83. Todestag von Ännchen Schumacher

Erinnerungen an Godesbergs Superwirtin

Bad Godesberg. Zum 83. Todestag haben die Sportschützen Ännchen und die stellvertretende Bezirksbürgermeisterin Hillevi Burmester der Wirtin Ännchen Schumacher gedacht. Wann das Lokal wiedereröffnet, ist noch unklar.

Die Lindenwirtin hätte sich wohl gefreut, dass die Ännchen-Schützen auch dieses Jahr an ihrem Todestage wieder die Ehre erweisen – bei eisiger Kälte und trotzdem ohne Hast. Die Sportschützen Ännchen und die stellvertretende Bezirksbürgermeisterin Hillevi Burmester haben auf dem Burgfriedhof nun Blumen und einen Kranz aufs Grab gestellt. Begeistert von Ännchen Schumacher ist auch ein Nachbar des Traditionslokals, der daheim einige Schätzchen gesammelt hat. Derweil ist es bei der Renovierung des Gasthauses ein wenig vorwärts gegangen, ein genauer Eröffnungstermin wird aber nicht mehr genannt.

Sechs Sportschützen erinnerten sich am Montagmorgen an viele Begebenheiten, als hätten sie selbst noch in der stadtbekannten Wirtschaft gezecht: Ännchen sei bis ins hohe Alter eine attraktive Frau gewesen, meinte Schützenpräsident Manfred von Negelein. „Sie war beliebt und respektiert. Eine Autorität. Wir sind stolz, dass unser Verein ihren Namen trägt und wollen ihn auch in Ehren halten.“ Solche Leute bräuchte man heute noch. Ännchen sei ein richtiges Original gewesen. Ihre Art wussten vor allem die Studenten zu schätzen, die sich sogar von Bonn aus zu Fuß zum Bier aufmachten und nachher feuchtfröhlich wieder heimtorkelten.

Das Lokal von Ännchen Schumacher sei das gewesen, „was man wohl heute einen Eventort nennt“, sagte Burmester. Es habe Godesberg weit reichend einen guten Ruf verschafft. „Wir können froh sein, dass die Stadt Bad Godesberg es noch rechtzeitig hinbekommen hat, die Wirtin zur Ehrenbürgerin zu ernennen.“ Das war 1925. Sie und die Pianistin Elly Ney sind die einzigen Frauen in der langen Liste der Bonner Ehrenbürger. Heute sei es übrigens richtig, den Vornamen mit dem Umlaut „Ä“ zu schreiben, sagte Vereinsvorsitzende Brigitte Schmidt. Die Schreibweise mit „Ae“ wie etwa bei den Straßennamen sei altdeutsch und damit auch kein Fehler.

Italienisch-internationale Küche

Was die Neueröffnung des Lokals – übrigens ein Nachbau aus den 70er Jahren fast an alter Stelle – angeht, wünscht sich Negelein, „dass noch etwas von der alten Stimmung bleibt“. Er sei da aber nicht so zuversichtlich. „Eigentlich ist das Ännchen eine gutbürgerliche Gaststätte“, merkte Schmidt an.

Der serbische Eigentümer Khaled Hamed will künftig in seinem Restaurant „à la Aennchen“ italienisch-internationale Küche anbieten. Nun muss der Eröffnungstermin am Aennchenplatz 2 erneut verschoben werden: Laut Malermeister Gregor Cramer, der mit dem Umbau beauftragt wurde, ist die Designerin aus persönlichen Gründen aus dem Projekt ausgeschieden. Investor Hamed, der zurzeit auch bei anderen Projekten sehr eingespannt sei, suche einen neuen Innendesigner. „Küche, Geräte und Theke sind alle da und müssen nur noch eingebaut werden“, sagt Cramer. In den vergangenen Wochen sei auf der Rückseite das Dach repariert worden, die Fenster seien fertig. An der Fassade fehlten der letzte Anstrich und auch noch die Schrift.

Den Umbaufortschritt kann Karl-Heinz Pfennigsberg aus seiner Wohnung gegenüber beobachten. Er war gerade ein paar Jahre alt, als die Lindenwirtin starb. Er fühlt sich als Ur-Godesberger auch heute noch sehr verbunden mit ihr. Für ihn ist Schumacher ein Aushängeschild des Stadtbezirks. In seiner Kellerbar hat er ihr eine besondere Ecke reserviert, in der Fotos, Zeitungsartikel und sogar ein altes blaues Straßenschild „Aennchen Platz“ hängen.

Die Sachen hat er sein Leben lang auf Flohmärkten und auf dem Sperrmüll gesammelt. Sein Sohn staubt auch heute noch hier und da eine alte Postkarte ab und reicht sie dann an den Vater weiter. Pfennigsbergs größter Stolz ist ein mehr als 100 Jahre alter Glasstiefel von seinem Vater, der original aus der Wirtschaft stammt. Aus dem hat früher schon so mancher Student getrunken. Sie kamen sicher gern dem aufgedruckten Spruch nach: „Ihr Männer macht das Armbein krumm, »horido« der große Stiefel geht um“.