150 Jahre Sankt Marien

Feierliches Hochamt mit Kardinal Meisner

BAD GODESBERG. Sie ist Mittelpunkt der katholischen Kirche in Bad Godesberg und zudem das größte Gotteshaus des Stadtbezirks - die 150 Jahre alte Marienkirche an der Burgstraße. Am 1. Oktober 1860 erfolgte die Grundsteinlegung. Zwei Jahre später fand dort der erste Gottesdienst statt. Am Samstagabend nahm Kölns Erzbischof Joachim Kardinal Meisner an einem vom Kirchenchor der Gemeinde, Solisten und Musikern des Bonner Beethovenorchesters gestalteten Festgottesdienst teil.

Aus der städtischen Geschichtsschreibung geht hervor, dass das Gebiet der früheren Pfarr- und Kirchengemeinde St. Marien, im Wesentlichen die Ortsteile Alt-Godesberg und Schweinheim, zuvor zu St. Andreas in Rüngsdorf gehörte. "Dies änderte sich am 6. Mai 1804, als aufgrund eines bischöflichen Dekrets der Priester Karl Paul Anton Dreesen als Pfarrer der neugegründeten Kirchengemeinde Alt-Godesberg in sein Amt eingeführt wurde", heißt es in der jetzt erschienenen Chronik.

Als Pfarrkirche wurde zunächst das Gotteshaus des wenige Monate zuvor aufgehobenen Klosters - und heutigen Gutes - Marienforst genutzt. Ein Jahr später wurde das Gotteshaus Marienforst aufgegeben, die kleine Michaelskapelle unterhalb der Godesburg zur Pfarrkirche bestimmt. 15 Jahre später zählte die Pfarrei 900 Mitglieder. Der beschwerliche Aufstieg zum Godesberg und die viel zu kleine Michaelskapelle sowie der Hinweis des damaligen Pfarrers Wilhelm Balthasar Schmill im Jahr 1828, "es ist zu beklagen, dass die, die draußen stehen, nicht selten während des Gottesdienstes von Unfug getrieben sind", führte dazu, sich mit dem Bau einer neuen Kirche zu beschäftigen.

Der energische Pfarrer Theodor Minartz, der ab 1857 in Godesberg tätig war, reichte mit dem Hinweis auf 1571 Gemeindemitglieder 1858 in Köln einen von Vincenz Statz, dem späteren Diözesanbaumeister, vorbereiteten Bauplan ein. Die Baukosten sollten 18 000 Taler betragen. Das für den Bau erforderliche Grundstück war als Schenkung in Aussicht gestellt worden. Die Finanzierung - ohne Beteiligung von Bistum und Staat - ausschließlich durch Mittel der Kirchen- und der Zivilgemeinde schien gesichert. Zur Grundsteinlegung hatte die Ehefrau des Architekten eine Muttergottes-Figur gestiftet, die noch heute im Turmuntergeschoss der Kirche steht.

Während der Bauphase drohten die Kosten zu explodieren, weshalb Pfarrer Minartz sich 1862 mit dem Zusatzhinweis der weiter gestiegenen Gemeindemitgliederzahl und der drohenden Winter-Witterung, der damit ausfallenden Gottesdienste wegen Glatteis und nicht erreichbarem Burgberg eine Sonderkollekte genehmigen ließ.

"Ob die erbetene Sonderkollekte oder andere Geldquellen für den Weiterbau ursächlich waren", konnten die Chronisten nicht herausfinden. Auf jeden Fall fand am 4. Oktober 1862 eine erste stille Messe in der neuen Pfarrkirche statt. Der erste öffentliche Gottesdienst fand am folgenden Tag, dem Kirmessonntag, statt. Der Fußboden war noch nicht verlegt, die Fensteröffnungen waren größtenteils noch mit Leinwand verhängt. Lediglich der Hauptaltar, eine Stiftung, war aufgestellt. Kommunionbank und Seitenaltäre fehlten noch.

Beichtstuhl, Kanzel und Bänke waren Provisorien, zum Teil stammten sie aus der Michaelskapelle und machten, so der damalige Zeitungsberichterstatter, "in ihrer Styl- und Geschmacklosigkeit einen durchaus störenden Eindruck." Auch der Turm war erst bis zur Höhe des Dachs des Kirchenschiffs gediehen. Neun Monate später, am 12. Juni 1863, erfolgte die feierliche Weihe durch den Kölner Weihbischof Johann Anton Friedrich Baudri. Auch da war die Marienkirche noch nicht komplett ausgestattet.

1877/78 konnte aufgrund eines großzügigen Legats der Turmhelm aufgesetzt werden. Nach und nach konnten auch die fehlenden Einrichtungsgegenstände beschafft werden. Schnell reichte der Platz nicht mehr. Eine Kirchenerweiterung um ein gewaltiges Querhaus, das das Volumen der Kirche verdoppelte, wurde 1895 realisiert. In dieser äußeren Form präsentiert sich St. Marien bis heute.

Der Nachfolger von Pfarrer Minartz, Dr. Hermann Josef Winter (von 1870 bis 1929 in Godesberg als Priester tätig), vollendete die Einrichtung und Ausstattung der neugotischen Kirche. Den Zweiten Weltkrieg überstand die Marienkirche ohne nennenswerte Schäden. In den 60er Jahren erfolgte, bedingt durch die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils, eine umfassende Umgestaltung. Die Orgel stammt von 1941, wurde 1991 umfangreich renoviert. Die heutigen Glocken hängen seit 62 Jahren im Kirchenturm. Die vorherigen wurden während der Weltkriege eingezogen.

Schon der Bürgermeister wurde hier getauft
Der Kardinal ging in der Festmesse am Samstag auf die wechselvolle Geschichte des Staates und der Kirche in den vergangenen 150 Jahren ein, verwies darauf, "dass das Kirchenkreuz immer steht, während die Welt sich dreht". Als großartiges Erbe bezeichnete Kardinal Meisner die Tatsache, dass in der Marienkirche seit 150 Jahren an jeweils 365 Tagen das Gotteslob gefeiert wurde und auch weiterhin wird. Viele katholische Seelsorger aus Bad Godesberg beteiligten sich an dem Pontifikalamt. Regen Anteil nahmen auch Katholiken aus der ganzen Stadt. Bürgermeister Horst Naaß, der in der Marienkirche vor 70 Jahren getauft worden war, und Bezirksbürgermeisterin Annette Schwolen-Flümann, die mit den Kindergarten-Kindern das Kerzenopfer der Bezirksvertretung zum Altar trug, gehörten zu den Gästen.