Folgen: Im März 1963 wird die Bruderschaft verboten. Ein Jahr später werden einige der Täter in Bonn verurteilt.

Mitte der 70er Jahre: Die jugoslawische Regierung plant den zweigeschossigen Neubau einer Botschaftskanzlei nebenan. Der wird 1978 fertig. Das alte Botschaftsgebäude wird abgerissen.

November 1985: Milan Dragovic, neuer Botschafter Jugoslawiens in Bonn, gibt anlässlich des Nationalfeiertages in seiner Mehlemer Residenz einen Empfang, bei dem landeseigener Wein ausgeschenkt wird. Die Gäste kommen aus Diplomatie, Politik und Wirtschaft. Die Glückwünsche der Bundesregierung überbringt Jürgen Möllemann, damals Staatsminister im Außenministerium.

März 1989: 150 Albaner, darunter auch Kinder in Tracht, protestieren für die „Republik Kosovo“ und damit gegen die Angliederung an Serbien. Vor der Botschaft entrollen sie rote Banner. Eine Friedensdemo unter dem Motto „Für sofortigen Frieden, Selbstbestimmung und Minderheitenrechte in Jugoslawien“ findet am 7. Dezember vor der Schloßallee statt

April 1992: Nach Auflösung der SFRJ übernimmt die aus Serbien und Montenegro neugebildete Bundesrepublik Jugoslawien die Kanzlei.

Sommer 1998: Das harmonische Bild der Schloßallee mit ihren herrschaftlichen Villen sowie den Ein- und Mehrfamilienhäusern wird wochenlang durch lange Menschenschlangen vor der jugoslawischen Botschaft gestört. Schon früh morgens warten Antragsteller geduldig auf Einlass, um ein Visum für die Einreise nach Jugoslawien zu beantragen. Da immer nur kleine Gruppen Zutritt erhalten, bilden sich lange Schlangen. Die Menschen aus ganz NRW, manchmal bis zu 60, trotzen oft bis in den Nachmittag hinein Wind und Wetter. Nachbarn beklagen sich. Der Leiter der jugoslawischen Konsularabteilung sagt, dass man aus Sicherheitsgründen nur kleine Gruppen hineinlassen könne. Bei den Besuchern handele es sich vor allem um Türken, die ein Visum für die Durchreise in ihr Heimatland brauchten.

26. März 1999: Jugoslawien bricht die diplomatischen Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland ab. Als sie wieder aufgenommen werden, wird die Schloßallee zur Außenstelle der jugoslawischen Botschaft in Berlin. Sie schließt schon bald, Leerstand kehrt ein, und so bleibt es bis heute.