Autoschnellfähre Godesberg - Niederdollendorf

Fährfahrt ins Ungewisse

Die Dollendorfer Fähre während der Überfahrt.

BAD GODESBERG. Die Übernahme der Autoschnellfähre zwischen Bad Godesberg und Niederdollendorf durch die Stadtwerke Bonn (SWB) schien eigentlich beschlossene Sache. Ein halbes Jahr nach dem positiven SWB-Aufsichtsratsbeschluss ist es um das Projekt jedoch wieder auffallend ruhig geworden.

In den berühmten "trockenen Tüchern" ist es nach Informationen des General-Anzeigers keineswegs. Während alle beteiligten Seiten weiterhin prüfen, inwieweit sich das Geschäft für sie auch rechnen würde, hakt die Fraktion des Bürger Bundes nach. Sie möchte im Finanzausschuss des Rates am 27. Juni wissen, für welchen Zeitpunkt die Übernahme des durch die Stadtwerke denn nun geplant ist.

Im Blick haben die Kommunalpolitiker dabei auch die Frage, unter welchen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen die Stadt Königswinter aus der Beteiligung an der Fährgesellschaft herausgelöst werden soll. An dem 1908 gegründeten Fährunternehmen sind die Stadt Bonn mit 75 Prozent und die Stadt Königswinter zu 25 Prozent beteiligt.

Zwischenzeitlich hatte es geheißen, die Stadt Königswinter solle ihre Beteiligung an die Stadt Bonn verkaufen, welche dann im Wege eines "Inhouse-Geschäfts" eine Übernahme durch die SWB ohne europaweite Ausschreibung einleiten könne. Auch der Pensionsfonds - kalkulatorische Kosten in Höhe von 1,2 Millionen Euro - könnte vergleichsweise unproblematisch auf das kommunale Unternehmen übertragen werden, so hatten die Befürworter der Übernahme argumentiert.

Die Stadtwerke stünden weiterhin zu ihrem Angebot und warteten nun auf das entscheidende Votum der beiden Fähr-Gesellschafter, sagte am Montag eine SWB-Sprecherin auf Anfrage. Die Stadtverwaltung möchte das Thema am 27. Juni im nichtöffentlichen Teil behandelt sehen. Die Initiative zur Privatisierung der Fähre war seinerzeit von der schwarz-grünen Mehrheit im Bonner Stadtrat ausgegangen.

Auslöser war der Sanierungsstau an den Fährschiffen "Konrad Adenauer" und "Sankt Christophorus II" gewesen. Konsens besteht in der Kommunalpolitik jedenfalls hinsichtlich der hohen Bedeutung der Fähre als Verkehrsweg für zahlreiche Pendler der Region.

Im Geschäftsjahr 2009 etwa wurde die Fähre von insgesamt 629 665 Personen benutzt, darunter 86.880 Schüler und Auszubildende. Die Beibehaltung einer bestimmten Kernzeit für den Fährbetrieb der Tarife dürften somit ganz besonders auch den Fahrgästen auf den Nägeln brennen.