Bürgerstiftung Rheinviertel

Feier zum zehnjährigen Bestehen mit 250 Gästen auf dem Petersberg

Kuratorium, Vorstand und Schirmherr der Bürgerstiftung Rheinviertel mit Spiritus Rector Wolfgang Picken (4. v. r.) vor Beginn des Balls in der Rotunde des Grandhotels Petersberg. FOTO: RONALD FRIESE

Kuratorium, Vorstand und Schirmherr der Bürgerstiftung Rheinviertel mit Spiritus Rector Wolfgang Picken (4. v. r.) vor Beginn des Balls in der Rotunde des Grandhotels Petersberg.

31.05.2015 BAD GODESBERG/KÖNIGSWINTER. Trotz Herbert Grönemeyer in der Rheinaue und dem DFB-Pokalfinale im Fernsehen versammelten sich am Samstagabend im Steigenberger Grandhotel auf dem Petersberg 250 Gäste, um mit einem Ball das zehnjährige Bestehen der Bürgerstiftung Rheinviertel zu feiern.

Durch den Abend führte ZDF-Chefredakteur Peter Frey. Die Pausen zwischen den Gängen des Abendessens nutze er, um im Interview mit Mitarbeitern der Stiftung ihre aktuelle Arbeit, ihre Historie und ihre Zukunft genauer zu beleuchten. Für die richtige Stimmung sorgten die Band "Bube Dame Swing" und der aus dem Rheinviertel stammende DJ Jean-Philippe Goyard. Der Erlös des Abends beträgt übrigens 65 000 Euro.

Seit jeher finanziert sich die Stiftung vollständig aus Spenden. Jedes Jahr sei eine Summe von 450 000 Euro aufzubringen, weiß Gründer Dechant Wolfgang Picken. Das sei "sehr schwer", weil sich dieser Betrag aus vielen kleinen Beiträgen zusammensetze. "Wir sind wirklich auf jeden Cent angewiesen, aber was mindestens genauso viel wert ist, ist das Engagement der Leute", sagte er. Momentan beteiligten sich etwa 1000 Ehrenamtliche und das mache den Charme der Stiftung aus: "Das sind Bürger, die mit ihren Fähigkeiten etwas auf die Beine stellen. Darauf kommt es an."

"Die Bürgerstiftung ist ein Vorbild, nicht nur für Bonn, sondern auch darüber hinaus, weil sie die Bürger organisiert, zusammenbringt, ihre Energien bündelt und dabei etwas tut, was jedem einleuchtet", erklärte Udo di Fabio, Vorsitzender des Kuratoriums, den Erfolg der Stiftung. Auch Moderator Frey zeigte sich begeistert. "Was mich sehr beeindruckt hat, ist, dass man sich mit Themen beschäftigt, die nicht ganz leichtgängig sind, dem Umgang mit Pflegebedürftigen, mit Sterbenden und auch die Frage ?Was geschieht eigentlich mit unseren Toten?? anspricht. Ich finde, hier wird wirklich vorbildliche und exemplarische Arbeit geleistet", lobte er die Stiftung.

Auf Freys Frage nach dem Ursprung der Stiftung antwortet di Fabio: "Der Urknall heißt Wolfgang Picken." Der Dechant sei hier die treibende Kraft. Als er vor zehn Jahren aus Köln ins Rheinviertel kam, haben ihn laut eigener Aussage "wirtschaftliche Schwierigkeiten" in den Kirchengemeinden und eine brachliegende soziale Struktur motiviert, die Bürgerstiftung ins Leben zu rufen. Der erste Schritt war es, zwei Kindergärten zu sanieren und zu übernehmen, einen Jugendreferenten einzustellen und für die beiden Altersheime je eine halbe Hospizschwesternstelle zu organisieren. "Das war ein Plan für fünf Jahre und den haben wir schon nach dem ersten Jahr fertiggehabt und so ist diese Stiftung dann wirklich explodiert. Das ist ein schöner Beweis dafür, was passieren kann, wenn Bürger ihre Sachen selbst in die Hand nehmen", berichtete Picken.

In Zukunft wolle die Stiftung ihre Arbeit weiter stabilisieren. Langfristig wolle man ihre Arbeit durch den Zusammenschluss der Kirchengemeinden vom Rheinviertel auf ganz Godesberg ausweiten. Geplant sei bereits, eine zweite Palliativschwester einzustellen, die Patienten außerhalb des Rheinviertels zu Hause beim Sterben begleitet, so Picken.

Zur Feier des Tages präsentierte die Stiftung einen neuen Imagefilm, der ihre Projekte vorstellte. Dazu gehören neben dem Palliativdienst und den drei Kindergärten ein Familienzentrum, Jugendarbeit, eine Akademie zur Fortbildung von Mitarbeitern der Kindertagesstätten, Altenpflege und Hospizarbeit, ein Buchpatenprojekt, das Mausoleum von Carstanjen und mehrere Klöster. Betont wurde der Wortanteil "Bürger" in "Bürgerstiftung". Obwohl sie von einem katholischen Pfarrer gegründet wurde, steht sie unter dem Motto "Die Gabe zu geben" Bürgern aller Konfessionen und Glaubensrichtungen offen. (Katharina Weber)