"Kultur verbindet"

Erste türkische Elternschule Bonns

Einblicke in das komplizierte deutsche Schulsystem eröffnen sich für die Väter und Mütter der ersten türkischsprachigen Elternschule jeden Samstag bei ihren Treffen im Haus der Familie.

PLITTERSDORF. Der Verein "Kultur verbindet" kooperiert mit dem Rotary Club Rheinbogen. Immer samstags kommen mit Dozentin Bahar Akcayer beim Kooperationspartner HdF drei türkische Väter, neun türkische Mütter sowie zwei Deutsche zusammen, um über die Herausforderungen und Aufgaben des Elternseins zu diskutieren.

Ismail Durmus ist an diesem Samstagmorgen im Haus der Familie (HdF) alle seine drängenden Fragen zum deutschen Schulsystem losgeworden. "Da gibt es neue Gesetze, die Folgen für uns haben. Jetzt verstehe ich das", erzählte der Vater dreier Kinder glücklich.

Neben ihm saß Nevrut Arikan. Und berichtete, dass in türkischen Schulen der Lehrer noch eine Autoritätsperson sei und den Eltern deshalb kaum Gestaltungsmöglichkeiten zukämen. Jetzt habe sie gehört, dass sich Eltern an deutschen Einrichtungen mit engagieren sollen. "Das ist alles ganz neu für mich", sagte Arikan. Sie ist mit ihrer Familie erst ein Jahr hier und beherrscht die deutsche Sprache noch nicht gut genug, um sich bei Elternabenden einzubringen. "Ich bin also sehr froh, dass ich hier Türkisch reden kann, ohne mich schämen zu müssen."

Die beiden besuchen die vom Verein "Kultur verbindet" gegründete erste türkischsprachige Elternschule Bonns. Immer samstags kommen mit Dozentin Bahar Akcayer beim Kooperationspartner HdF drei türkische Väter, neun türkische Mütter sowie zwei Deutsche zusammen, um über die Herausforderungen und Aufgaben des Elternseins zu diskutieren. Jeweils zum Abschluss jedes Seminarblocks werden die Erziehungserfahrungen interkulturell ausgetauscht.

"Wir haben heute erzählt, wie wir Deutschen bei Konflikten im Verhältnis zu Lehrern umgehen", berichtete Felix Wunderer vom Vorstand des Rotary Clubs Rheinbogen, der die Elternschule mitfinanziert. Sie habe den Türken in der Elternrunde berichtet, wie schwer es auch ihrer Familie gefallen sei, sprachlich im Ausland zurechtzukommen, fügte Vorstandsmitglied Uta Mische hinzu. "Da fühlt man sich zuerst verloren, bevor man das Gefühl, fremd zu sein, verliert. Ich verstehe sie also sehr gut."

"Wir sind glücklich, dass unser Wunsch, durch Elternarbeit unsere Arbeit mit den Kindern aus zugewanderten Familien zu unterstützen, nun Wirklichkeit wird", freute sich Arzu Çetinkaya als Vorsitzende von "Kultur verbindet". Der Verein hat schon mit dem interkulturellen Projekt "Meine erste Bibliothek" an drei Bonner Grundschulen Aufsehen erregt.

Club packt selbst mit an

Und mit der Aussendung von deutschen Kulturpaten wie Agnes Volhard in Migrationsfamilien wie die von Ismail Durmus, der jetzt auch die Elternschule besucht. Seine älteste Tochter habe durch den Einsatz "der Agnes" gerade den Sprung aufs Gymnasium geschafft, erzählte der stolze Vater.

Die Rotary-Vorsitzende Kerstin Jung-Walpert ergänzte, dass ihr Club hier bewusst nicht nur Geld in ein Vorzeigeprojekt hineinsteckt, sondern auch selbst mit anpackt. Etwa dadurch, dass man Frauen wie Nimet Aktas Gehör verschafft. Sie habe einen zehnjährigen Sohn und wolle lernen, für ihn die richtigen Entscheidungen zu fällen, sagte Aktas. "Und ich kenne bisher keine Stelle, wo ich alle meine Fragen loswerden kann."

Kontakt: www.kulturverbindet-bonn.de