Stadtspaziergang durch Alt Godesberg

Erinnerungen an alte Residenzen und den freien Blick zum Rhein

Schwan'sches Haus

Die Gruppe des Stadtspaziergangs macht Station am Schwan'schen Haus an der Elisabethstraße.

Bad Godesberg. Der Bad Godesberger Bahnhof ist sowohl Treffpunkt als auch Einstieg in den Stadtspaziergang Alt Godesberg. Es ist allerdings der zweite Bahnhof aus dem Jahr 1908, erfährt die Gruppe. Ein erstes Bahnhofsgebäude wurde 1855 dort errichtet, wo heute das Hansa Haus steht.

Daraus ergibt sich der Name Alte Bahnhofstraße: Sie mündete am damaligen Bahnhof. Den Zusatz "Alte" erhielt sie jedoch erst 1969, als Godesberg eingemeindet wurde und den Namen "Bahnhofstraße" an Bonn abtreten musste.

Gekommen sind ein Dutzend Godesberg-Liebhaber, die meisten von ihnen Zugezogene. Einige sind bereits eifrige Mitgänger von Rainer Selmann, Historiker und seit zehn Jahren Berufsspaziergänger, der mit ruhiger Begeisterung, kurzweilig und anekdotenreich durch die Godesberger Straßen und Plätze führt.

Bis zum Ende des 18., Beginn des 19. Jahrhunderts führte Godesberg ein kaum erwähnenswertes Dasein. Doch dann, im Bestreben, ein von Köln aus leicht erreichbares Kurbad zu erschließen, beauftragte Kurfürst Max Franz 1890 Professor Ferdinand Wurzer, die Heilwirkung der Godesberger Draitschquelle zu beurteilen - mit positivem Ergebnis.

So wurde der Grundstein für das Godesberg gelegt, das rund um den heutigen Kurpark entstand und von dem noch einige Gebäude zeugen. 1792 wurde das Herzstück, die Redoute, als Casino und Ballsaal gebaut. Das prächtige Rokokogitter zur Straße Am Kurpark stammt aus Köln, wo es dem Bau des Hauptbahnhofes weichen musste.

Gleich daneben und kurz danach entstand ein Theater, das heutige Haus an der Redoute, und im Anschluss die Logierhäuser für die Kurgäste. 60 000 jährlich sollen es in der Hochblühte als "Curort" gewesen sein.

Südlich der Logierhäuser, aber auch entlang der Straße Am Kurpark standen die großbürgerlichen Residenzen betuchter Bürger, die ihre Familien zur Sommerfrische nach Godesberg schickten. "Hochterrassenhäuser", nennt sie Selmann. "Man erkennt sie an den großzügigen Terrassen im ersten Stock, die auf den heutigen Park schauen, der damals noch ein baumloser Garten war. Man konnte bis auf den Rhein blicken", ergänzt er und zeigt Fotos aus jener Zeit.

Den Erhalt der Logierhäuser, die heute das Rathaus beherbergen, verdankt Godesberg dem Bau der Stadthalle in den 60er Jahren.

Da bereits damals die Baukosten nicht selten außer Kontrolle gerieten, blieb nach Fertigstellung der Stadthalle nicht genug Geld übrig für den geplanten Abriss der Logierhäuser und den Bau eines dazumal "modernen Betonklotzes" als Rathaus, führt Selmann sichtlich beglückt aus.

Zwar blieb Godesberg dank der Weitsicht einiger kluger Männer, die seine kampflose Übergabe aushandelten, im Zweiten Weltkrieg weitestgehend verschont, doch wurde es nicht minder Opfer des mangelnden architektonischen Geschmacks der 60er und 70er Jahre, in denen die "Altstadt(weg)sanierung", wie Selmann sie nennt, wütete.

Das Ergebnis ist ein augenfälliges Nebeneinander von gefälligen Überbleibseln und fantasielosen Zweckbauten. Trotz des Wissensdurstes: Nach drei Stunden wollen die Füße nicht mehr. Die Gruppe löst sich in allgemeiner Vorfreude auf den nächsten Spaziergang auf.

Mehr über die Stadtspaziergänge gibt es unter www.kultnews.de.