Diskussionsreihe "Ich stelle mich"

Elke Heidenreichs große Liebe ist die Oper

Bad Godesberg. Ihr Bezug zu Bonn ist eng, denn hier verbrachte sie prägende Jahre als Pflegetochter in einem Pfarrhaus und machte ihr Abitur am Clara-Schumann-Gymnasium: Elke Heidenreich sprach am Donnerstagabend im Forum Bad Godesberg über ihre Jugend im Bonner Pfarrhaus, Bücher und Freundschaft.

Autorin – das genügt Elke Heidenreich. „Schriftstellerin ist so ein hochtrabender Begriff.“ Mit Hochtrabendem kann sie ohnehin nicht viel anfangen, ob im Radio oder Fernsehen, als Moderatorin, Literaturkritikerin oder Opern-Texterin. Am Donnerstagabend war die Wahlkölnerin zu Gast im Forum Bad Godesberg des katholischen Seelsorgebereichs und stellte sich den Fragen von GA-Chefredakteur Helge Matthiesen. Pünktlich zum 75. Geburtstag ist ihr Rheinreise-Buch „Alles fließt“ erschienen, und die Altersfrage läutete ein temporeiches, launiges Gespräch ein. „Es ist weder ein Verdienst, jung zu sein, noch eine Schande, alt zu sein“, findet Heidenreich.

Heidenreichs Eltern waren getrennt, die Verhältnisse schwierig. Deshalb zog sie mit 15 Jahren zum Pfarrer, der sie konfirmiert hatte, und seiner Frau, ihrer Lungenärztin. „Es war das klassische evangelische Pfarrhaus – kühl, es wurde viel diskutiert. Ich habe da viel Gutes gelernt, aber auch viel gefroren“, sagte die 75-Jährige rückblickend. Zugleich hat sie ein offenes Haus erlebt, bei dem immer ein Gedeck mehr aufgelegt wurde. „Jesus könnte kommen, da wollen wir doch nicht in die Küche rennen und Gläser holen“, pflegte der humorvolle Pfarrer zu sagen. Das hat sie ebenso übernommen wie die alphabetische Sortierung ihrer Bücher.

Das politische Bonn der Adenauer-Ära hat weniger Eindruck hinterlassen, auch wenn die Jugendliche 1959 unter den fähnchenschwenkenden Schülern war, die US-Präsident Dwight D. Eisenhower bei seinem ersten Staatsbesuch in der Bundesrepublik begrüßten. Dafür hat die Freundschaft zur Bonner Familie von Borries gehalten, in der sie „ein- und ausgehen konnte wie ein Kind“. Sie habe ein großes Talent zu Freundschaft, sagte Heidenreich. Schauspielerin Senta Berger etwa ist seit 50 Jahren an ihrer Seite.

Gott ist ihr trotz Pfarrhaus-Jugend weniger nahe. „Das Vertrauen, die Hände zu falten und zu beten, habe ich verloren. Aber es gibt eine Dankbarkeit nach oben, an etwas, das größer ist als wir.“ Die Sprache auf der Kanzel sei zu weichgespült und zu wenig gegenwärtig. Die Autorin wünscht sich klare Worte und mehr Mut.

Doch was wäre ein „Ich stelle mich“ mit Elke Heidenreich ohne Bücher? „Dr. Doolittle und seine Tiere“ von Hugh Lofting hat sie schon früh begeistert – der Arzt, der die Menschen leid ist und die Sprache der Tiere lernt. „Ich kann mit jedem Tier reden“, sagte Heidenreich. Eines hat ihr die Idee zu einem Bestseller eingeflüstert: Nero Corleone, ihr „Mafiakater“ aus Italien. Sie hat eine Spürnase für gute Autoren und zum Beispiel Daniel Kehlmann und Richard David Precht bekannt gemacht.

Um selbst als Autorin wahrgenommen zu werden, musste sie sich nach erfolgreichen Jahren von ihrer berühmten Kunstfigur trennen. „Ich wusste, die Else frisst alles auf, was ich sonst mache.“ Es sollte nicht heißen: Else Stratmann hat ihr erstes Buch geschrieben. Inzwischen sind es mehr als 30, das jüngste ist ein Porträt des Rheins: von der jungen, silbrigen Quelle über den im Transportwesen schuftenden Vater Rhein bis zum alten Fluss, der schließlich ausfranst und versandet wie ein Menschenleben.

Eine große Liebe ist die Oper. „Über Köln will ich nicht reden. Ich fahre oft nach Bonn in die Oper, die sind toll aufgestellt“, sagte Elke Heidenreich. Es sei für sie kein Widerspruch, gleichzeitig Fan der Seifenoper „Verbotene Liebe“ zu sein. Und da war noch die Rolle als Nachrichtensprecherin Helma Krap im Film „Raumpatrouille Orion“. Da hatte sie „endlich mal schöne Haare“ und den bedeutungsvollen Schlusssatz: „Alles wird galaktisch gut.“

Nächster Gast bei „Ich stelle mich“ ist Manager René Obermann. Ein Termin steht noch nicht fest.