Situation von Zuwanderern in Ausbildung

Fortschritte und Hürden bei der Integration

Bad Godesberg. Der runde Tisch Flüchtlingshilfe Bad Godesberg setzt auf verbesserte Kooperation zwischen den Institutionen.

Der runde Tisch Flüchtlingshilfe Bad Godesberg hat sich bei seinem jüngsten Treffen mit der Lage in den Integrationskursen und der Situation von Zuwanderern in Ausbildung befasst. "Uns ist dabei aufgefallen, dass die tatsächlichen Zahlen oft weit besser sind als in der Öffentlichkeit der Eindruck erweckt wird", erklärt Pfarrer Wolfgang Picken, Gründer und Moderator des runden Tischs.

 Gleichzeitig mussten die Akteure feststellen, dass es zugleich Hürden gibt, die dem Engagement der Migranten im Weg stünden. So sei der häufigste Grund für den Abbruch von Integrationskursen eine fehlende Kinderbetreuung, wie Aneta Göbel von interKultur e.V. berichtete.

Kinderbetreuung würde vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) unzureichend finanziert, worunter vor allem Frauen zu leiden hätten. Bei Einwanderern in Ausbildung, die oft Probleme mit der Schriftsprache haben, erschwere das Ausbildungsgesetz eine effiziente Unterstützung, indem es etwa eine Freistellung des Azubis für passende Nachhilfeangebote verbietet.

"So wird gutwilligen Arbeitgebern und leistungsbereiten Geflüchteten das Leben an vielen Stellen unnötig schwer gemacht", fasst Pfarrer Picken den Eindruck zusammen. 

Bei vielen Themen gebe es jedoch Bewegung in die richtige Richtung. So hätten bisher manche Asylbewerber tendenziell zu früh eine Ausbildung aufgenommen, weil sie von Abschiebung bedroht waren und unbedingt eine Ausbildungsduldung erlangen wollten.

"Entsprechend groß waren ihre Probleme in der Berufsschule", erläutert Katja Brender von der Awo. "Hier hat es sehr geholfen, dass seit kurzem eine Einstiegsqualifikation zur Vorbereitung auf eine Ausbildung ausreicht, um nicht abgeschoben zu werden. Das hat vielen den Druck genommen."

Ein weiteres positives Beispiel wusste Hannah Huser vom Kölner Flüchtlingsrat zu berichten: Bei manchen Betroffenen konnte es demnach passieren, dass sie mit Beginn der Ausbildung keine Unterstützung mehr vom Sozialamt erhielten - und stattdessen auf einmal Miete für die Unterkünfte zahlen mussten, was vom Ausbildungsgehalt kaum möglich war.

Gemeinsam mit dem Amt für Soziales und Wohnen wurde deswegen ein Leitfaden für die Anwendung der Härtefallklausel erarbeitet.

 "Solche kreativen und pragmatischen Lösungen brauchen wir noch in viel mehr Bereichen", fordert Picken.

"Wir dürfen die Geflüchteten, die sich einbringen wollen, nicht unnötig vor Wände laufen lassen, sondern wir müssen ihr Potential heben. Schon jetzt profitieren wir in vielen Bereichen sehr davon! Das sollten wir in Diskussionen um die Flüchtlingspolitik insgesamt stärker hervorheben, auch wenn sich die Diskussion nicht im Feilschen um das Kosten-Nutzen-Verhältnis erschöpfen darf", mahnte der Pfarrer von Bad Godesberg. (ga)