Auftakt "Politisches Quartett"

Forum Bad Godesberg diskutiert über Probleme des Bildungssystems

Auf dem Podium: Bernhard Bueb, Wolfgang Clement, Yvonne Gebauer und Bernhard Kempen (v.l.).

Auf dem Podium: Bernhard Bueb, Wolfgang Clement, Yvonne Gebauer und Bernhard Kempen (v.l.).

Bad Godesberg. Im Bildungssystem läuft noch lang nicht alles rund: Lehrer- und Geldmangel, der Übergang von der Schule in den Beruf läuft selten komplett reibungslos. Diese Probleme waren Thema beim ersten "Politischen Quartett" in Bad Godesberg.

Zum Auftakt des „Politischen Quartetts“ begrüßt der ehemalige Bundesminister und NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement NRW-Bildungsministerin Yvonne Gebauer (FDP), Bernhard Bueb, ehemaliger Leiter von Schloss Salem, Professor Bernhard Kempen, Präsident des Deutschen Hochschulverbands.

Irgendwas im Bildungssystem läuft schief: Das Geld reicht hinten und vorne nicht, es gibt viel zu wenig Lehrer, beim Übergang von Schule zu Beruf knirscht es, und vielen Abgängern fehlt es im ersten Semester an Grundwissen. Mit diesen Problemen beschäftigte sich am Montagabend das erste „Politisches Quartett“ des Forums Bad Godesberg im Gemeindezentrum von Sankt Marien – launig und fachlich versiert moderiert vom ehemaligen Bundesminister und NRW-Ministerpräsidenten Wolfgang Clement.

Die festgelegte Obergrenze von 99 Gästen erlebte in zwei Stunden eine in die Tiefe gehende Diskussion. Auf dem Podium saßen NRW-Bildungsministerin Yvonne Gebauer (FDP), Bernhard Bueb, ehemaliger Leiter von Schloss Salem, einem Internat unweit des Bodensees, sowie Professor Bernhard Kempen, Präsident des Deutschen Hochschulverbands.

Durch fehlende Lehrer entstehe vor allem an den Grundschulen eine Lücke, „wo eigentlich das Fundament gelegt wird“, sagte Gebauer, die Lesen, Rechnen und Schreiben bei den Jüngsten wieder in den Vordergrund rücken will. Eine neue Lehrerwerbekampagne richte sich an Pädagogen mit Oberstufenqualifikation, die für zwei Jahre an die Grundschule sollen – mit der Garantie, danach an einer weiterführenden Schule zu unterrichten.

Es habe sich bislang aber kaum jemand gemeldet. Wobei Clement anmerkte, dass die bestbezahlten Lehrer halt nicht am Anfang eines Schullebens der Kinder eingesetzt würden. Bezahlung und Arbeitszeiten zogen sich als roter Faden durch Fragerunden, an denen unter anderem Vertreter von Bonner Schulen teilnahmen.

„Wenn der Schulleiter nichts taugt, sind die Lehrer hilflos“, sagte Bueb. Es sei wichtig, die Kollegen vor Einführung neuer Strukturen erst fortzubilden. Bei der Gesamtschule etwa sei das damals versäumt worden. Bueb forderte einen flächendeckenden Ganztagsbetrieb wie in Frankreich, bei dem die Lehrer bereit sein müssten, als Erzieher zu arbeiten. „Wir müssen die Kinder aus defizitären Elternhäusern rausbringen.“

Mit ihrem Familienbild liege die katholische Kirche falsch. Pfarrer Wolfgang Picken merkte allerdings an, dass die Familie mit ihren Werten trotzdem wichtig sei. Dem schloss sich Kempen an, denn es sei von der Schule bis hin zur Wirtschaft nur noch von Kompetenzen die Rede. Im Übrigen kenne er viele Leute, aus denen etwas geworden sei, obwohl sie nur vormittags Unterricht hatten.

Thema war auch die Umsetzung der 2008 in Kraft getretenen UN-Behindertenrechtskonvention. Da sei vieles zu schnell gegangen, so ein Tenor der Diskussion über Inklusion. „Tiefe statt Tempo“, forderte Gebauer und will nun Fachpersonal an Schwerpunktschulen bündeln. Sonja Velten berichtete von der Arbeit im Sonja-Kill-Inklusionskindergarten in Plittersdorf.

Laut Gebauer ist noch viel zu tun. Es gelte, die Talente der Kinder zu entdecken. Ihr Fazit: „Jeder muss einen Abschluss haben, aber nicht jeder studieren.“

Info: www.forum-godesberg.de