Überflutungsschutz in Bad Godesberg

Entlastungskanal für Mehlemer Bach ist bald fertig

Mehlem. Die Arbeiten am "Bypass" Bachemer Straße gehen in die Endphase. Dieser soll Mehlem bei Starkregen vor Überflutungen schützen, indem die Wassermassen durch einen unterirdischen Kanal in den Rhein geleitet werden.

Man sollte sich nicht immer allein auf die Mathematik verlassen. Denn allein auf Rechnungen basierend, wäre der Einlauf des neuen Entlastungskanals in Mehlem nicht leistungsfähig genug gewesen. Bei extremem Starkregen hätte also doch ein Hochwasser gedroht. Mittlerweile nimmt die sogenannte Trompete die richtige Form an. Die Stadt hofft, dass die Arbeiten im Frühjahr abgeschlossen sind.

Der Bypass befindet sich an der Bachemer Straße. An der Stelle werden die Unwetterwassermassen aus dem Ländchen aufgeteilt. Denn der Mehlemer Bach soll nur so viel Kubikmeter Wasser abbekommen, dass er nicht mehr verheerend über die Ufer tritt – nämlich 14 Kubikmeter pro Sekunde. Der Rest fließt durch die Trompete unterirdisch direkt zum Rhein.

Auch wenn noch nicht alle Arbeiten abgeschlossen sind, funktioniert der Entlastungskanal schon, wie Tiefbauamtsleiter Peter Esch versichert – und zwar seit Monaten. Um aber dessen volle Kapazität von 50 Kubikmetern Wasser pro Sekunde zu erreichen, musste die Trompete umgebaut werden: Ihre Geometrie stimmte nicht. Zu dieser Erkenntnis kam die Stadt, wie berichtet, nach umfangreichen Modellversuchen im Wasserbaulabor der Technischen Hochschule Köln.

Wände des Kanals müssen viel aushalten

„Wir mussten im Galopp die Pferde wechseln“, erinnert sich Esch. Das bedeutete eine Umplanung, einen Zeitverzug und höhere Kosten. Doch er entschied sich dafür, „was sich vielleicht einmal als kluge Entscheidung erweisen wird“. Das koste geschätzt mindestens eine halbe Million Euro mehr, die im städtischen Haushalt allerdings zur Verfügung stünden. Der Amtsleiter merkt noch an, dass alles, was bei Sturzfluten in dem Entlastungskanal tatsächlich passiert, nicht errechenbar sei. „Das ist viel zu kompliziert“, meint er. Es könnten unzählige Verwirbelungen entstehen. Er versichert aber, dass die Wände des Kanals das alles aushielten.

Dessen Bau verlief nicht so glatt, wie es geplant war: Es gab zunächst erhebliche Komplikationen bei der Querung der Trasse der Deutschen Bahn (DB). Die kamen laut Esch dadurch zustande, dass die Stadt erst spät – während des Baus – Auflagen bekommen hatte. Man überlege, die entstandenen Mehrkosten dadurch bei der DB einzufordern.

Es folgte das nächste Problem: „Beim Vortrieb unterhalb des normalen Kanals Meckenheimer Straße wurden Findlinge hochgedrückt, die den Mischwasserkanal zerstört haben“, sagt Esch. „Der musste auf 40 Meter komplett erneuert werden“, was auch den Bau von zwei Schächten nötig gemacht habe. So blieb es also nicht bei den ursprünglich veranschlagten 8,5 Millionen Euro für das Großprojekt. Er schätzt, dass es mittlerweile mehr als zehn sind.

Brücke bekommt Glaswände und Stahlkonstruktion

Wachtberg und Bad Godesberg hatten kurz hintereinander – 2010, 2013 und 2016 – Starkregenereignisse zu überstehen. Diese hätten jedes für sich Jährlichkeiten von mindestens 100 Jahren, so Esch. „Es wäre also zu erwarten, dass es deutlich über 300 Jahre dauert, bis es dreimal zu Überflutungen solchen Ausmaßes kommt – gedauert hat es allerdings gerade einmal sieben Jahre“, sagt der Tiefbauamtsleiter.

Die Brücke der Bachemer Straße bekommt in den kommenden Wochen noch Glaswände und eine Stahlkonstruktion, damit im Katastrophenfall nicht doch noch das Wasser darüberschwappt und den Mehlemer Bach anschwellen lässt. Die Arbeiten sollen zum Beginn der Starkregensaison, die über den Daumen von April bis Oktober dauert und ihren Schwerpunkt im Juni hat, beendet sein.