GSI-Sommerakademie

Europa auf den Punkt bringen

GSI-Sommerakademie

Erik Bettermann (l.), Ex-Intendant der Deutschen Welle, begrüßt die 60 Teilnehmer der Sommerakademie im Stresemann-Institut.

BAD GODESBERG. "Europa quo vadis?" betitelte Erik Bettermann, ehemaliger Intendant der Deutschen Welle, seinen Einführungsvortrag in die XXV. Europäische Sommerakademie des Gustav-Stresemann-Instituts, zu der sich am Freitag 60 junge Menschen aus 17 europäischen Nationen einfanden.

"Eine wahrlich besondere Gruppe", nannte sie Bettermann, weil "knapp die Hälfte von Ihnen in den Jahren des europäischen Umbruchs - von der Berliner Maueröffnung bis zur Neubildung der neuen Staaten in Mittel-, Ost- und Südeuropa - geboren wurde. Die vier Grundfreiheiten der Union: freier Waren- und Dienstleistungsverkehr, freier Personen- und Kapitalverkehr, gemeinsame Währung, gemeinsamer Frieden seit knapp 70 Jahren! Nichts ist - wie für Sie als junge Europäer - selbstverständlich", so Bettermann.

Eine Woche lang beleuchten und durchleuchten die Teilnehmer gemeinsam Europa. Das dichte und vielseitige Programm umfasst geschichtliche Rückblicke, den Status quo und die Erweiterungsperspektiven der Union. In Vorträgen, Diskussionen, Planspielen und Arbeitsgruppen werden nicht nur Wirtschafts-, Währungs- und Finanzfragen, sondern ebenfalls aktuelle Politikfelder wie die Erfolge der europäischen Rechtsparteien, der Umgang Europas mit seinem Osten, die Flüchtlings- und Migrationspolitik der EU wie auch die separatistischen Bestrebungen in Katalonien und Schottland aufgegriffen.

Eine dreitägige Exkursion nach Straßburg soll Einblicke in die Arbeit der europäischen Institutionen vor Ort ermöglichen, indessen ein Tagesausflug nach Verdun der gemeinsamen europäischen Erinnerung an Krieg und Versöhnung dienen soll.

Die Teilnehmer sind ausgesprochen aufgeschlossen - in ihrer überwiegenden Mehrheit Studenten. Die Freude an der Begegnung und dem Gedankenaustausch ist offensichtlich. Sie nehmen alle zum ersten Mal an dieser Sommerakademie teil. Gekommen sind sie, "weil hier das Wissen über Europa auf den Punkt gebracht wird", wie Jelena Bozovic aus Montenegro es ausdrückt. Auf die Frage "Europa quo vadis?", die auch das Abschlusspanel am 6. September beschäftigt, haben sie eine Antwort. Sie erhoffen sich Stabilität, Vielfalt, Mobilitätsmöglichkeiten, Sicherheit, das Zusammenwirken der europäischen Nationen und, Olena Snidalova aus der Ukraine, "Frieden". Der Konflikt in der Ukraine wird ein allgegenwärtiges Thema sein, versichert Institutsleiter Jan Ulrich Clauss.

Gegründet wurde die Europäische Sommerakademie 1990, dem Jahr der deutschen Einheit, getreu dem Gedanken des Namensgebers des Instituts, Gustav Stresemann, der 1926 für seine Bemühungen um die gesamteuropäische Verständigung mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Seitdem nahmen mehr als 1 700 junge Leute aus 40 Nationen an ihr teil. Zahlreiche gegenwärtige bedeutende Politiker und Diplomaten, wie der finnische Ministerpräsident Alexander Stubb, der zweimalige tschechische Außenminister Jan Kohout oder der österreichische EU-Botschafter Walter Grahammer sind ehemalige Teilnehmer der Akademie.