Kommentar zum Abriss der Markuskapelle

Einzigartiger Abrissantrag

Blick über den Altar der Markuskapelle: Die gesamte Ausstattung muss vor dem Abriss entfernt und gesichert werden.

Blick über den Altar der Markuskapelle: Die gesamte Ausstattung muss vor dem Abriss entfernt und gesichert werden.

Bad Godesberg. Kirchen darf man doch nicht abreißen, ist der erste Impuls, wenn man die Fotos vom Innenraum der Markuskapelle betrachtet. Doch das Gebäude ist kein Denkmal.

Kirchen darf man doch nicht abreißen, ist der erste Impuls, wenn man die Fotos vom Innenraum der Markuskapelle betrachtet. Altar, Kreuz, bunte Glasfenster – all das soll zwar ausgebaut und erhalten werden. Der Abrissantrag für ein mehr als 100 Jahre altes Gotteshaus ist aber bisher einzigartig in Bonn.

Seit die letzten Kriegsschäden in der Stadt beseitigt sind – zu den letzten Opfern gehörte die Gertrudiskapelle der historischen Bonner Altstadt am Rheinufer – musste keine Kirche mehr weichen. Es gab nur Umnutzungen und Entwidmungen – man denke nur an die ehemalige Konviktskirche im Leoninum, die heute Veranstaltungsort ist, oder an die Kulturkirche Sankt Helena in der Nordstadt.  Ansonsten haben die Bonner wenig Erfahrung mit profaner Nutzung oder gar Abriss von Kirchen und Kapellen. Das liegt auch daran, dass das Erzbistum Köln generell sehr zurückhaltend damit ist, Kirchen aufzugeben. In anderen Bistümern sind ehemals heilige Hallen schon längst in Restaurants umgebaut.

Die Denkmalpfleger sind sich offenbar einig, dass die ehemalige Krankenhauskapelle aus dem 19. Jahrhundert nicht erhaltenswert ist. Dass sich in Godesberg, von politischen Stimmen abgesehen, bislang kein breiter Widerstand gegen einen Abriss regt, mag auch damit zusammenhängen, dass es keine Gemeinde gibt, die sich hier zugehörig fühlt. Mit einer Pfarrkirche mitten in einem der Godesberger Ortsteile sähe das sicherlich ganz anders aus.

Hätte man das alte Kirchlein nicht in den geplanten Neubau integrieren können? Zum Beispiel als Raum zum Toben für die Kinder des neuen Kindergartens oder als Treffpunkt für die Bewohner des Mehrgenerationen-Hauses? Solche Pläne wären wohl Luxus angesichts des maroden Zustands der Markuskapelle. Einen Investor zu finden, der ein historisches Gebäude, das kein Denkmal ist, in einen Neubau integriert, dürfte aussichtslos sein. Ein Argument für den Abriss waren die Nachbargebäude. Der gesamte Bereich bedarf dringend einer Aufwertung. Auf das Ergebnis darf man gespannt sein.