Benefiz-Konzert

Feinarbeit an Brahms' Requiem

Im Pfarrzentrum St. Severin erhält das Requiem bei den Proben mit Daniel Kirchmann (l.) derzeit den letzten Schliff.

Im Pfarrzentrum St. Severin erhält das Requiem bei den Proben mit Daniel Kirchmann (l.) derzeit den letzten Schliff.

Mehlem. Die Proben für das Benefiz-Konzert der Bürgerstiftung Rheinviertel gehen in die Schlussphase.

Die Türen des Pfarrzentrums St. Severin zum Garten sind weit geöffnet. So kommen die Anwohner schon vorzeitig in den Genuss der betörenden Chorpartien von Johannes Brahms' "Deutschem Requiem".

Drinnen herrscht eine konzentrierte, aber gelöste Probenatmosphäre. Die gut 100 Sängerinnen und Sänger des Vokalensembles Rheinviertel sitzen im Halbkreis um den musikalischen Leiter Daniel Kirchmann. Seit Oktober vergangenen Jahres laufen die Proben an Brahms' anspruchsvollem Werk. Jetzt geht es auf die Zielgerade.

Seit Kirchmann (32) das Vokalensemble 2013 übernommen hat, hat er es zu einem stattlichen Oratorienchor weiterentwickelt. Jedes Jahr wird ein großes Werk eingeübt und mit professionellem Orchester und Solisten aufgeführt.

Viele der Sänger sind in anderen Chören aktiv, etwa im Bach-Chor, im Uni-Chor oder in umliegenden Kirchenchören. "Rund 80 Prozent der Gruppe sind über die Jahre gleichgeblieben", schätzt Kirchmann. Chorleiter und Ensemble arbeiten routiniert zusammen.

Das erlaubt es, große Projekte wie 2015 die Matthäus-Passion von Bach in Angriff zu nehmen. Brahms' Requiem stand schon lange auf Kirchmanns Wunschliste. "Es ist ein grandioses Stück und gehört einfach zum Repertoire eines Dirigenten".

Das Werk stellt hohe Anforderungen an die Beteiligten. "Der Chor hat permanent zu singen", so Kirchmann. "Er bekommt kaum eine Pause." Dazu brauche es einige Kondition. Hinzu komme die harmonische und melodische Vielschichtigkeit des Stücks, die den Sängern viel abverlange. "Das sind anderthalb Stunden auf höchstem Niveau", sagt Kirchmann, der nicht zu Übertreibungen neigt.

In der Schlussphase der Proben geht es vorrangig um Detailarbeit. Kirchmann setzt Prioritäten, betont die Wichtigkeit einzelner Noten und Phrasen. "Er hat ein gutes Gehör", sagt Chormitglied Rebekka Rittmann (39). Sie ist im Alltag Sachbearbeiterin bei der "Aktion Mensch". "Aber er überprobt nicht."

Oft fallen Ausdrücke wie "Glanz" oder "Leuchten". "Das E braucht noch einen Goldrand", fordert der Chorleiter einmal. Das Material haben die Sänger sich erarbeitet, nun geht es um Schliff und Politur. Kirchmann formuliert es so: "Das Grundgerüst steht, jetzt können wir uns über die Farbe der Tapeten unterhalten."

Die Vorfreude ist den Ensemblemitgliedern anzumerken. Philipp Conze-Roos (49) ist in der Entwicklungszusammenarbeit tätig. Er ist vor anderthalb Jahren aus Ruanda nach Bonn gekommen. Sein erstes Konzert nach einer längeren Pause kann er kaum erwarten. "Danach bin ich eine halbe Stunde lang nicht ansprechbar", sagt er, so stark sei das Hochgefühl nach einer Aufführung.

Auch der persönliche Bezug zu Brahms' Werk wird im Gespräch spürbar. Die meisten hier sind alt genug, um schon Verluste im Leben erfahren zu haben. "Das Thema Requiem geht den Leuten zu Herzen", sagt IT-Beraterin Cornelia Lingemann (50). Für Brahms stand aber der tröstende Zuspruch im Vordergrund, nicht die Trauer, so Kirchmann. "Es ist ein Requiem für die Lebenden als Trost."

Manche Gesangseinsätze sind in den Proben noch zögerlich. Aber wenn der Chor sich findet und die Summe plötzlich mehr wird als die einzelnen Teile, ist die Kraft dieser musikalischen Ermutigung bereits greifbar.